Aktuelle Kapitalmarktinformationen


Die Woche im Rückblick: 21. November - 25. November 2022


Voradventliche Erholungsrallye

In dieser Woche setzte sich die seit Mitte Oktober laufende Erholungsrallye fort. Bis auf wenige Ausnahmen legten die Kurse sowohl an den weltweiten Aktien- als auch Anleihemärkten zu. Nachdem sich der erste Befreiungsschlag an den Märkten im Spätsommer bloß als Bärenmarktrallye erwies, steht dem aktuellen Aufschwung die eigentliche Bewährungsprobe noch bevor. In den nächsten Wochen bis Heiligabend wird sich zeigen, ob die Konjunkturdaten und die geldpolitischen Beschlüsse der Zentralbanken die Rallye rechtfertigen können.

Was diese Woche wichtig war


Aktienmärkte legen zu

Die Aktienmärkte konnten im Wochenverlauf trotz der steigenden Corona-Neuinfektionen und weiteren Lockdowns in China erneut zulegen. Auch die Veröffentlichung des Fed-Sitzungsprotokolls sowie schwache US-Einkaufsmanagerindizes konnten den US-Aktienindizes nicht aufhalten. Hintergrund ist, dass beide Nachrichten nach Auffassung der Anlegerinnen die Fed zu moderateren Leitzinserhöhungen bewegen könnten. Der deutsche Leitindex DAX bekam darüber hinaus Aufwind durch überraschend positive Konjunkturdaten, die ihn auf den höchsten Stand seit Juni klettern ließen. Damit konnte der DAX seit seinem Tief Ende September rund 23 Prozent zulegen.

Staatsanleiherenditen sinken weiter

Die Renditen auf Staatsanleihen sind im Wochenverlauf erneut gefallen. Hoffnungen auf eine Drosselung des Tempos der Leitzinserhöhungen durch die Fed ließen insbesondere die US-Renditen deutlich zurückgehen. Außerdem erhöhten gestiegene Neuinfektionszahlen in China die Rezessionsängste der Anleger, was vor allem die Renditen langfristiger Staatsanleihen nachgeben ließ. Somit ist die Renditestruktur im Wochenverlauf in den USA und Deutschland noch einmal inverser geworden. Die zehnjährigen US-Treasuries rentieren mittlerweile unter 3,7 %, 10-jährige Bunds sind von über 2 % in der Vorwoche auf 1,85 % gefallen.

Euro im Aufwind

Nachdem der unerwartet kräftige Rückgang der deutschen Erzeugerpreise den Euro gegenüber dem US-Dollar zum Wochenauftakt abwerten ließ, kam er danach umso stärker zurück. Hintergrund ist, dass schwache US-Konjunkturdaten sowie das Fed-Sitzungsprotokoll einen kleineren Zinsabstand zwischen dem Dollar und dem Euro in Aussicht stellen. Zu Wochenbeginn brachen die Ölpreise deutlich ein und erreichten zwischenzeitlich ein Zweimonatstief. Verantwortlich waren Gerüchte über einen Plan des erweiterten Ölförderkartells OPEC+, die Fördermenge wieder zu erhöhen. Als Saudi-Arabien den Bericht dementierte, erholten sich die Preise jedoch genauso schnell wieder. Im weiteren Wochenverlauf sorgten allerdings die gestiegenen chinesischen Neuinfektionszahlen für einen erneuten Rückgang des Ölpreises.
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Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen hellen sich auf

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November überraschend stark verbessert, wie der Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex von 83,3 auf 84,5 Punkte zeigt. Zuvor klaffte eine deutliche Lücke zwischen den pessimistischen Geschäftserwartungen und einer noch recht stabilen Einschätzung der aktuellen Lage. Diese Lücke ist zuletzt geschrumpft, denn einerseits blicken die Unternehmen weniger zufrieden auf die laufenden Geschäfte, andererseits haben sich die Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich aufgehellt. Verantwortlich für die besseren Aussichten sind vor allem die vollständig gefüllten Gasspeicher, die eine mögliche Gasrationierung im Winter weniger wahrscheinlich machen. Außerdem haben sich die Lieferzeiten erstmals seit knapp zweieinhalb Jahren wieder verkürzt und die Exporterwartungen der befragten Unternehmen sind gestiegen. Und schließlich gleichen die Entlastungspakete der Bundesregierung die teuren Energieimporte weitestgehend aus. Auch wenn sich der Aufwärtstrend durch alle Branchen zog, deutet dennoch weiterhin vieles auf eine Rezession hin. Allerdings dürfte diese milder ausfallen als zunächst befürchtet. In unserem Chart der Woche haben wir zu Wochenbeginn einen genauen Blick auf Deutschlands wichtigsten Konjunkturindikator geworfen.

