Bringt Corona Digital Health den Durchbruch?

Hintergrund, Auswirkungen und Chancen.

Digitale Innovationen in der Corona-Krise


Düsseldorf - 23. April 2020

Die rasante Verbreitung des Erregers SARS-CoV-2 stellt das deutsche Gesundheitssystem vor eine große Herausforderung. Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe arbeiten an der Belastungsgrenze, um die Gesundheitsversorgung auch in diesen Zeiten sicherzustellen. Der Ruf nach Entlastung und neuen Wegen wird lauter – kann Digital Health die Lösung sein?

Die Akzeptanz in der Bevölkerung wächst und der Markt reagiert

Patienten fragen „Dr. Google“, buchen online Arzttermine oder benutzen Gesundheits-Apps. Aber echte digitale Interaktion im Behandlungsprozess ist weiterhin die Seltenheit. Bedenken um Datenschutz und die „Entmenschlichung“ der Medizin führen zu Skepsis. Dies scheint sich jedoch gerade zu ändern: Seit Beginn der Infektionswelle mit dem Corona-Virus ist die Nutzung von digitalen Lösungen rasant gestiegen. Alleine beim Anbieter „jameda“ hat die Anzahl an Video-Sprechstunden im März in Deutschland um über 1.000 Prozent zugenommen. Der Bedarf der Bevölkerung das Ansteckungsrisiko zu minimieren, aber dennoch eine Therapie fortzusetzen, Fragen beantwortet zu bekommen oder von einem Arzt untersucht zu werden, ist immens.

Die digitale Arzt-Patienten Konsultation ist eine von vielen Möglichkeiten, um die Versorgung in Zeiten einer Pandemie sicherzustellen. Inzwischen kommt auch zusätzliche Unterstützung von den Partnern der Selbstverwaltung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Krankenkassen haben einige Erleichterungen und Lockerungen für die Video-Sprechstunde beschlossen.

Covid-19 im Fokus von Innovatoren

Um die Krise zu bewältigen, können nicht nur klassische Anwendungen wie Video-Sprechstunden einen Beitrag leisten. Eine Reihe digitaler Lösungen verfolgt das Ziel, trotz Corona die Behandlungen fortzusetzen, und zeigt, wie Digital Health die Versorgung unterstützen kann. Hier ein Überblick:
 
  • Die Rehabilitation in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie kann zum Beispiel auch von zu Hause aus mit Caspar Health oder Medicalmotion durchgeführt werden. Eine App leitet den Patienten bei seinen Übungen zu Hause an.
 
  • Die Kassler Stottertherapie unterstützt in der Logopädie, indem die Therapie zwischen Patient und Therapeut in einen digitalen Therapieraum verlagert wird. So sind beide digital vernetzt und trotzdem persönlich im Austausch.
 
  • Quarantäne und Ausgangssperre sind gerade für Menschen mit psychischen Leiden eine hohe Belastung. Selfapy und HelloBetter unterstützen bei Depressionen, Stress, Angst, Panik und bei weiteren psychischen Belastungssituationen. In Online-Therapiekursen und persönlichen Gesprächen werden Patienten mit Psychologen am Telefon oder Chat miteinander verbunden.
 
  • Schwangere und junge Eltern erhalten von Kinderheldin für die Zeit der Corona-Krise Onlinekurse mit persönlicher Betreuung durch Hebammen zur individuellen Geburtsvorbereitung und Nachsorge.
 
  • Chroniker haben auch ohne Corona große Herausforderungen im Alltag und im Umgang mit ihrer Erkrankung. Dabei dreht es sich nicht immer um die Krankheit an sich. Apps wie Vila Health oder Telipro setzen auf Wissensvermittlung, Motivation und Anpassung und bieten spezialisierte und patientenzentrierte digitale Begleitung.
 
  • M-sense bietet Migränepatienten ein Tagebuch für Schmerzattacken und potenzielle Einflussfaktoren. Dabei erfasst die App automatisch Wetterdaten und erstellt einen persönlichen Therapieplan mit einer Kombination aus Entspannungsverfahren, Bewegungstraining und Biofeedback.

Ein weiterer Vorteil: Viele Anbieter bieten für die Zeit von Corona ihren Service kostenlos an.

Covid-19: Flatten the curve

Zusätzlich gibt es neue Applikationen, die gerade jetzt in der Corona-Zeit entwickelt werden, um die erschwerte Gesundheitsversorgung zu erleichtern und die Verbreitung von Covid-19 oder die Folgen einzudämmen:
 
  • Ein Erfolgsprojekt des hackathons #wirvsVirus ist die MatchingPlattform Match4healthcare, die freiwillige Helfer im Gesundheitswesen mit offenen Stellen verbindet. Helfer, die z.B. Medizin studieren, können auf der Plattform ihre Hilfe anbieten und werden dann mit nachfragenden Institutionen wie z.B. Krankenhäusern zusammengebracht.
 
  • Um nicht unnötig von zu Arzt zu gehen, aber eine Risikoabschätzung zu erhalten, ob es sich tatsächlich um Corona handelt, können Patienten auch einen der neuen „Corona-Bots“ z.B. von docyet oder der Charité nutzen: Ein Chatbot antwortet speziell auf Fragen rund um Corona und den richtigen Umgang mit dem Virus.
 
  • In medizinischen Akutsituationen fehlt es oft an verfügbaren DolmetscherInnen. Triaphon hat dafür einen telefonischen 24h-Übersetzungsdienst für Krankenhäuser und Arztpraxen eingerichtet. Sprachmittler übersetzen telefonisch kurze Gespräche zwischen Ärzten, Pflegenden und Patienten.
 
  • Das Robert-Koch-Institut hat in der letzten Woche eine Datenspende-App herausgebracht. Diese soll helfen, die Ausbreitung der Krankheit besser zu erfassen und zu verstehen. Patienten können sich die App herunterladen und sie mit Gesundheitsdaten aus ihren Fitnessarmbändern und Smartwatches speisen. Die Teilnahme ist freiwillig und geschieht anonym – bisher haben über 300.000 Nutzer die App heruntergeladen (Stand 14.4.20).
 
  • Eine weitere Lösung ist in der finalen Entwicklung: Eine Tracking-App aus dem europäischen Projekt Pepp-PT (Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing) soll die Nutzer auf den Kontakt mit möglicherweise identifizierten Personen hinweisen. Auch hier steht Freiwilligkeit im Vordergrund. Wenn Menschen sich in der Nähe einer nachweislich infizierten Person aufgehalten haben, erfolgt eine Benachrichtigung. Die App gibt jedoch nicht an, wer die Person war oder wo der Kontakt stattgefunden hat. Die Software der App soll als zukünftiger Standard auch für andere Länder freigegeben werden.

Corona stellt Digital Health auf die Probe

Not macht erfinderisch - Die Flut an guten Ideen aus dem Bereich Digital Health macht zuversichtlich und zeigt neue Wege in der Gesundheitsversorgung auf, die gerade in Pandemiezeiten sinnvolle Optionen bieten. Die  Dynamik der Entwicklungen ist gerade enorm und wird die Versorgung auch nach Corona verändern. Die Vorteile für Ärzte und Patienten liegen auf der Hand. Spannend ist die Frage, wie nachhaltig der „Boom“ telemedizinischer Anwendungen im Markt ist. Sollten die Nutzer in Krisenzeiten von den Angeboten überzeugt werden, wäre das ein Meilenstein für Digital Health in Deutschland.
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