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Finanzmarktausblick 2026
Von Glanz bis Wachstum: Chancen bei Gold und Schwellenländern

Finanzmarktkommentar von Dr. Stefan Schüder, Volkswirt und Investment Stratege der apoBank | 08.01.2026

Auf einen Blick

  • Wir erwarten ein Übergangsjahr mit moderatem globalem Wachstum, getragen von technologischen Innovationen und geldpolitischer Lockerung
  • Aktienmärkte bieten Chancen vor allem in den Schwellenländern, während hohe Bewertungen in Industrieländern selektives Vorgehen erfordern
  • Schwellenländeranleihen bleiben attraktiv, US-Staatsanleihen werden von weiteren Zinssenkungen profitieren
  • Der Euro wird gegenüber dem US-Dollar aufwerten, während Gold als strategischer Stabilitätsanker gefragt bleibt
     

Technologische Innovation und geldpolitische Lockerung als Treiber

Das Jahr 2026 markiert eine Phase des Übergangs in der globalen Wirtschaft. Nach Jahren, die von geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten und pandemiebedingten Verwerfungen geprägt waren, rücken nun strukturelle Trends stärker in den Vordergrund. Die Weltwirtschaft bewegt sich in einem Umfeld, das von technologischen Innovationen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, sowie einer fortgesetzten geldpolitischen Lockerung bestimmt wird. Interventionen in Gebieten mit geringer weltwirtschaftlicher Relevanz, wie die kürzliche Festnahme des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA, verändern die grundlegenden Trends nicht und üben nur begrenzten Einfluss auf die Finanzmärkte aus.

Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, Wachstum und Stabilität in einer Welt zu sichern, die sich durch hohe Verschuldung, demografische Veränderungen und die Transformation hin zu nachhaltigen Wirtschaftsmodellen auszeichnet. Für Anleger ergibt sich ein Spannungsfeld aus Chancen und Risiken: Während neue Technologien und Investitionsprogramme Impulse setzen, erfordern geopolitische Unsicherheiten und hohe Bewertungsniveaus ein selektives Vorgehen.

Globale Aktienmärkte mit moderaten Erträgen: Schwellenländer im Fokus

Die Aussichten für Aktien sind konstruktiv. Die globalen Aktienmärkte werden positive Erträge liefern, die jedoch weniger hoch als im Vorjahr ausfallen. Denn hohe Bewertungen und ambitionierte Gewinnerwartungen begrenzen das Kurspotenzial. Besonders im Fokus stehen die großen IT- und Kommunikationsunternehmen in den USA, deren Investitionen in Künstliche Intelligenz weiter steigen werden. Diese Investitionen trugen bereits im ersten Halbjahr 2025 über 90 % zum Wachstum des US-BIP bei.

Trotz der starken Entwicklung der Technologieaktien in den letzten Jahren sehen wir wegen des zunehmenden Einsatzes neuer Technologien und der starken Ertragskraft weiteren Raum für positive Kursentwicklungen. Verglichen mit den 1990er Jahren, in denen ähnlich stark in IT-Technologie investiert wurde, besteht ebenfalls noch Potenzial für weitere Kursanstiege (siehe Abbildung).

Regional sehen wir Aktien aus den Schwellenländern als Favoriten: Sie profitieren von einem schwächeren US-Dollar, robustem Wachstum, dem hohen Anteil an IT-Unternehmen und der im Vergleich günstigen Bewertung.

Die Aktienmärkte in den USA, Europa und Japan sehen wir wegen ihrer höheren Bewertung und geringeren Wachstumsaussichten neutral. Insgesamt bevorzugen wir ein Übergewicht auf der Aktienseite mit einem Fokus auf die Schwellenländer. 

Schwellenländeranleihen bleiben dank hoher laufender Renditen Favorit

Die Rentenmärkte zeigen ein uneinheitliches Bild. US-Staatsanleihen sind attraktiv, da die erwarteten Zinssenkungen der Fed die Renditen über die gesamte Laufzeitstruktur moderat sinken lassen. Die japanische Zentralbank ist hingegen in einen Zinsanstiegszyklus übergegangen, in dem japanische Staatsanleihen unter Renditeanstiegen leiden werden.

Unternehmensanleihen stufen wir neutral ein: Der hohe Finanzierungsbedarf für KI-Projekte könnte die historisch niedrigen Risikoaufschläge ausweiten. Schwellenländeranleihen betrachten wir als attraktiv, da sie von sinkenden Zinsen, einem schwächeren US-Dollar und hohen laufenden Renditen profitieren. Insgesamt bietet der Rentenmarkt Stabilität, aber nur begrenztes Renditepotenzial.

Devisenmarkt und Rohstoffe

Am Devisenmarkt erwarten wir eine weitere Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Wir prognostizieren einen Wechselkurs von 1,22 US-Dollar je Euro, während der aktuelle Marktkurs bei etwa 1,17 liegt. Die geldpolitische Divergenz zwischen EZB und Fed sowie die zunehmenden Kratzer, die Trumps Politik am Image der globalen Leitwährung hinterlässt, prägen die Wechselkursentwicklung.

Bei den Rohstoffen bleibt Gold im Fokus: Die Nachfrage seitens Investoren und Schwellenländer-Zentralbanken sorgt für weiteres Kurspotenzial. Öl hingegen dürfte sich seitwärts bis leicht abwärts bewegen, da die globale Nachfrage nur moderat wächst und mit dem Sturz von Maduro perspektivisch wieder mehr venezolanisches Öl auf dem Weltmarkt angeboten werden wird.

Fazit: Moderates Wachstum und Zukunftstechnologien prägen das Jahr

Das Jahr 2026 bietet ein konstruktives Umfeld für Anleger, geprägt von moderatem globalem Wachstum, geldpolitischer Lockerung und Investitionen in Zukunftstechnologien.

Aktien bleiben attraktiv, insbesondere in den Schwellenländern, während die Chancen in den Industrieländern begrenzt sind. Anleihen bieten Stabilität, vor allem US-Staatsanleihen und Schwellenländerpapiere sind attraktiv. Gold bleibt ein strategischer Baustein, während Währungen von der geldpolitischen Divergenz beeinflusst werden. Risiken bestehen in geopolitischen Spannungen, möglichen Konjunkturverschlechterungen und der hohen Konzentration auf KI-Investitionen.

Insgesamt sehen wir ein positives Umfeld, in dem selektives Vorgehen und eine breite Diversifikation Vorteile bringen.

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