Personalisierte Medizin: Optionen für die stationäre Versorgung

23.10.2015 – Was verbirgt sich hinter dem Begriff personalisierte Medizin und warum beschäftigt sich überhaupt eine Bank mit dem Thema? Das sind Fragen, die mir gestellt werden, wenn ich von unserer Trendstudie zu diesem Thema berichte; so zuletzt auf der Tagung der P.E.G. Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft eG, im Rahmen einer Diskussionsrunde mit namhaften Vertretern des Gesundheitsmarktes. Die Antworten sind einfach:

  1. Als Bank für Heilberufler sind wir der strategische Partner unserer Kunden. Hierzu gehört, dass wir uns frühzeitig mit den Themen, Herausforderungen und Chancen des künftigen Gesundheitsmarktes beschäftigen.
  2. Wir müssen die Auswirkungen der personalisierten Medizin auf den Gesundheitsmarkt in Erfahrung bringen, um zu wissen, wie wir uns und wie sich unsere Kunden darauf einstellen können.
  3. Natürlich wollen wir auch frühzeitig ableiten können, welche Finanzierungsbedarfe sich durch die Zukunftstrends ergeben.

Mehr als ein Randthema für Experten

Eines ist sicher: Die Chancen personalisierter Medizin beschäftigen den Gesundheitsmarkt massiv. Das hat mir die Diskussion auf der Fachtagung erneut gezeigt. Dabei geht es bei der personalisierten Medizin inzwischen um mehr als die individuelle Medikation schwerer oder seltener Krankheiten. Welche Auswirkungen wird das aber auf den Gesundheitsmarkt und insbesondere für Gesundheitsunternehmen haben?

Ein Paradigmenwechsel bahnt sich an

Drei Dimensionen lassen sich ausmachen:

  1. Vom Patienten zum Gesundheitskunden: „Der klassische Patient wird zum neuen Gesundheitskunden, der souverän handelt und mit personalisierter Medizin seine Gesundheit verbessern kann“, so die Studie. Wenn es also nicht mehr nur um Patienten geht, die auf die Linderung ihrer Beschwerden hoffen, stehen künftig deutlich mehr Menschen im Fokus von Gesundheitsunternehmen.
  2. Von der Krankheit zur Gesundheit: In der Folge werden nicht mehr nur Heilmittel für Krankheiten nachgefragt, sondern der Gesundheitskunde fordert individuelle, auf ihn zugeschnittene Präventivmaßnahmen und Produkte, die seine Gesundheit fördern. Die Produktpalette, die Gesundheitsunternehmen anbieten können, wird also wachsen.
  3. Der Wandel der Gesundheitsunternehmen: Aufgrund der höheren Nachfrage nach individuellen Gesundheitsleistungen und -produkten drängen neue – teils in anderen Branchen gut etablierte – Unternehmen auf den Gesundheitsmarkt. Die individuellen Gesundheitsdaten spielen dabei eine große Rolle und bieten „Apple, Google und Co.“ entscheidende Wettbewerbsvorteile. Kooperationen mit Unternehmen, die über Gesundheitsdaten verfügen, werden damit auch für Krankenhäuser, Unternehmen der Pharmabranche oder Medizintechnik relevant. Schließlich kann der Gesundheitskunde nur dann optimal beraten und behandelt werden, wenn alle relevanten Akteure sich vernetzen und die vorhandenen Daten nutzen. Dabei kommt meines Erachtens gerade auch der ambulanten und stationären Versorgung eine Schlüsselrolle zu. Zum einen verfügt sie bereits heute über umfangreiche Datenschätze und zum anderen genießt sie ein sehr hohes Vertrauen bei den Patienten, weshalb sie besonders prädestiniert ist, verantwortungsvoll mit dem Thema Datenschutz umzugehen.

Das Thema nimmt Fahrt auf. Wir bleiben dran.

Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der exponentiell an Dynamik gewinnen wird. Die Auswirkungen sind vielen Akteuren des Gesundheitsmarktes noch nicht vollumfänglich bewusst – besonders in Bezug auf das Geschäftsmodell der Unternehmen im Gesundheitswesen. Unsere Trendstudie ist deshalb ein erster Beitrag. Wir werden uns auch weiter an diesem Austausch beteiligen. Aktuell analysieren wir bereits Teilbereiche der stationären Versorgung und der Gesundheitsindustrie; Erkenntnisse, die in unseren täglichen Beratungsalltag einfließen. Sprechen Sie uns gerne darauf an.