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Unser Wochenblick

Was die Finanzmärkte diese Woche beschäftigt

Die Themen der Woche | 20. Juli bis 24. Juli 2026

Zwischen Berichtssaison und Nahostkrise

An den internationalen Finanzmärkten prägten in der vergangenen Woche zwei gegensätzliche Entwicklungen das Geschehen. Einerseits stützten Erwartungen an die Unternehmensberichte und die Nachfrage nach Anwendungen der Künstlichen Intelligenz die Kurse. Andererseits belasteten die Eskalation des Iran-Konflikts und der kräftige Anstieg der Ölpreise die Stimmung. In der Folge nahmen die Sorgen vor einem erneuten Anstieg der Inflation zu. Besonders gegen Ende der Woche überwogen deshalb die Risiken gegenüber den Chancen. 

Nahostkrise belastet Börsen

Die internationalen Aktienmärkte zeigten sich zunächst widerstandsfähig. In den USA stützten Hoffnungen auf eine erfolgreiche Berichtssaison und eine anhaltend hohe Nachfrage nach Anwendungen der Künstlichen Intelligenz insbesondere die Technologiewerte. Nach den Kursverlusten der Vorwoche kam es zunächst zu einer spürbaren Erholung, während Anleger auf die Geschäftszahlen großer Technologiekonzerne blickten. Gleichzeitig rückten Hinweise auf steigende Investitionen in digitale Infrastruktur und Rechenkapazitäten in den Fokus.

Im weiteren Wochenverlauf wandelte sich die Stimmung jedoch. Die fortgesetzte Eskalation des Iran-Konflikts ließ die Sorgen um die weltweite Energieversorgung wachsen. Mit dem steigenden Ölpreis nahmen auch die Befürchtungen zu, dass der Inflationsdruck wieder zunehmen könnte. Gleichzeitig wurde die Rentabilität der hohen Ausgaben für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zunehmend kritisch hinterfragt. Enttäuschte Erwartungen führten insbesondere im Technologiesektor zu Gewinnmitnahmen. Die großen US-Aktienindizes beendeten die Woche deshalb mit Verlusten, wobei die technologielastigen Börsen deutlicher nachgaben.

Die europäischen Börsen folgten zunächst dem freundlichen internationalen Umfeld. Unterstützend wirkten eine Aufhellung der Konjunkturerwartungen in Deutschland sowie die Hoffnung auf eine solide Berichtssaison. Vor allem Technologie- und Halbleiterwerte konnten zwischenzeitlich deutlich zulegen. Die Anleger blendeten die Risiken im Nahen Osten zunächst weitgehend aus und konzentrierten sich auf Unternehmensnachrichten.

Zum Ende der Woche überwogen jedoch auch in Europa die Belastungsfaktoren. Der starke Anstieg der Energiepreise schürte neue Inflationssorgen, während Aussagen der Europäischen Zentralbank die Aufmerksamkeit auf mögliche Risiken für die Preisentwicklung lenkten. Dadurch gerieten die Aktienmärkte unter Druck. Unter dem Strich schlossen sowohl der deutsche als auch der europäische Leitindex etwas schwächer.

Inflationssorgen belasten Anleihen

An den Anleihemärkten dominierten klar steigende Renditen. Sowohl in den USA als auch in Europa sorgte der kräftige Anstieg der Energiepreise für wachsende Zweifel an einer baldigen geldpolitischen Lockerung. Anleger rechneten zunehmend damit, dass die Notenbanken angesichts höherer Inflationsrisiken länger an ihrer restriktiven Ausrichtung festhalten könnten. 

In den USA erhielten diese Erwartungen zusätzlichen Auftrieb durch die robuste Entwicklung des Arbeitsmarktes. Gleichzeitig nahmen die Spekulationen über mögliche weitere Zinsschritte zu. In Europa bestätigte die Europäische Zentralbank zwar ihr bestehendes Zinsniveau, verwies jedoch auf anhaltende Risiken für die Preisentwicklung. Vor diesem Hintergrund legten die Renditen länger laufender Staatsanleihen diesseits und jenseits des Atlantiks im Wochenverlauf spürbar zu. 

Energiepreise bestimmen das Bild

An den Rohstoffmärkten stand der Ölpreis im Mittelpunkt. Die Verschärfung des Iran-Konflikts, Angriffe auf wichtige Schifffahrtsrouten und wachsende Sorgen um die Versorgung mit Energierohstoffen ließen die Notierungen im Wochenverlauf deutlich ansteigen. Die Rohölmärkte reagierten damit direkt auf die geopolitischen Risiken im Nahen Osten. 

