Zum Inhalt springen

Unser Wochenblick

Was die Finanzmärkte diese Woche beschäftigt

Die Themen der Woche | 26. bis 30. Oktober 2026

Zwischen Zinspolitik und Berichtssaison

Im Mittelpunkt der Kapitalmärkte standen zuletzt die Entscheidungen von Federal Reserve und Europäischer Zentralbank. Die Kombination aus geldpolitischen Signalen, neuen Konjunkturdaten und zahlreichen Quartalsberichten sorgte für eine erhöhte Aufmerksamkeit der Anleger. Besonders die europäischen Aktienmärkte profitierten von einem konstruktiven Umfeld, während bei Technologie- und KI-Werten erste Ermüdungserscheinungen sichtbar wurden und hohe Erwartungen zunehmend kritisch hinterfragt wurden. Die Entwicklung an den Anleihemärkten spiegelte unterschiedliche Erwartungen an den künftigen Kurs der Geldpolitik wider. Bei den Rohstoffen zeigte sich Gold stabil, während Öl leicht nachgab.

Europa setzt positive Akzente

Die internationalen Aktienmärkte konnten in der vergangenen Woche überwiegend zulegen. Im Mittelpunkt standen die Entscheidungen der Notenbanken sowie eine Vielzahl neuer Unternehmensberichte, die wichtige Einblicke in die Verfassung der Wirtschaft gaben. In den USA verlief der Handel zunächst abwartend, da Anleger den Beschlüssen der Federal Reserve und den Ergebnissen großer Technologieunternehmen entgegenblickten. Die veröffentlichten Geschäftszahlen zeichneten insgesamt weiterhin das Bild einer robusten Unternehmenslandschaft, auch wenn einzelne starke Enttäuschungen im IT-Sektor zum Wochenschluss zu erhöhten Schwankungen führten. KI-orientierte Werte standen infolgedessen unter Druck. Die Aussagen der US-Notenbank wurden von den Marktteilnehmern als Bestätigung gewertet, dass die Inflation unter Beobachtung bleibt und geldpolitische Entscheidungen weiterhin von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen.

In Europa überwogen dagegen die positiven Impulse. Bereits zu Wochenbeginn sorgte die Bestätigung der Kreditwürdigkeit Frankreichs für Erleichterung an den Märkten und reduzierte Befürchtungen über die finanzpolitische Stabilität des Euroraums. Unterstützung kam zudem von selektiv guten Quartalsergebnissen sowie von der Erwartung, dass die Europäische Zentralbank ihren geldpolitischen Kurs berechenbar fortsetzen würde. Nach der Entscheidung der EZB setzte sich die freundliche Marktstimmung fort. Anleger werteten die Signale der Währungshüter als Hinweis auf ein weiterhin unterstützendes Umfeld für Wirtschaft und Unternehmensgewinne. Insgesamt entwickelte sich der europäische Aktienmarkt deutlich stärker als sein amerikanisches Pendant, da sowohl die geldpolitischen Nachrichten als auch die regionalen Rahmenbedingungen für zusätzlichen Rückenwind sorgten.

Notenbanken prägen Renditeentwicklung

An den Anleihemärkten stand die Bewertung der geldpolitischen Perspektiven im Vordergrund. In den USA gingen die Renditen langfristiger Staatsanleihen leicht zurück. Ausschlaggebend waren die Erwartungen, dass die Federal Reserve trotz weiterhin solider Konjunkturdaten an ihrem vorsichtigen Kurs festhalten würde. Die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen nahm dadurch etwas zu.

In Europa bewegten sich die Renditen langfristiger Bundesanleihen dagegen leicht aufwärts. Marktteilnehmer verarbeiteten die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank sowie neue Einschätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum. Die leicht gegenläufige Entwicklung der Renditen verdeutlichte unterschiedliche Markterwartungen diesseits und jenseits des Atlantiks. In den USA sorgte die Erwartung einer vorsichtigen und datenabhängigen Fed für fallende Renditen, während in Europa die Diskussion über den zukünftigen Kurs der EZB und die Bewertung weiterer Zinsschritte zu einem leichten Renditeanstieg führte.

Öl im Aufwind, Gold unter Druck

Bei den Rohstoffen entwickelte sich das Bild uneinheitlich. Gold konnte leicht zulegen und profitierte von seiner Funktion als Stabilitätsanker in einem Umfeld anhaltender Unsicherheit über die künftige Zinsentwicklung. 

Der Ölpreis zeigte sich nach den starken Anstiegen der vergangenen Monate etwas leichter, behauptete insgesamt jedoch sein hohes Niveau. Während die weiterhin erhöhten geopolitischen Risiken im Nahen Osten unterstützend wirkten, rückten zwischenzeitlich Sorgen über die künftige Ölnachfrage in den Vordergrund. Die Preisbewegung erschien damit eher als normale Marktreaktion, denn als Ausdruck einer grundlegenden Veränderung der Angebots- und Nachfragesituation. 

Schlusskurse wesentlicher Anlageklassen

Diese Tabelle stellt die Schlussstände wesentlicher Indizes dar. Sie ist nicht barrierefrei.

