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Unser Wochenblick

Was die Finanzmärkte diese Woche beschäftigt

Die Themen der Woche | 8. bis 12. Juni 2026

Naher Osten und KI-Unternehmen bestimmen den Handel

Die globalen Kapitalmärkte befinden sich nach wie vor im Spannungsfeld der geopolitischen Krise im Nahen Osten, weil sich daran die Frage nach der Passierbarkeit der Straße von Hormus anschließt. Daneben sorgten auch die Technologiewerte für eine erhöhte Volatilität. Die Entwicklung an den Märkten verlief regional unterschiedlich, wobei das Umfeld von erhöhter Sensibilität geprägt ist.

Geopolitik und Technologie prägen die Aktienmärkte

Die internationalen Aktienmärkte standen weiterhin im Zeichen geopolitischer Spannungen. Insbesondere der immer wieder aufflammende Nahostkonflikt sorgte für eine hohe Unsicherheit. Neue Eskalationen wurden von den Märkten vorsichtig aufgenommen, während Signale der Entspannung teils auf deutliche Erleichterung stießen.

Parallel dazu verzeichneten insbesondere Technologieaktien eine ausgeprägte Volatilität. Impulse lieferten sowohl die zur Wochenmitte veröffentlichten Geschäftszahlen von Oracle als auch der rekordträchtige Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX zum Wochenausklang. Vor allem im KI-Sektor zeigen sich Anleger angesichts der hohen Investitionssummen der großen Branchenakteure zunehmend sensibel.

Insgesamt konnte die Wall Street auf Wochensicht zulegen, nicht zuletzt dank einer kräftigen Erholung am Donnerstag. In Europa hingegen wirkten die geopolitischen Spannungen – bedingt durch die höhere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern – stärker belastend. Zudem sorgte die Zurückhaltung der Anleger im Vorfeld des EZB-Zinsentscheids für zusätzlichen Druck, sodass die europäischen Indizes im Wochenvergleich im Minus schlossen.

Moderate Entlastung bei Staatsanleihen

An den Anleihemärkten gab es sowohl in den USA als auch in Europa einen moderaten Renditerückgang. Während es zwischenzeitlich auf beiden Seiten des Atlantiks Druck in Form steigender Ölpreise durch die aufflammende Eskalation im Nahen Osten gab, die die Inflationserwartungen nach oben trieben, beruhigte sich die Lage zuletzt.

Die nachlassende Spannung im Iran-Konflikt durch die Absage weiterer Angriffe durch die USA und den Iran wirkte insgesamt dämpfend auf die Energiepreise und damit auf die Rendite der Festverzinslichen. Die Handelswoche zeigt deutlich, dass sich die Staatsanleihen im Takt mit den Energiepreisen bewegen.

Öl und Gold geben nach

Der Ölpreis gab im Wochenverlauf nach und ist weiterhin eng an die Geopolitik gekoppelt. Besonders eindrücklich zeigte sich der Zusammenhang am Donnerstag und am Freitagmorgen mit einem deutlichen Rückgang des Brent-Preises aufgrund der Ankündigung von US-Präsident Trump, dass eine Einigung im Iran-Konflikt unmittelbar bevorsteht.

Am Devisenmarkt wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar ab. Der Goldpreis verzeichnete einen spürbaren Rückgang je Feinunze und litt unter anderem unter einem festeren Greenback.

Schlusskurse wesentlicher Anlageklassen

Diese Tabelle stellt die Schlussstände wesentlicher Indizes dar. Sie ist nicht barrierefrei.

EZB erhöht Leitzinsen zum ersten Mal seit drei Jahren

Am Donnerstag verkündete die EZB bei ihrer turnusmäßigen Ratssitzung eine Anhebung der Leitzinsen im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte. Der vielbeachtete Einlagesatz steigt somit von 2,0 % auf 2,25 %. Zuvor hatte die EZB ihre Leitzinsen siebenmal hintereinander nicht geändert. Die aktuelle Leitzinserhöhung war von uns und der großen Mehrheit der Ökonomen erwartet worden. An den Finanzmärkten war die Anhebung des Leitzinses bereits vollständig eingepreist worden. Auf der Pressekonferenz war EZB-Präsidentin Christine Lagarde bemüht, den Eindruck zu vermeiden, dass die EZB nun vor einem neuen Leitzinserhöhungszyklus stehen könnte. Stattdessen betonte sie mehrmals, dass die weiteren Zinsentscheide der EZB in den kommenden Monaten von Sitzung zu Sitzung und in Abhängigkeit von den Wirtschaftsdaten getroffen werden.

Die neuen Projektionen der EZB, die ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurden, lassen erwarten, dass wegen des Energiepreisschocks das Wirtschaftswachstum schwächer und die Inflation höher ausfallen wird, als es die letzten EZB-Projektionen von März nahelegten. An unserer Hausmeinung hat sich nach dem jüngsten EZB-Zinsentscheid indes nichts geändert. Wir gehen weiter davon aus, dass die EZB ihre Leitzinsen bei der übernächsten Sitzung im September erneut um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. 

Was nächste Woche wichtig wird

Neuer Fed-Chef Kevin Warsh betritt die große Bühne

Nach den wichtigen Zinsentscheiden der Bank of Canada und der Europäischen Zentralbank in dieser Woche steht auch in der nächsten Woche die internationale Geldpolitik im Fokus der Anleger. Neben der Bank of Japan und der Bank of England richtet sich der Blick vor allem auf die US-Zentralbank Fed, die am Mittwochabend ihren Zinsentscheid verkünden wird. Im Mittelpunkt steht aber nicht der Zinsentscheid selbst, sondern der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh, der seinen Vorgänger Jerome Powell nach zwei Amtszeiten beerbt. Warsh selbst ist kein unbeschriebenes Blatt. Sowohl bei der Fed als auch in der privaten Finanzwirtschaft hat er eine berufliche Vergangenheit.

Dennoch sind sich die Investoren alles andere als sicher, welche Geldpolitik sie unter Warsh zu erwarten haben. Ginge es nach US-Präsident Trump, müsste Warsh den Leitzins schnell und kräftig senken. Doch angesichts der erhöhten US-Inflation verbietet sich eine Leitzinssenkung derzeit. Dies gilt insbesondere für die bevorstehende Fed-Sitzung am Mittwoch. Unsere Hausmeinung eines unveränderten US-Leitzinses steht im Einklang mit der Mehrheitsmeinung der Fed-Beobachter und den Markterwartungen.
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