Der US-Dollar profitierte von den steigenden Renditen amerikanischer Staatsanleihen und den höheren Zinserwartungen. Gegenüber dem Euro konnte die amerikanische Währung zulegen. Gold verzeichnete trotz zwischenzeitlicher Belastungen durch den festeren Dollar ebenfalls Gewinne. Ausschlaggebend war die erhöhte Nachfrage nach sicheren Anlageformen in einem von geopolitischen Spannungen geprägten Marktumfeld.
 

Schlusskurse wesentlicher Anlageklassen

Diese Tabelle stellt die Schlussstände wesentlicher Indizes dar. Sie ist nicht barrierefrei.

EZB lässt Leitzinsen wie erwartet unverändert

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag anlässlich ihrer turnusmäßigen Sitzung den als Leitzins geltenden Einlagesatz unverändert bei 2,25 % gelassen. Im Vorfeld hatten wir wie der Großteil der Marktteilnehmer mit diesem Schritt gerechnet, nachdem die EZB auf ihrer vorigen Sitzung den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben hatte. Die offiziellen Aussagen im sogenannten Monetary Policy Statement sowie Lagardes Antworten auf die Fragen der Journalisten während der anschließenden Pressekonferenz hatten wenig Neues und viel Bekanntes zu bieten. So verzichtet die EZB weiterhin auf eine Forward Guidance, um die Marktteilnehmer auf mögliche Zinsschritte in der Zukunft vorzubereiten. Stattdessen bleibt sie in ihren zinspolitischen Entscheidungen datenabhängig und agiert von Sitzung zu Sitzung.

Die Sitzung am Donnerstag wurde vom Markt tendenziell falkenhaft interpretiert. Als unmittelbare Reaktion auf die Äußerungen während der Pressekonferenz zogen die Leitzinserwartungen am Markt für die nächsten Sitzungstermine weiter an. Im Gegensatz zum Markt vertreten wir eine eher taubenhafte Einschätzung und halten die am Markt erwartete geldpolitische Straffung der EZB für zu weitgehend. Erstens erwarten wir, dass auf die weithin erwartete Leitzinserhöhung im September keine weitere folgen wird, während am Markt noch eine weitere Anhebung bis Juni 2027 eingepreist ist. Und zweitens gehen wir davon aus, dass die EZB ihren Leitzins in der ersten Jahreshälfte 2027 in zwei Schritten auf das neutrale Niveau von 2 % zurückführen wird, wohingegen der Markt im nächsten Jahr einen anhaltend erhöhten Leitzins erwartet. 

Was nächste Woche wichtig wird: Zentralbankentscheide bestimmen die Handelswoche

In der kommenden Woche wird die globale Geldpolitik das Marktgeschehen maßgeblich prägen. Nachdem die EZB den Einlagensatz auf ihrer jüngsten Sitzung unverändert bei 2,25 % belassen hat, vervollständigen die Zinsentscheide der US-Notenbank Fed am Mittwoch, der Bank of England am Donnerstag sowie der Bank of Japan am Freitag das geldpolitische Gesamtbild.

Bei allen drei Zentralbanken erwarten wir im Einklang mit dem Marktkonsens unveränderte Leitzinsen. Deutlich spannender als die eigentlichen Zinsentscheide dürften jedoch die Einschätzungen der Notenbanken zu den weiteren wirtschaftlichen und inflationären Perspektiven sein. Vor dem Hintergrund zuletzt gestiegener Inflationserwartungen infolge des Iran-Kriegs werden die Märkte insbesondere auf den Tonfall und die Signale der Währungshüter achten.

Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei dem zweiten Auftritt von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzender im Rahmen einer Sitzung des Offenmarktausschusses zukommen. Anleger werden seine Aussagen sorgfältig analysieren, um ein klareres Bild seines geldpolitischen Führungsstils zu gewinnen und mögliche Hinweise auf die von ihm angestrebte Neuausrichtung der Fed zu erhalten.

Neben den Notenbanksitzungen rücken auch wichtige Konjunkturdaten in den Fokus. Erwartet werden die vorläufigen BIP-Zahlen für das zweite Quartal in Deutschland und den USA. Darüber hinaus dürften die ersten Inflationsdaten für Juli aus Deutschland und dem Euroraum von besonderem Interesse sein, da sie wichtige Hinweise für den weiteren geldpolitischen Kurs der EZB liefern werden.
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