EZB und Fed spielen auf Zeit und warten auf mehr Daten

Die EZB hat ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen und ihre datenabhängige Kommunikationsstrategie beibehalten. Präsidentin Lagarde erklärte, dass im EZB-Rat zwar eine Zinserhöhung diskutiert wurde, man sich angesichts der Unsicherheit jedoch für ein Abwarten weiterer Daten entschieden habe. Ausschlaggebend hierfür sind die gegenläufigen Signale aus höheren Energiepreisen, restriktiveren Finanzierungsbedingungen und einer weitgehend stabilen Kerninflation. Gleichzeitig betonte Lagarde, dass die geldpolitische Richtung grundsätzlich klar sei, sofern die bis Dezember eingehenden Daten das aktuelle Bild bestätigen. Daher rechnen wir nach wie vor mit einer weiteren Zinserhöhung auf der nächsten EZB-Sitzung im Dezember.

Bereits am Vormittag wurde bekannt, dass Lagarde im Februar 2027 vorzeitig von ihrem Amt als EZB-Präsidentin zurücktreten wird. Als Nachfolger werden der Niederländer Knot sowie der Spanier de Cos gehandelt. Durch den Führungswechsel an der Spitze der EZB zeichnet sich jedoch kein Richtungswechsel in der Geldpolitik im Euroraum ab.

Bereits am Mittwochabend tagte der Offenmarktausschuss der US-Notenbank. Die Fed hat den Leitzins diesmal wie erwartet unverändert belassen und damit den zuletzt signalisierten Kurs eines vorsichtigen Vorgehens bestätigt. Die Sitzung brachte kaum neue Erkenntnisse und liefert derzeit keine Hinweise auf eine baldige Abkehr von diesem geldpolitischen Pfad. Wir rechnen weiterhin mit einer letzten Zinserhöhung im Dezember, während ein zusätzlicher Zinsschritt im März nur bei überraschend hartnäckiger Inflation angebracht erscheint.

Was nächste Woche wichtig wird: Zwischenwahlen und Konjunkturdaten

Mit den US-Zwischenwahlen am Dienstag, wichtigen Konjunkturdaten und der laufenden Unternehmensberichtssaison steht eine ereignisreiche Woche bevor. Zu Wochenbeginn werden die Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die Hinweise auf die aktuelle Dynamik der Wirtschaft in den USA und Europa liefern.

Zur Wochenmitte richtet sich der Fokus auf die Inflationsdaten im Euroraum, die für die Erwartungen an die weitere Geldpolitik der EZB von Bedeutung sind. Am Freitag folgt mit dem US-Arbeitsmarktbericht einer der wichtigsten Konjunkturindikatoren überhaupt. Ergänzt wird dieser durch die Daten zur Konsumentenstimmung und zu den Inflationserwartungen der privaten Haushalte.

Daneben bleibt die Unternehmensberichtssaison ein zentraler Einflussfaktor. Die aktuellen Geschäftszahlen und Ausblicke liefern wichtige Hinweise auf die Entwicklung von Gewinnen, Investitionen und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.
Haben Sie unseren Wochenblick schon abonniert? Melden Sie sich hier zu unserem News­letter an.
Hinweise
Diese Publikation ist eine Kunden­information im Sinne des Wert­papier­handels­gesetzes. Sie stellt keine individuelle Wert­papier-, Ver­mögens- oder Anlage­beratung oder ein Ver­trags­ange­bot dar und ist nicht als Empfehlung zu einer be­stimmten Geld­anlage zu ver­stehen.

Adressat
Diese Publikation ist aus­schließlich für Kundinnen und Kunden der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) mit Wohn­sitz und Aufenthalts­ort in Deutsch­land be­stimmt und dient allein zu Infor­mations­zwecken. Sie richtet sich insbe­sondere nicht an Personen mit Wohn­sitz oder Aufenthalts­ort in Groß­britannien, den USA oder Kanada, auch wenn es sich um Kundinnen und Kunden der apoBank handelt.

Darstellung von Wert­entwicklungen
Angaben zur bisherigen Wert­entwicklung er­lauben keine ver­lässliche Pro­gnose für die Zu­kunft. Die Wert­entwick­lung kann durch Währungs­schwankungen be­ein­flusst werden, wenn die Basis­währung des Wert­papiers/ Indexes von EURO ab­weicht.

Disclaimer
Die apoBank wird be­aufsichtigt durch die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin), Grau­rhein­dorfer Straße 108, 53117 Bonn und Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frank­furt am Main sowie die Euro­pä­ische Zentral­bank (EZB), Sonne­mann­straße 20, 60314 Frank­furt am Main. Diese Publika­tion be­ruht auf von der apoBank nicht über­prüf­baren, allge­mein zu­gäng­lichen Quellen, die wir für zu­ver­lässig halten, für deren Richtig­keit und Voll­ständig­keit wir je­doch keine Ge­währ über­nehmen können. Sie gibt die un­ver­bindliche Auf­fassung der apoBank über den Markt und die Pro­dukte zum Zeit­punkt des Redaktions­schlusses wider. Des Weiteren über­nimmt die apoBank keine Haftung für Ver­luste, die durch die Ver­teilung und/ oder Ver­wendung dieser Informa­tionen ver­ur­sacht werden und/ oder mit der Ver­wendung dieser Informa­tionen in Zu­sammen­hang stehen. Ob und in welchem zeit­lichen Ab­stand eine Aktuali­sierung dieser Aus­arbeitung er­folgt, ist vor­ab nicht fest­gelegt.