Mit dem E-Bike zum Patienten

Klimaschutz in der Arztpraxis


Hausarzt Ralph Krolewski macht ernst mit dem Klimaschutz

Wie lässt sich die Umweltbilanz von Arztpraxen verbessern? Der Allgemeinmediziner Dr. Ralph Krolewski aus Gummersbach will mit gutem Beispiel vorangehen. Das individuelle Verhalten sei wichtig, so der engagierte Hausarzt, aber es müsse sich auch im Gesundheitswesen etwas ändern.

Umweltschutz hat für Ärzte in Deutschland einen hohen Stellenwert. In einer aktuellen Studie der apoBank gaben 65 Prozent der befragten Mediziner an, dass sie das Thema für wichtig halten; vor vier Jahren waren es noch 60 Prozent. Das Bewusstsein wächst also, doch wie sieht die Realität im Gesundheitssystem aus? Am Beispiel Klimaschutz zeigt sich, dass noch viel zu tun ist: In Deutschland verursacht der Sektor jährlich eine gigantische Menge an Treibhausgasen, die rund 54 Millionen Tonnen CO2 entspricht – mehr als der zivile Personenluftverkehr. 4,5 Prozent der klimaschädlichen Emissionen hierzulande gehen damit auf das Konto von Gesundheitseinrichtungen und der sie beliefernden Industrien. Diese Zahlen publizierte 'The Lancet Planetary Health' im Juli 2020.

Wie groß der Anteil der ambulanten Medizin ist, lässt sich schwer beziffern. Dr. Ralph Krolewski hat den CO2-Fußabdruck seiner Disziplin anhand verschiedener Quellen selbst überschlagen: "Durch Materialeinkauf und bezogene Leistungen kommt eine Hausarztpraxis auf zirka 40 Tonnen CO2-Äquivalante pro Jahr. Zu berücksichtigen sind außerdem schätzungsweise 60 Tonnen durch vermeidbare Anfahrten der Patienten mit dem Pkw", erklärt der Hausarzt, der seit etlichen Jahren im Umweltschutz aktiv ist, unter anderem im Ausschuss 'Klimawandel und Gesundheit' der Ärztekammer .

Grünstrom über Hausärzteverband

Mediziner tragen aus seiner Sicht doppelte Verantwortung: weil sie selbst Emissionen verursachen und weil sie Patienten versorgen, die vom Klimawandel schon heute betroffen sind. Die Treibhausgas-Emissionen seiner Praxis in Gummersbach will er so klein wie möglich halten, angefangen beim Energieverbrauch: Krolewski bezieht Ökostrom von einer Genossenschaft, die mit dem Deutschen Hausärzteverband kooperiert und vergünstigte Tarife gewährt. "Wichtig ist, dass der Anbieter seine Energiequellen transparent macht und in den Ausbau der Erneuerbaren investiert", sagt der Praxisinhaber. Eine Alternative sei Solarstrom vom eigenen Dach, den zum Beispiel die KfW fördert. "Jeder kann überlegen, ob er dafür mittelfristig Geld in die Hand nimmt. Bevor ich das für unsere Praxis umsetzen kann, müssen noch bauliche Fragen geklärt werden."

Gar nicht so schweißtreibend: Arbeitswege mit dem Rad

Deutlich schwieriger sei es, klimaschonend zu heizen. Wie fast alle am Ort ist Krolewski auf Erdgas angewiesen. "Da wird in Deutschland noch viel passieren müssen", betont der Hausarzt. Unter anderem gebe es nicht genug regionale Fernwärmenetze, und individuelle Lösungen wie Solarthermie oder Wärmepumpen kommen nicht für jedes Gebäude in Frage. "Zu diesem Thema bräuchten Ärzte in der Fläche mehr Beratung, zum Beispiel von regionalen Versorgern." In Eigenregie lässt sich aus Krolewskis Sicht aber an anderer Stelle viel bewegen, und das sogar im wörtlichen Sinn: indem man möglichst viele Strecken zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt. Er selbst macht Hausbesuche fast nur noch mit dem E-Bike und legt dabei pro Woche um die 80 Kilometer zurück. Rund um Gummersbach muss er Höhenunterschiede von etwa 80 Metern überwinden - dank Elektromotor kommt der Doktor trotzdem entspannt ans Ziel. "Ein E-Bike verursacht je Kilometer nur knapp vier Prozent der CO2-Emissionen, die ein Auto ausstößt. Darin eingerechnet sind der Stromverbrauch, idealerweise aus erneuerbaren Energien, und die Akkulebenszeit", sagt Krolewski. Auch drei seiner fünf Beschäftigten lassen das Auto regelmäßig stehen, gefördert vom Chef, der einen Vertrag mit einem E-Bike-Leasingunternehmen geschlossen hat.

