Zum Inhalt springen

Annäherungen im Nahost-Konflikt, aber noch keine Entwarnung

Finanzmarktkommentar von Dr. Stefan Schüder, Investmentstratege der apoBank | 20.04.2026

Auf einen Blick

  • Die Lage im Nahen Osten bleibt volatil, zeigt aber erste diplomatische Signale einer möglichen Stabilisierung.
  • Trotz anhaltend hoher Energiepreise erwarten wir weder einen Einbruch des globalen Wachstums noch einen kräftigen Anstieg der Inflation. 
  • Von der EZB erwarten wir eine verzögerte geldpolitische Reaktion, mit einer ersten Zinserhöhung im Juni und einer weiteren im September. 
  • Angesichts attraktiver Renditen erhöhen wir die Investitionsquote auf der Rentenseite selektiv und sind dort wieder neutral positioniert, während Aktien vorerst untergewichtet bleiben.

Wie geht es weiter mit dem Krieg im Nahen Osten?

Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt und von hoher Volatilität geprägt. Die Konfliktparteien stehen sich weiterhin konfrontativ gegenüber, eine schnelle und nachhaltige Einigung ist bislang nicht in Sicht. Gleichzeitig mehren sich jedoch die Anzeichen, dass diplomatische Kanäle offen sind und Gespräche stattfinden.

Die angekündigte, dann wieder verschobene Öffnung der Straße von Hormus durch den Iran am vergangenen Wochenende deutet darauf hin, dass intensiv um Verhandlungspositionen gerungen wird. Für die Märkte bleibt entscheidend, wie lange diese für den globalen Energiehandel zentrale Seeverbindung weiter eingeschränkt bleibt. Trotz der anhaltenden Unsicherheit ist ein grundsätzlicher Wille zur Deeskalation weiter erkennbar. Erste vorsichtige Stabilisierungsanzeichen sind damit vorhanden, auch wenn der Konflikt insgesamt noch nicht überwunden ist, das Umfeld fragil bleibt und kurzfristige Eskalationen nicht ausgeschlossen werden können.

Unsere Einschätzungen zu Wirtschaftswachstum und Inflation

Die zuletzt gestiegenen Energiepreise wirken dämpfend auf das globale Wachstum und erhöhen den Inflationsdruck. Vor diesem Hintergrund erwarten wir jedoch keine weitere Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik gegenüber unserer jüngsten Strategiebeurteilung, die Sie in der Veröffentlichung der apoStrategie für den April 2026 vorfinden. Unsere Wachstumsprognosen bleiben daher unverändert.

Auch auf der Inflationsseite gehen wir davon aus, dass der jüngste Anstieg keine weiteren starken Zuwächse nach sich ziehen wird. Geldpolitisch rechnen wir damit, dass die Europäische Zentralbank mögliche Zinsanhebungen zunächst nach hinten verschiebt, um die aktuellen Entwicklungen sorgfältig zu beurteilen. Eine erste Zinserhöhung erwarten wir im Juni, eine weitere im September.

Insgesamt sehen wir die Weltwirtschaft weiterhin auf einem moderaten, positiven Wachstumspfad, begleitet von erhöhter, aber nicht außer Kontrolle geratender Inflation. Die fundamentalen Rahmenbedingungen bleiben damit trotz der bestehenden Unsicherheiten grundsätzlich günstig für die Finanzmärkte. 

Fazit

Behutsame Risikoerhöhung auf der Rentenseite

Auf der Rentenseite waren wir zuletzt untergewichtet, insbesondere durch unsere Untergewichtung japanischer Staatsanleihen. Diese Positionierung hat sich angesichts des Renditeanstiegs ausgezahlt und zu einer relativen Outperformance gegenüber der Benchmark geführt.

Die ersten Anzeichen einer möglichen Stabilisierung des Iran‑Konflikts nutzen wir nun, um die Investitionsquote auf der Rentenseite selektiv zu erhöhen. Die infolge gestiegener Inflationserwartungen höheren Renditen haben sich inzwischen manifestiert und eröffnen wieder attraktivere Einstiegsniveaus.

Vor allem Hochzins- und Investment‑Grade‑Unternehmensanleihen sowie Staatsanleihen aus den Schwellenländern weisen derzeit attraktive Risikoaufschläge auf, die wir gezielt nutzen. Diese Segmente übergewichten wir in dem Umfang, in dem wir an der Untergewichtung japanischer Staatsanleihen festhalten, sodass wir insgesamt wieder neutral auf der Rentenseite positioniert sind.

Auf der Aktienseite verbleiben wir vorerst in einer Untergewichtung, sind jedoch bereit, auch hier Positionen aufzustocken, sobald sich eine nachhaltige Beruhigung des geopolitischen Umfelds abzeichnet. Die Marktentwicklung beobachten wir weiterhin aufmerksam. 

Hinweise

Diese Publikation ist eine Kunden­information im Sinne des Wert­papier­handels­gesetzes. Sie stellt keine individuelle Wert­papier-, Ver­mögens- oder Anlage­beratung oder ein Ver­trags­ange­bot dar und ist nicht als Empfehlung zu einer be­stimmten Geld­anlage zu ver­stehen.


Adressat

Diese Publikation ist aus­schließlich für Kundinnen und Kunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) mit Wohn­sitz und Aufenthalts­ort in Deutsch­land be­stimmt und dient allein zu Infor­mations­zwecken. Sie richtet sich insbe­sondere nicht an Personen mit Wohn­sitz oder Aufenthalts­ort in Groß­britannien, den USA oder Kanada, auch wenn es sich um Kundinnen und Kunden der apoBank handelt.


Darstellung von Wert­entwicklungen

Angaben zur bisherigen Wert­entwicklung er­lauben keine ver­lässliche Pro­gnose für die Zu­kunft. Die Wert­entwick­lung kann durch Währungs­schwankungen be­ein­flusst werden, wenn die Basis­währung des Wert­papiers/ Indexes von EURO ab­weicht.


Disclaimer

Die apoBank wird be­aufsichtigt durch die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin), Grau­rhein­dorfer Straße 108, 53117 Bonn und Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frank­furt am Main sowie die Euro­pä­ische Zentral­bank (EZB), Sonne­mann­straße 20, 60314 Frank­furt am Main. Diese Publika­tion be­ruht auf von der apoBank nicht über­prüf­baren, allge­mein zu­gäng­lichen Quellen, die wir für zu­ver­lässig halten, für deren Richtig­keit und Voll­ständig­keit wir je­doch keine Ge­währ über­nehmen können. Sie gibt die un­ver­bindliche Auf­fassung der apoBank über den Markt und die Pro­dukte zum Zeit­punkt des Redaktions­schlusses wider. Des Weiteren über­nimmt die apoBank keine Haftung für Ver­luste, die durch die Ver­teilung und/ oder Ver­wendung dieser Informa­tionen ver­ur­sacht werden und/ oder mit der Ver­wendung dieser Informa­tionen in Zu­sammen­hang stehen. Ob und in welchem zeit­lichen Ab­stand eine Aktuali­sierung dieser Aus­arbeitung er­folgt, ist vor­ab nicht fest­gelegt.