4.378 Euro pro Patient

27.01.2017 - 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr rechnet das Statistische Bundesamt für die Behandlungskosten im Krankenhaus aus. Demnach kostete ein stationär behandelter Patient 2015 im Schnitt 4.378 Euro. Die Kosten, die nach den Regeln der dualen Finanzierung, über die Fallpauschalen mit den Krankenkassen abzurechnen sind, fallen regional unterschiedlich aus; einen Rückgang verzeichnete jedoch kein Bundesland.

Nicht viel besser sieht es bei den Gesamtkosten der Klinken aus: Für die 2015 gezählten 1.956 Klinken ermittelt das Statistische Bundesamt mit 93,7 Milliarden Euro erneut höhere Ausgaben als im Vorjahr (93,2 Milliarden für 1.980 Krankenhäuser). Weniger Häuser haben also höhere Kosten verursacht. Und dass in einer Situation, in der die Bundesländer ihren Investitionsverpflichtungen seit Jahren nicht mehr ausreichend nachkommen. Die Ende Dezember veröffentlichten Zahlen zeigen einmal mehr unter welchem wirtschaftlichen Druck Krankenhausbetreiber stehen.

Ökonomisierung - und Patientennutzen

Das Ringen um den richtigen Umgang mit den bekanntermaßen knappen Ressourcen hätte auch die Überschrift zu den Handlungsempfehlungen in der Studie „Ökonomisierung der Medizin“ von Prof. Heinz Naegler und Prof. Karl Heinz Wehkamp sein können, die im November bei der apoBank in Berlin vorgestellt wurde. Die Studienautoren sind dazu der Frage nachgegangen, ob Krankenhäuser den Patientennutzen vernachlässigen würden, indem sie - um mehr abrechnen zu können - mehr behandeln, als medizinisch erforderlich sei. Im Ergebnis plädieren die Autoren u.a. für die Entwicklung eines Kodex, um ethische Gesichtspunkte und begrenzte Ressourcen noch stärker zusammenzubringen.

Denn dass es nicht darum gehen dürfe, Ethik und Ökonomik gegeneinander auszuspielen, darin waren sich namenhafte Vertreter der Ärzteschaft, Kliniken, Wissenschaft und Politik bei der anschließenden Diskussion einig. Zumal – und das ist auch meine Überzeugung: Ein grundlegendes finanzielles Dilemma wird sich nicht mit mehr Abrechnungen bewältigen lassen. Von der Lösung der strukturellen Probleme sind wir damit noch weit entfernt.

Noch eine Zahl: Die Ausgaben für Gesundheit machten 2014 einen Anteil von 11,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus. Das sind 328 Mrd. Euro. Schon deshalb und mit Blick auf die demografische Entwicklung muss ein verantwortlicher Umgang mit den Geldern der Solidargemeinschaft Anspruch alle Akteure sein.

In meiner Beratungspraxis bei Krankenhäusern erlebe ich täglich die Herausforderung mit knappen Mitteln umzugehen. Ich sehe aber auch, wie mit durchdachten Investitionen sinnvolle Verfahren etabliert werden können, die mit wirtschaftlicher Planung und effizientem Einsatz der Mittel einen Nutzen für die Patienten bringen. Die richtigen Anreize im System? Für mich auf alle Fälle auch eine Frage von Verantwortung und strategischer Planung.