Existenzgründungen


Analyse: Apothekengründungen 2020

Trends bei Apothekengründungen 2020

Ideeler Wert von Apotheken
Trend bei Verbundübernahmen: 2020 zahlten die Übernehmenden im Schnitt für einen Apothekenverbund aus 2,2 Apotheken 1,521 Mio. Euro. Zuzüglich der zu übernehmenden Warenlager und weiteren Investitionen in die Apotheken lag das Gesamtinvestitionsvolumen 2020 bei knapp 1,9  Mio. Euro. 
Deutlich sinkende Übernahmepreise bei Apothekenverbünden
Bei der Übernahme als Einzel- oder Verbundapotheke zeigt sich: Die Gesamtinvestitionen sind 2020 deutlich gewachsen. Ursache hierfür ist der gezahlte ideelle Übernahmepreis, der im Schnitt bei 448.000 Euro liegt. - Da 2020 gerade der Anteil der übernommenen hochpreisigen Apotheken gestiegen ist, steigt auch der durchschnittliche Übernahmepreise. 
Existenzgründer werden jünger
Im Drei-Jahresvergleich wird deutlich: Die Zahl der Apothekenneugründungen ist sehr gering. Zweidrittel der Gründer bevorzugen die Übernahme vorhandener Strukturen. Nur 26 Prozent der Apotheker übernahmen Apotheken, um eine Filiale zu gründen. - Und nur 5 Prozent haben eine Apotheke komplett neugegründet.
Steigende Gesamtinvestitionen bei Apothekengründern
Trotz stetiger Annäherung investierten die pharmazeutische Existenzgründerinnen im Durchschnitt immer zurückhaltender als Apotheker (Ausnahmejahr 2019) . Dennoch stiegen 2020 sowohl bei Frauen als auch bei Männer die getätigten Gesamtinvestitionen gegenüber den Vorjahren deutlich.
Komplettpakete bei Apothekenübernahmen
2020 wurden 29 Prozent aller übernommenen Apotheken im Verbund abgegeben bzw. übernommen. Die Komplettübernahme betraf mehrere Apotheken des bisherigen Abgebenden (z.B. Hauptapotheke + Filiale(n)) durch einen Übernehmenden.
Die durchschnittliche Verbundgröße der übernommen Apotheken lag für 2020 mit 2,2 Apotheken gleich hoch wie in dem Vorjahr. 

 

So gründen Apotheker 2020 - Trends + Zahlen


Auf und Ab zwischen symbolischem Euro und Spitzenpreis

Laut der jüngsten Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zu den Apothekengründungen 2020 lag der durchschnittliche Kaufpreis einer Apotheke bei 528.000 Euro, und stieg gegenüber 367.000 Euro im Jahr  2018  im Schnitt um fast 44 Prozent.

Dennoch hat der durchschnittliche Kaufpreis nur begrenzte Aussagekraft. Insbesondere die hohen Anteile der beiden niedrigen und der größten Kaufpreisgruppen sprechen dafür, dass es den „typischen“ Preis nicht gibt. So wurden 64 Prozent der Apotheken zu einem günstigeren Kaufpreis unterhalb des Durchschnitts gekauft. 36 Prozent lagen mit ihrem Kaufpreis oberhalb des Durchschnitts.

Die Darstellung der Durchschnittswerte hat teilweise nur begrenzte Aussagekraft, da gerade Existenzgründer mit sehr niedrigem oder hohem Investitionsvolumen den Durchschnitt beeinflussen. Daher ist auch der Blick auf den Median interessant. Hierbei ist zu sehen, dass der ermittelte Median teils erheblich von dem Durchschnitt abweicht. So lag 2020 der Median lag mit 440.000 Euro deutlich unter dem durchschnittlichen Kaufpreis.

Insgesamt ist 2020 gerade der Anteil hochpreisiger übernommener Apotheken gestiegen, was im Ergebnis die deutliche Steigerung der durchschnittlichen Übernahmepreise begründet. Gerade die großen Spannen bei den Übernahmepreisen, die auch gewisse Schwankungen in den letzten Jahren mitgemacht haben, legen einen Zusammenhang zwischen Niederlassungsverhalten und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nahe.

Sehr unterschiedliche Gesamtinvestitionen

Prägender Faktor für die Unterschiede im Jahresvergleich derletzten fünf JAhre ist offensichtlich der ideele Wert. Die Gesamtinvestitionen sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Lagen die Gesamtinvesittionen 2018 noch bei durchschnittlich 598.000 Euro, im Jahr  2019 in einem Zwischentief bei 516.000 Euro, so sind sie im letzten Jahr auf einen Gesamtwert von 671.000 Euro geschnellt.

