Die Zeit ist jetzt.


Shirin Saeed
(Festangestellte) Apothekerin, Berlin Neukölln


Als Kind wollte ich immer Ärztin werden, den Beruf fand ich von klein auf toll. Doch meine Geschwister und ich lernten früh auch die Schattenseite dieses Jobs kennen: Mein Vater ist Internist und hatte nie wirklich Zeit für uns, weder während seines Studiums noch später, als er im Krankenhaus arbeitete und diverse Nachtschichten und Notdienste schob. Erst, als er sich mit einer eigenen Praxis selbstständig machte, wurde das besser.
Meine Eltern schlugen mir daher den Beruf der Apothekerin vor, da man in diesem Job sicher mehr Zeit für die Familie hätte. Als ich in der 9. Klasse war, konnte ich während eines Praktikums zum ersten Mal einen Blick hinter die Kulissen einer Apotheke werfen. Am spannendsten fand ich den Thekenbereich, wo die Kunden bedient werden. Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, berate und helfe gerne, und so hatte ich das Gefühl, dass dieser Beruf tatsächlich etwas für mich sein könnte.

Wenn man sich für Pharmazie entscheidet, hat man vier Jahre lang kein Leben mehr

Das Studium selbst war erst mal ein Schock. Wenn man sich für Pharmazie entscheidet, hat man vier Jahre lang kein Leben mehr, zumindest keine Freizeit. Man ist immer bis spät abends in der Uni, verbringt endlose Stunden im Labor. Das ist wirklich hart. Nach dem Studium zog ich zurück nach Berlin und ließ mich in der Hauptfiliale einer großen Neuköllner Apotheke anstellen. Klar, tief in mir drin gab es auch den Wunsch, mich irgendwann selbständig zu machen. Doch ich wollte in dem Beruf zuerst mal einige Erfahrungen sammeln.

Meinem Chef war lieber, dass ich eine seiner Filialen übernehme, als dass ich seine Konkurrentin werde

Als ich erfahren habe, dass mein Chef ein paar Hundert Meter entfernt eine neue Filiale eröffnen will und dafür eine Leitung sucht, habe ich mich sofort gemeldet. Eigentlich wollte er mich in der Hauptfiliale halten. Doch es war ihm am Ende lieber, dass ich eine seiner Filialen übernehme, als dass ich mich mit einer eigenen Apotheke in Neukölln selbstständig mache – und damit seine Konkurrentin werde.

Diese neue Filiale leite ich jetzt seit drei Jahren. Ich bin ein bisschen stolz, dass ich meinem Laden einige Neuerungen in Bezug auf die Arbeitsabläufe und Strukturen einführen konnte, die von allen anderen Filialen sukzessive übernommen wurden. Wenn Leute etwas 20 Jahre lang machen, haben Sie oft eine eingefahrene Routine und sind selten offen für etwas Neues. Umso mehr freut es mich, dass ich diese Veränderung anstoßen konnte.
 

Wenn sich Menschen wertgeschätzt und aufgehoben fühlen, kommen sie gerne wieder

Der Start in den neuen Job war gar nicht so leicht. Vor allem älteren Stammkunden fällt es schwer, ein neues Gesicht zu akzeptieren, wenn sie 20 Jahre lang von einer anderen Person bedient wurden. Da muss man sehr behutsam und empathisch vorgehen, um das Vertrauen dieser Menschen zu gewinnen – und es zu schaffen, dass sie am Ende sagen: Ich gehe nur noch zu Frau Saeed und nicht mehr zu Frau Müller. Ich glaube, dass ich mir mit meiner witzigen, direkten Art irgendwie einen Platz im Herzen der Leute erkämpft habe. Das ist ein schönes Gefühl.
Foto: apoBank Zeitbotschafterin Shirin Saeed unterwegs in Apotheke und Kiez
Shirin Saeed, Apothekerin, in ihrem Kiez in Neukoelln
Als Neuköllnerin kenne ich meinen Kiez sehr genau, ich kenne die Sorgen und Nöte der Leute hier. Viele Kunden erzählen mir privateste Geschichten und teilen mit mir ihre ganz persönlichen Probleme. Sie freuen sich, wenn ihnen jemand zuhört und Mut zuspricht. Wenn sich Menschen an einem Ort wertgeschätzt und aufgehoben fühlen, kommen sie gerne wieder – und nicht auf die Idee, online einzukaufen.

Der eigene Profit darf nie im Vordergrund stehen, wenn man andere Menschen berät

Auch wenn ich mich in meinem Job überaus wohlfühle, ist damit das Thema Selbstständigkeit für mich noch nicht vom Tisch. Es freut mich, dass meine Bank eine Plattform geschaffen hat, auf der man sich listen lassen kann, wenn man eine Apotheke kaufen oder verkaufen will. Dort schaue ich immer wieder mal rein. Ich habe zwar bisher noch nichts Geeignetes gefunden, aber wenn ich auf etwas stoßen sollte, das mir zugesagt und ich entsprechend investieren will, weiß ich, dass meine Bank für mich da ist.

Ich bin ein Mensch, der immer aufrichtig und offen kommuniziert, insbesondere gegenüber meinen Kunden. Ich würde zum Beispiel nie ein Produkt empfehlen, das ich nicht selbst ausprobiert habe. Das Gleiche erwarte ich auch von meinem Bankberater, der mir offen sagen soll, wenn sich eine zum Verkauf stehende Apotheke aus seiner Sicht nicht lohnt. Natürlich müssen wir alle Geld verdienen, aber der eigene Profit darf nie im Vordergrund stehen, wenn man andere Menschen berät. Das gilt für mich als Apothekerin gleichermaßen wie für den Bankberater.

Was ist Ihnen wichtig im Leben? Was beschäftigt Sie?

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Ich hatte immer geglaubt, man müsse voll durchziehen, wenn man ins Berufsleben startet

Ich selbst habe mir meine Arbeitszeiten mittlerweile so geplant, dass ich genug Zeit für das Wesentliche habe: für Familie, Freunde, Hobbys und Sport. Ganz am Anfang meines Berufslebens war mir noch nicht bewusst, wie wichtig es ist, sich diese Zeit zu nehmen. Ich hatte so viel gearbeitet und so viele Überstunden gemacht, bis ich irgendwann feststellen musste: Mist, ich habe ja überhaupt keine Zeit mehr für mein Privatleben. Bis dahin hatte ich immer geglaubt, man müsse voll durchziehen, wenn man ins Berufsleben startet.
Apothekerin Shirin Saeed in ihrem Zuhause
Apothekerin Shirin Saeed beim Sport: Gewichtheben
Mittlerweile habe ich mir selbst ein Stoppschild gesetzt und mein Team so strukturiert, dass jeder alles können muss, um sich bei Bedarf gegenseitig zu entlasten. Außerdem habe ich als Filialleiterin die Möglichkeit, mir die Wochenenden grundsätzlich freizuhalten. Das hat nicht nur für mich selbst Vorteile, sondern auch für meine Kunden oder etwa Dienstleister, denn ich kann unter der Woche komplett für sie da sein.