Brexit – Ungewissheit belastet

24.06.2016 – Die Reaktion auf den überraschenden Ausgang des Brexit-Referendums fiel deutlich aus. Die Aktienmärkte gaben anfänglich bis zu 10 Prozent nach. Ob und wann die Briten ihren Austritt aus der Europäischen Union mit dieser verhandeln werden, ist noch nicht entschieden und kann dann ohne weiteres zwei Jahre dauern. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden in Großbritannien jedoch früher zu spüren sein und auch auf das globale Wachstum abfärben.

Wirtschaftswachstum und Investitionstätigkeit belastet

Dieses wird unter zurückhaltendem Konsum und Drosselung der Investitionstätigkeit deutlich niedriger ausfallen. Die Inflationserwartungen, ohnehin auf niedrigem Niveau, erhalten einen weiteren Dämpfer. Rund um den Globus werden die Zentralbanken (EZB, Bank of Japan) ihre ohnehin bereits expansive Geldpolitik weiter ausweiten. Die bis zuletzt geplanten Zinserhöhungen (Fed, Bank of England) werden weiter auf sich warten lassen.

In diesem weltwirtschaftlichen Umfeld sehe ich, dass die Rallye an den Anleihemärkten zunächst weitergeht. Der Ausblick für die Aktienmärkte fällt insofern negativ aus, da die absehbar rückläufige Entwicklung der Unternehmensgewinne nur geringere Bewertungen rechtfertigen werden. Wenn sich die Wogen jedoch geglättet haben, und dies dauert nicht zwei Jahre, sehe ich wieder attraktive Einstiegschancen an den Aktienmärkten. Trotz des gestrigen Ereignisses wird auch in Zukunft kein Weg bei der Geldanlage an den Aktienmärkten vorbeiführen.

Heftige Reaktionen – aber kein Grund zur Panik

Insbesondere die Tatsache, dass an den Märkten zuletzt nicht von einem Brexit ausgegangen wurde, wird zunächst zu kräftigen Ausschlägen führen. Abschläge zwischen zehn und 15 Prozent sind in den ersten Tagen durchaus realistisch, aber kein Grund zur Panik. Wir gewichten bei unseren Asset-Allokationen die Vermögensklasse der Aktien zunächst unter und die Renten über. Dies soll in Zeiten historisch niedriger Zinsen kein Plädoyer für die Renten sein, sondern vielmehr als stabiler Anker in ungewissen Zeiten verstanden werden. Unter regionalen Aspekten bevorzugen wir für das Aktiensegment die USA und Japan. Diese sollten davon profitieren, dass nicht-europäische Investoren ihre Gelder vorübergehend abziehen und in heimischen Währungsgebieten anlegen. Dies wird ebenfalls zu Währungsgewinnen führen (z. B. US-Dollar, Yen). Im Verhältnis zum europäischen Aktienmarkt rechnen wir hier mit einer Outperformance.

Insgesamt werden die Renditen für die so genannten sicheren Häfen rückläufig sein. Die Spreads der europäischen Peripherie-Staaten werden sich ausweiten. Inwieweit es den großen Notenbanken gelingt, mittels einer konzertierten Aktion, hier entgegenzuwirken, ist bislang noch nicht abzusehen.