Während jedoch die Höhen des materielle Werts, der die Einrichtung und die IT-Ausstattung, sowie die Investitionen in das Warenlager umfasst, sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat, ist der ideele Wert seit 2018 um etwas mehr als 12 Prozent erhöht.

Welche Gründe gibt es dafür?  Der ideele Wert orientiert sich an Faktoren wie der Kundenstruktur, dem bisherigen Umsatz und dem Standort der Apotheke. Er orientiert sich aber auch an zukünftigen Umsatzchancen.

Der Apothekenmarkt - ein klassischer Übernahmemarkt

Favorit der Gründungsarten: Die Übernahme

Die Übernahme einer bereits bestehenden Einzelapotheke ist seit Jahren die dominierende Gründungsoption. Existenzgründer bevorzugen klar die Übernahme bereits vorhandener Strukturen: In Größenangaben sind es 63 Prozent der begleiteten Gründer, die 2020 eine Apotheke übernahmen, um sich mit dieser selbständig zu machen.  2019 lag der Anteil der durch die apoBank begleiteten Apothekengründungen bei 56 Prozent (2018: 58 Prozent).

Neugründung von Filialapotheken stagnieren weiterhin

Ein Blick auf die Neugründung von Filialapotheken zeigt dagegen einen stagnierenden Trend: So lag  2020 der Anteil der Filialneugründungen bei 5 Prozent (2019: 6 Prozent, 2018: 5 Prozent, 2017: 7 Prozent). Im gleichen Zuge erreichte der Anteil der übernommenen Apotheken zwecks Filialbildung 29 Prozent, - ein ähnlich stabiler Wert, der seit 2015 immer wieder um 2 Prozent zu- bzw. abnimmt.

Für Landapotheken gelten die geringsten Übernahmepreise

Bei der Standortwahl scheinen vor allem die großstädtische Gemeinden mit 100.000 und mehr Einwohnern für Apotheker attraktiv zu sein. Im Verhältnis zur dort lebenden Bevölkerung (32 Prozent) wurden hier 2020 mit 32 Prozent proportional gleich viele Apotheken übernommen beziehungsweise neu gegründet.

Die Attraktivität der Großstadt äußert sich auch in den Kaufpreisen, die man dort bereit ist zu zahlen. Mit 687.000 Euro lagen sie dort 2020 auf dem höchsten Platz.

Diese Zahlen dürfen nicht verkennen, dass der Großteil der Apothekengründungen, nämlich 61 Prozent, in Kleinstädten und Mittelstädten stattfindet. Das Ergebnis der Analyse zeigt, dass die Standorte der Apothekengründungen 2020 in etwa der Bevölkerungsverteilung entsprechen.  

Bei der Unterteilung nach Gemeindegröße zeigt sich weiterhin, dass für Apotheken in ländlichen Gegenden deutlich geringere Kaufpreise gezahlt wurden als in Klein-, Mittel- und Großstädten. Der Kaufpreis liegt hier durchschnittlich bei 621.000 Euro. Dennoch scheint dieser Umstand keine überzeugende Nachfrage zu erzeugen, denn die Gründungen in ländlichen Gebieten liegen seit Jahren mit sieben Prozent leicht unterhalb des dortigen Bevölkerungsanteils (10 Prozent).

Besonderheit: Teure Apotheken begehrt

Schon seit Jahren ist zu beobachten, dass die Bandbreite der gezahlten Übernahmepreise groß ist. Für 2020 fällt auf, dass insbesondere in dem hohen Preissegment der Anteil an Apothekenübernahmen deutlich zugenommen hat.

Im letzten Jahr wurden besonders viele große Apotheken an die nachfolgende Generation übergeben. Jeder dritte Existenzgründer zahlte einen Übernahmepreis jenseits der 600.000 Euro. Auf der anderen Seite ging der Anteil im unteren Preissegment unter 150.000 Euro spürbar auf 16 Prozent zurück. Gerade durch diese Entwicklungen ist der deutliche Anstieg der durchschnittlichen Übernahmepreise insgesamt zu erklären.

Die apoBank analysiert jährlich das Existenzgründungsgeschehen von Apothekern. Basis der Analyse bilden die Apothekenfinanzierungen, die die Bank im letzten Jahr begleitet hat.

Methodik
Den Ergebnissen 2020 liegt eine Stichprobe von rund 260 durch die apoBank begleiteten Apothekengründungen zu Grunde. Die Daten wurden anonymisiert ausgewertet.