Gut fürs Klima und für den Körper

Krolewski motiviert auch seine Patienten zum CO2-Sparen. Er nennt es selbst 'Klimasprechstunde', obwohl es sich nicht um einen festen Termin handelt - das Thema fließt einfach in die Beratung ein. Zum Beispiel wirbt der Arzt für eine überwiegend pflanzliche Ernährung. Er bezeichnet sich selbst als Flexitarier: Tierische Produkte stehen auf seinem Speiseplan, allerdings in geringen Mengen. "Kombiniert mit mehr Bewegung kann man damit vielen Volkskrankheiten wie Diabetes und Krebs vorbeugen", so der Mediziner. "Ich berate meine Patienten nicht direktiv, sondern erarbeite mit ihnen, wie sie gesünder und klimafreundlicher leben können. Viele sind daran interessiert." Als Hausarzt sieht er seine Patienten relativ häufig, doch er bestellt sie nicht immer in die Praxis, wenn etwas zu klären ist. "Wir wollen möglichst viele Anfahrten mit dem Pkw vermeiden. Das Praxisteam ist entsprechend geschult und hilft Patienten anders weiter. Zum Beispiel bieten wir Telemedizin an", sagt Krolewski.

Wegwerf-Wirtschaft bleibt ein Problem

Nicht nur von Berufswegen ist er ein Verfechter der hausarztzentrierten Versorgung. "Rationelle Strukturen im Gesundheitswesen entlasten die Umwelt. 'Doctorhopping' führt zu vermehrten Verschreibungen und klimarelevanten Dienstleistungen. Es ist in vielen Fällen besser, wenn Hausärzte die Facharztbesuche koordinieren. In unserer Praxis können wir zum Beispiel etwa 80 Prozent der Patientenfragen selbst beantworten", so seine Erfahrung. "Wir vermeiden damit doppelte und dreifache Leistungen und senken die Risiken durch Mehrfachmedikation." Weniger Arztbesuche bedeuten nicht nur weniger gefahrene Kilometer - man spart zum Beispiel auch Einwegmaterialien. Praxis-Abfall ist ein schwieriges Thema für umweltbewusste Mediziner. "Das kann man als Einzelner im Moment nicht lösen. Ziel muss es sein, dass wir mehr Material recyceln. Außerdem brauchen wir Transparenz über den ökologischen Fußabdruck medizinischer Produkte, zum Beispiel anhand eines Labels", erläutert Krolewski.

Investieren in die gute Sache

Derartige Fragen sollen beim nächsten Deutschen Ärztetag 2021 in Rostock diskutiert werden. Der Klimawandel steht als ein Schwerpunktthema fest: Wie wirkt er sich auf die Gesundheit aus, was bedeutet er für die medizinische Aus- und Weiterbildung, und welchen Beitrag will die Ärzteschaft leisten, um das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten? Krolewski erhofft sich davon neue Impulse. "Es sollte klar werden, dass etwas passieren muss, individuell und strukturell." Gut fände er etwa eine Initiative der Ärztekammern für ein Klimamanagement in deutschen Praxen, wie es bereits in einigen Kliniken erprobt wird. Auch ökonomische Anreize zum Klimaschutz müsse man stärken, beispielsweise über einen höheren CO2-Preis und nachhaltige Geldanlagen, die von Banken und Investoren mehr Unterstützung verdienten. Der engagierte Arzt betrachtet seine eigenen Maßnahmen jedoch nicht aus wirtschaftlicher Perspektive: "Wir haben einen Klimanotstand. Als Freiberufler treffe ich Investitionsentscheidungen immer in diesem Zusammenhang. Was ich investiere, ist es mir wert, für die Zukunft unserer Kinder."

Pandemie lässt Müllberge wachsen

Eine Kreislaufwirtschaft für Medizinartikel würde die Natur gerade jetzt entlasten. Laut einer Berechnung des Hamburger Umweltinstituts könnten 2020 in Deutschland etwa 1,1 Millionen Tonnen zusätzlicher Müll entstehen: Mund-Nasen-Masken, Einmalhandschuhe, Schutzkleidung und andere Einwegprodukte werden konventionell entsorgt. Verträglicher wären zum Beispiel biologisch abbaubare Materialien.

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