Gegenläufige Bewegungen der Einkaufsmanagerindizes in Europa und den USA

Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes senden sowohl für Deutschland als auch für den gesamten Euroraum unterschiedliche Signale. Während das Stimmungsbild für den Dienstleistungssektor zuletzt unverändert negativ blieb, konnte sich der Abwärtstrend im Verarbeitenden Gewerbe überraschend verlangsamen. Dennoch befindet sich auch der Indikator für die Industrie in Deutschland und im Euroraum den fünften Monat hintereinander im restriktiven Bereich, weshalb nur von einem kleinen Schritt in die richtige Richtung gesprochen werden kann. In den USA haben die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor im November einheitlich enttäuscht. Insbesondere die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ist unerwartet deutlich gefallen und befindet sich nun auf dem tiefsten Stand seit dem Beginn der Pandemie. Zwar hat sich auch für US-Unternehmen die Verfügbarkeit von Vor- und Zwischengütern verbessert, dennoch kam es zu einem erneuten Produktionsrückgang und zu einer deutlichen Abschwächung der Auftragseingänge.

Kräftiger Rückgang der Erzeugerpreise nährt Hoffnung auf Trendwende

Die deutschen Erzeugerpreise sind im Oktober gegenüber dem Vormonat überraschend das erste Mal seit rund eineinhalb Jahren gefallen. Die Konsenserwartung lag hingegen bei einem erneuten Anstieg. Ausschlaggebend für das deutliche Minus von 4,2 % war ein starker Rückgang der Energiepreise um mehr als 10 % im Vergleich zum September. Jedoch haben sich andere Güter im Vormonatsvergleich etwas verteuert. Die Erzeugerpreise beeinflussen zeitverzögert die Verbraucherpreise. Deshalb besteht die Hoffnung, dass bei den Verbraucherpreisen der Hochpunkt der Inflationsrate allmählich in Sichtweite rückt. Jedoch ist das Inflationsproblem damit noch nicht gelöst, denn eine andere ifo-Umfrage aus dieser Woche zeigt, dass deutsche Unternehmen ihre gestiegenen Einkaufspreise bisher nur teilweise an Kunden weitergereicht haben. Gründe hierfür sind insbesondere eine schwache Nachfrage und langfristige Vertragslaufzeiten. Dies könnte sich jedoch 2023 ändern und in Kombination mit höheren Lohnabschlüssen zu einer Verfestigung der Inflationsdynamik führen.
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Fed-Sitzungsprotokoll deutet auf kleinere Zinsschritte hin

Das Sitzungsprotokoll der Fed zeigte, dass ein Großteil der Fed-Entscheiderinnen bald kleinere Zinsschritte für angebracht hält. Deshalb wird unter Anlegern für die nächste Fed-Sitzung Mitte Dezember nun bloß noch mit einer Zinserhöhung von 0,5 Prozentpunkten gerechnet. Allerdings erwarten einige Fed-Mitglieder einen höheren Zinsgipfel als sie selbst bislang angenommen haben.

OECD erwartet schwaches Wachstum für 2023

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft für 2023. Der Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung werde nächstes Jahr nur noch 2,2 % betragen. Zu den Verlierern zählen Deutschland mit einem Wachstum von 0,3 % sowie Europa und die USA mit jeweils 0,5 %. Belastungen stellen insbesondere die hohen Inflationsraten, steigende Zinsen, die Energieknappheit und der Krieg in der Ukraine dar. Für 2024 prognostiziert die OECD eine leichte Erholung und eine Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung um 2,7 %. Sollte es allerdings zu Gasrationierungen in den nächsten beiden Wintern kommen, dürfte das weltweite Wachstum geringer ausfallen. Im laufenden Jahr rechnet die OECD mit einem globalen Wachstum von 3,1 %.

Ihr Analysten-Team

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