Der Mutmacher


"Ich will den Leuten Mut machen und das Rüstzeug vermitteln, das sie für eine Niederlassung brauchen." Dr. Marco Krüger

Kulturwandel in der Medizin


Medizinische Versorgungszentren - gemeinnützig organisiert

Ein Mann, der Tempo macht: Seit 2017 betreibt Dr. Marco Krüger seine eigene Hausarztpraxis, in Gnoien, einer Kleinstadt nahe Rostock. Sie läuft bestens - und doch nimmt er kurz danach gleich das nächste Großprojekt in Angriff. "Ich wollte eine eigene Antwort finden auf den Kulturwandel in der Medizin", erklärt er. Sich schon in jungen Jahren niederzulassen steht bei jungen Ärzten, zumal den Frauen, zwar nicht mehr so hoch im Kurs wie früher. Aber das ambulante Arbeiten ist beliebt - und der Bedarf an hausärztlicher Versorgung vielerorts hoch.

"Wir Ärzte sollten dieses Feld nicht Investoren überlassen", so Krüger. "Deshalb wollte ich selbst Strukturen aufbauen, in denen junge Kollegen in die Niederlassung begleitet werden. Mir ist es ein Anliegen, langfristig die Freiberuflichkeit zu fördern - und zugleich Versorgungslücken zu schließen."

Identifikation mit dem gemeinnützigen Konzept

Curiates, der gemeinnützige Verein, den Krüger dafür gründet, schafft den Rahmen für solche Strukturen. Zum einen fungiert er als Träger einer Psychosozialen Einrichtung für traumatisierte Geflüchtete - eine Patientengruppe, die im Gesundheitssystem sonst häufig durchs Raster fällt. Zum anderen betreibt der Verein über die Curiates Medicare MVZ gGmbH mehrere Medizinische Versorgungszentren. Marco Krüger selbst hat die Geschäftsführung übernommen. Warum er gerade diese Konstruktion gewählt hat, um seine Vision vom begleiteten Einstieg in die Freiberuflichkeit zu verwirklichen?

"Die gemeinnützige Organisationsform verdeutlicht, dass hier kein Investor aktiv ist, dem es um Rekord-Renditen geht", sagt der Vereinsgründer. "Damit können sich junge Ärzte genauso identifizieren wie Mediziner auf der Zielgeraden, die ihre Praxis in gute Hände abgeben wollen." Ein Konzept, das nicht nur die apoBank überzeugt hat - auch mit den Kassenärztlichen Vereinigungen läuft die Zusammenarbeit schnell reibungslos. 

Kooperation mit Uni-Kliniken

Dem ersten MVZ in der Kleinstadt Loitz, eröffnet 2018, folgen rasch weitere im Nordosten Deutschlands. In Rostock und Greifswald kooperiert Krüger dabei auch mit den Unikliniken vor Ort. Wonach er die Standorte auswählt? "Ob Stadt oder ländlicher Raum ist weniger entscheidend. Aber es muss natürlich der Bedarf da sein und die Möglichkeit, die Praxis wirtschaftlich zu führen," sagt der 38-Jährige. Damit das gelingt, investiert die Curiates Medicare MVZ gGmbH in einheitliche, hoch moderne digitale Lösungen an allen Standorten und schult die inzwischen über 30-köpfige Mannschaft umfassend. Um später in Eigenregie unternehmerisch erfolgreich zu sein, lernen die angestellten Ärzte dabei auch intensiv, worauf es bei Praxisorganisation und -management ankommt.

Als überzeugter Verfechter flacher Hierarchien ist Krüger trotz eigener Praxis direkter Ansprechpartner für die Teams vor Ort, damit die Entscheidungswege kurz bleiben. Er führt die MVZ und kümmert sich parallel darum, neue Standorte zu erschließen.

Vergütung orientiert sich an Klinik-Oberärzten

Jüngeren Kollegen, die noch Scheu vor diesem Schritt haben, den Einstieg zu erleichtern: Das ist ihm das wichtigste Anliegen. "Ich will den Leuten Mut machen und das Rüstzeug vermitteln, das sie für eine Niederlassung brauchen", meint der Curiates-Gründer. "In den MVZ können sie sich erst einmal ganz aufs Helfen und Heilen konzentrieren - und dann schrittweise in die unternehmerische Verantwortung hineinwachsen. Natürlich auf freiwilliger Basis: Eine eigene Niederlassung kann das Ziel sein, ist aber kein Muss."

An vielen Standorten können junge Ärzte bereits ihre Weiterbildung zum Allgemeinmediziner absolvieren. Wer direkt als Facharzt einsteigt, bekommt ein Gehalt, das sich an der Vergütung für Klinik-Oberärzte orientiert. Und einen Berufsalltag, der laut Krüger in 40 Wochenstunden gut zu bewältigen ist, ohne Nacht- oder Wochenenddienste und mit flexiblen Team- und Vertretungslösungen. Probleme, qualifizierte Mediziner zu finden, hat die Curiates Medicare MVZ gGmbH nicht. Wobei die Suche nach ärztlichen Kollegen, wie Krüger es formuliert, "gerade für den ländlichen Raum durchaus eine Herausforderung darstellt."

"Bislang sind wir Pioniere damit"

Wie viele Standorte noch hinzukommen werden? Festlegen auf eine bestimmte Zahl will Marco Krüger sich nicht. "Aber ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft auch chirurgische Praxen oder Fachgebiete wie die Augenheilkunde ins MVZ-Netzwerk einzubinden." Für Verwaltung und Personalmanagement hat er jedenfalls bereits Verstärkung in die Curiates-Geschäftsstelle geholt. Natürlich, er würde sich freuen, wenn sein Modell auch in anderen Regionen Schule macht.

"Bislang sind wir Pioniere mit unserem Ansatz, jungen Heilberuflern über solche Lösungen den Weg in die eigene Praxis zu ebnen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir in Zukunft noch viel stärker auf solche kollegialen Modelle setzen sollten."


Das Gespräch mit Dr. Marco Krüger fand im September 2020 statt
Dr. Marco Krüger hat in Mecklenburg-Vorpommern ein ungewöhnliches Modell etabliert, um jungen Ärzten den Einstieg in die Selbstständigkeit zu erleichtern: In den Medizinischen Versorgungszentren seines Vereins können sie langsam in den Niederlassungs-Alltag hineinwachsen.
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