Aktuelle Kapitalmarktinformationen


Die Woche im Rückblick: 17. - 21. Juni 2024


Märkte auf Erholungskurs

Nachdem die politischen Unsicherheiten rund um die anstehende Neuwahl in Frankreich in der vergangenen Woche ihre Spuren an den europäischen Kapitalmärkten hinterlassen hatten, war zuletzt ein kollektives Aufatmen an den Märkten zu beobachten. Derweil senkte die Schweiz ihre Leitzinsen, während die Notenbanken in Großbritannien und Norwegen abwarten.

Was diese Woche wichtig war


Eine neue Nummer Eins

Der US-Leitindex S&P 500 und der Technologieindex Nasdaq 100 haben diese Woche neuerliche Höchststände erklommen. Wesentlicher Treiber waren positive Nachrichten aus dem Themenbereich der Künstlichen Intelligenz. Am Dienstag stieg hierdurch der Chipentwickler Nvidia zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Mit einem Marktwert von rund 3,3 Bio. US-Dollar zog Nvidia an Microsoft und Apple vorbei. Viele Investoren nutzten die Kursanstiege im Wochenverlauf jedoch für Gewinnmitnahmen, wodurch die US-Börsen am Donnerstag nachgaben. In Europa verlief der Handel fester, wenngleich die hiesigen Leitindizes noch nicht wieder auf ihren Hochständen von Mitte Mai angekommen sind.

Rentenmärkten mit leichten Abgaben

Die nachlassende Sorge vor einer politischen Krise in Europa, gepaart mit in Summe eher positiven Konjunkturdaten, führte diese Woche zu einem leicht sinkenden Interesse an Staatsanleihen. Die Kurse gaben leicht nach. Unternehmensanleihen waren hiervon weniger betroffen. Höherverzinsliche Titel profitierten sogar von der positiven Risikostimmung am Aktienmarkt und verzeichneten Kursgewinne.

Rohstoffmärkte im Aufwind

Der Ölpreis stieg diese Woche kräftig an. Dies lag unter anderem an positiven Konjunkturdaten, wie etwa zur US-Industrieproduktion, als auch an einem erneut überraschend deutlichen Rückgang der Öllagerbestände in den USA. Darüber hinaus heizte das Vorrücken israelischer Truppen in Rafah die Sorgen vor einer geopolitischen Eskalation neu an. Neben Öl war daher auch der „sichere Hafen“ Gold stärker gefragt und sah Preisanstiege.
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US-Wirtschaft pendelt sich ein

In den USA sorgten die Staatshilfen während der Pandemie für einen Boom bei den Konsumausgaben, der sich unter anderem in einem sprunghaften Anstieg der Einzelhandelsumsätze ausdrückte (siehe Abbildung). Die Industrieproduktion kam hingegen erst wesentlich später wieder in Schwung und verzeichnete nicht annähernd die gleichen Wachstumsraten. Inzwischen sind die zusätzlichen Gelder, die die Haushalte während der Pandemie angespart oder vom Staat erhalten haben, weitestehend aufgebraucht. Forscher der Fed schätzen, dass das Vermögen der Bürgerinnen von Anfang 2020 bis August 2021 um 2 Bio. US-Dollar angestiegen ist. Doch dieses Polster ist der Studie zufolge seit etwa März aufgebraucht worden. Dies erklärt, warum die US-Einzelhandelsumsätze im April leicht geschrumpft und laut jüngsten Daten im Mai auch nur äußerst gering gewachsen sind. Eine Normalisierung der US-Konjunktur ist – auch mit Blick auf die Inflation – nichts Schlechtes. Besonders da im Mai die Industrieproduktion überraschend deutlich um fast 1 % gesteigert worden ist, beurteilen wir die US-Wirtschaft weiterhin konstruktiv.
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Bewahrheitet sich der Konjunkturoptimismus?

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland unter Ökonomen und Finanzexperten sind im Juni leicht gestiegen. Für den Euroraum als Ganzen sind die Einschätzungen sogar noch besser. Das geht aus der Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Die positive Erwartungshaltung ergänzt damit die sich mehrenden Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung Deutschlands. Bis sich diese allerdings durchsetzt, bleibt der Weg holprig. Denn die Einschätzungen der aktuellen Lage bleiben auf niedrigem Niveau.

Großbritannien belässt Leitzins unangetastet

Aus dem Vereinigten Königreich kamen in dieser Woche gleich zwei wichtige Meldungen. Wesentlich für die Leitzinsentscheidung der Bank of England (BoE) am Donnerstag waren die am Vortag veröffentlichten Inflationszahlen, die mit gemischten Signalen aufwarteten. Denn obwohl die Teuerungsrate mit 2 % genau dem Ziel der BoE entspricht, ist die Kerninflationsrate, also die Teuerung ohne die stärker schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise, mit 3,5 % deutlich zu hoch. Vor allem im Dienstleistungssektor ist die Inflation mit 5,7 % anhaltend zu hoch. Aufgrund des Preisdrucks gab sich die britische Notenbank mit Leitzinssenkungen zögerlich. Den Leitzins beließ sie daher unverändert bei 5,25 %.

Schweizer Notenbank prescht voran

Die Schweiz geht den Industrieländern in puncto Zinspolitik voraus. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank das Zinsniveau abgesenkt. Dortige Banken können sich nun zu einem Zinssatz von 1,25 % bei der Notenbank refinanzieren. Hintergrund der geldpolitischen Entscheidung ist der geringe Preisdruck, denn die Teuerung in der Schweiz liegt seit geraumer Zeit innerhalb des Zielbereichs. Im Gegensatz zur EZB hat die SNB kein Inflationsziel von 2 %, sondern erachtet einen Korridor von 0 % bis 2 % Inflation als angemessen.

Chinas Konsum zieht an

Die chinesische Binnenwirtschaft sorgte in dieser Woche für Überraschung, nachdem die Einzelhandelsumsätze stärkere Zuwächse erzielt haben als zuvor erwartet. Die Meldung dürfte speziell bei den chinesischen Währungshütern auf Gefallen gestoßen haben, da diese einer vorherrschenden Deflation begegnen müssen und ein anziehender Konsum den gewünschten Preisauftrieb unterstützt. Zuvor hatten durchweg sinkende Einzelhandelsumsätze, eine anhaltende Immobilienkrise und ein schwacher Arbeitsmarkt die Preissteigerungspotentiale stark eingeschränkt. Für eine nachhaltige Verbesserung des Inflationsniveaus ist das Umsatzplus zwar noch nicht ausreichend, doch zumindest ein erster Schritt in Richtung des angestrebten Preisniveaus.

Schwacher Yen drückt die Stimmung in Japans Industrie

Die Auswirkungen des schwächelnden Yen machen sich in der japanischen Industrie weiterhin bemerkbar. Das zeigen die Ergebnisse der bekannten Tankan-Umfrage, die das monatliche Stimmungsbild aus den Chefetagen der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen widerspiegelt. Der schwache Yen lässt die Preise für Rohstoffe steigen, auf deren Importe das rohstoffarme Japan angewiesen ist. Steigende Löhne erhöhen den Preisdruck auf die Unternehmen zusätzlich, sodass sich das Vertrauen der Manager in die aktuelle Geschäftslage schmälerte. Dieses Ergebnis wurde am Freitagmorgen durch die Einkaufsmanagerindizes bestätigt, welche besonders bei Dienstleistern eine deutliche Verschlechterung der Geschäftserwartungen zeigte.

Ihr Analysten-Team

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