Aktuelle Kapitalmarktinformationen


Die Woche im Rückblick: 08.-12.08.2022


Der Anfang vom Ende der Inflation?

Die Inflation in den USA ist im Juli überraschend deutlich gefallen. Möglicherweise liegt der Gipfel der Teuerung damit hinter uns. Zentralbankvertreter waren jedoch rasch zur Stelle und wiesen darauf hin, dass die Leitzinsen dennoch weiter steigen müssen, um die Inflation zeitnah in Richtung des 2 %-Ziels der Fed zu drücken. Die Staatsanleiherenditen stiegen daher im Wochenverlauf, während Aktienmärkte die Zahlen positiv aufnahmen.

Was diese Woche wichtig war


Inflationserleichterung am Aktienmarkt

Die Aktienmärkte reagierten überaus erleichtert auf den Rückgang der US-Inflationsrate am Mittwoch. An den restlichen Wochentagen war die Kursentwicklung jedoch eher zurückhaltend. Da die Anleiherenditen trotz der Inflationsdaten im Wochenverlauf anstiegen, blieb die Performance von Technologiewerten hinter der von anderen Branchen zurück. Besonders positiv entwickelten sich die Sektoren Energie, Finanzen und Immobilien. Energietitel profitierten von wieder steigenden Energiepreisen und geringeren Rezessionssorgen. Finanztiteln kommen höhere Zinsen und ein stabiler Arbeitsmarkt zugute. Im Ländervergleich steht Lateinamerika besonders gut da. Der MSCI Index für die Region hat in Euro gemessen in dieser Woche um 3,1 % zulegen können. Auch die USA und Europa entwickelten sich positiv, während Japan und China negativ beitrugen.

Anleiherenditen auf Richtungssuche

Die Renditen auf Staatsanleihen mit guter Bonität waren in den vergangenen Tagen äußerst volatil. Insbesondere die zehnjährige US-Rendite sah vergangenen Freitag aufgrund des sehr starken Arbeitsmarktberichts einen deutlichen Anstieg, der bis zur Meldung der Inflationszahlen am Mittwoch anhielt. Der Rückgang der Inflation ließ die Renditen kurzzeitig von 2,8 % auf 2,6 % einbrechen. Doch die anschließenden Mahnungen von Fed-Vertretern, dass die Inflation noch lange nicht im Griff sei und weitere Leitzinsanhebungen notwendig sind, sorgte dafür, dass die Renditen im Wochenverlauf wieder anstiegen.

Rohstoffpreise mit neuem Auftrieb

Die positiven Konjunkturdaten aus den USA, die reduzierten Lieferungen aus Russland in den Weltmarkt und jüngst die Schließung einiger Ölfelder vor der US-Küste aufgrund einer defekten Pipeline ließen die zuvor stetig fallenden Ölpreise in dieser Woche wieder ansteigen. Auch eine Schätzung der Internationalen Energieagentur, wonach der Ölverbrauch im weiteren Jahresverlauf ansteigen wird, die Ölproduzenten der OPEC andererseits aber die Fördermengen kaum weiter erhöhen können, ließ die Preise steigen. Neben zudem Industrierohstoffen handelten auch Edelmetalle wie Gold und Silber im Wochenverlauf etwas fester.
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Inflationsdynamik in den USA schwächt sich ab

Die Zahlen zu den Verbraucherpreisen aus den USA im Juli sorgten nach dem Inflationshoch im Juni für einen Hoffnungsschimmer. Die Inflationsrate fiel stärker als erwartet von zuletzt 9,1 % p.a. auf 8,5 % p.a. Haupttreiber dafür waren deutlich sinkende Energiepreise, v.a. bei Benzin, und sich reduzierende Lieferprobleme. Die Kerninflation, die die volatilen Komponenten für Energie und Lebensmittel nicht berücksichtigt, blieb hingegen unverändert. So besteht zwar Hoffnung, dass die US-Inflation ihr Hoch nun überwunden hat und sich zukünftig ein Abwärtstrend bemerkbar macht. Dennoch wird das Teuerungsproblem noch eine Zeitlang hartnäckig bleiben. Denn bei Komponenten mit hoher Inflationspersistenz, wie bspw. Mieten, blieb auch im Juli die Dynamik der Vormonate nahezu unverändert fortbestehen.

Nun stellt sich die Frage, wie die Fed auf die fallenden Inflationszahlen reagieren wird. Fed-Präsident Jerome Powell äußerte sich in der letzten Sitzung Ende Juli noch zurückhaltend. Andere Fed-Vertreter versuchten unmittelbar nach Bekanntgabe der jüngsten Inflationszahlen Spekulationen, die Notenbank würde ihren Straffungskurs ändern, zu zerstreuen.
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Lichtblicke für Chinas Wirtschaft

Lockdowns und anhaltende Probleme am heimischen Immobilienmarkt belasteten Chinas Wirtschaft zuletzt fortwährend. Positiv überraschende Exportzahlen in dieser Woche kamen daher gerade recht. Mit einem Anstieg der Exporte im Juli von 18 % ggü. dem Vorjahr konnte die Dynamik zuletzt sogar noch zunehmen. Dies ist die bislang höchste Rate in diesem Jahr. Die Daten zu Chinas Einfuhren verwiesen aber auf eine weiterhin schwächelnde Binnennachfrage. Dabei zeigen sich bei genauer Betrachtung regionale Divergenzen. Denn insbesondere der Handel mit Russland legte im Juli um 37% weiter deutlich zu. Hingegen leiden Deutschlands Exporteure unter einem Rückgang der Ausfuhren in die Volksrepublik.

Chinas Erzeugerpreise überraschen

Die Erzeugerpreise im Juli stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat so langsam an, wie seit über einem Jahr nicht mehr. Ökonomen erwarten auch für den Rest des Jahres einen fortgesetzt nachlassenden Preisdruck bei den Herstellern infolge der jüngsten Preisrückgänge bei Rohstoffen und sinkenden Lieferkettenengpässen. Hingegen stiegen die chinesischen Verbraucherpreise mit 2,7 % p.a. im Juli leicht an (Juni: 2,5 % p.a.). Haupttreiber waren v.a. steigende Preise für Lebensmittel. Da die Inflationsrate aber noch unterhalb der von der Zentralbank angegeben Toleranzschwelle von 3 % liegt, kann mit einer unterstützenden Geldpolitik weiterhin der Konjunkturschwäche entgegengewirkt werden.

China beendet Militärübungen vor Taiwan – vorerst

China hat nach eigenen Angaben die Militärübungen vor der Küste Taiwans als Reaktion auf den Besuch von Nancy Pelosi vergangene Woche vorerst abgeschlossen, aber kündigte nun militärische Dauerpräsenz in der Meeresenge vor Taiwan an. Die Volksrepublik droht, dass sie vor Gewalt als letzte Lösung nicht zurückschreckt und definierte sogar, wie Taiwan notfalls erobert werden soll. Derweil verteidigte Pelosi ihre Visite. Damit droht ein weiterer geopolitischer Konflikt dauerhaft an Schärfe zu gewinnen.

Ihr Analysten-Team

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