Auszubildende Basma Nahhas im Interview

apoBank Filiale Köln

Als Erwachsener in ein fremdes Land, mit einer neuen Sprache und einer anderen Kultur zu gehen, erfordert immer Mut. Basma Nahhas, 28 Jahre, hat diesen Schritt vor drei Jahren mit ihrer Familie gewagt, mit Rückhalt von Familienangehörigen in Deutschland. Sie kommt aus dem Kriegsland Syrien und hat alles hinter sich lassen müssen. Seit dem 1. August 2018 ist sie Auszubildende der apoBank.

Frau Nahhas, unter welchen Umständen sind Sie vor drei Jahren nach Deutschland gekommen?

In Syrien war Krieg. Wir dachten einige Jahre, das wird schon wieder. So lebten wir drei Jahre in einer schwierigen Zeit. Aber als dann im April 2015 gegenüber unserer Wohnung eine Bombe ins Haus einschlug, hatten wir Angst um unseren Sohn. Da war für uns der Zeitpunkt gekommen zu gehen. Durch meine Familie, die schon seit langer Zeit in Deutschland lebt, konnte ich ein Visum erhalten. Leider bekam aber mein Mann keins. Wir packten ein und verließen unsere Stadt Aleppo. Ich bin dann mit meinem sechs Monate alten Sohn mit dem Flugzeug im Mai 2015 nach Deutschland gekommen.

Und Ihr Mann?

Für meinen Mann war es noch schwieriger. Er hätte mindestens sechs bis zwölf Monate in der Türkei auf sein Visum für Deutschland warten müssen. Er hat uns sehr vermisst. Deshalb hat er sich entschieden, mit dem Boot und zu Fuß über die Berge zu uns nach Deutschland zu kommen. Er hat in Syrien Business-Management studiert und war selbständiger Import-Export-Unternehmer. In Deutschland hat er zunächst bei der Arbeiterwohlfahrt gearbeitet. Mittlerweile macht er eine Weiterbildung.

Hätten Sie sich auch ein anderes Land vorstellen können?

Ehrlich gesagt nein, weil ich dann getrennt von meiner Familie hätte leben müssen. Denn durch die Anwesenheit meiner Oma, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins gestaltet sich der Neuanfang für mich viel einfacher und macht den Schmerz der Trennung von der Heimat erträglicher. Und ich gehe davon aus, dass ich mir mit meinem Studium und meinen Kompetenzen in Deutschland eine gute Zukunft aufbauen kann.

Wie geht es Ihrem Sohn?

Ich habe mittlerweile zwei Kinder, meine Tochter ist hier in Köln geboren und schon zwei Jahre alt. Sie besuchte bereits mit vier Monaten den Kindergarten. Mein Sohn ist vier Jahre alt. Er kam mit 15 Monaten in die Kita. Meine Kinder verstehen und sprechen nun beide Sprachen. Da ich in Aleppo als Englischlehrerin gearbeitet habe, ist mir wichtig, dass meine Kinder jetzt schon Englisch lernen. In unserer Wohnung sind viele Dinge mit bunten Schildchen auf Englisch, Arabisch und Deutsch beklebt.

Wie sind Sie zur apoBank gekommen?

Ich habe in Aleppo vier Jahre Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Finanz- und Bankenwesen studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Ich hätte gerne bei einer Bank gearbeitet. Aber dann kam der Krieg, und ich hatte keine Chance, nach dem Studium zu arbeiten. Eine meiner Bewerbungen in Deutschland habe ich online an Herrn Dr. Natter, den Leiter der apoBank-Filiale Köln, geschickt. Am nächsten Tag rief mich seine Assistentin an und vereinbarte mit mir einen Vorstellungstermin in der folgenden Woche. Ich hatte schon so viele Bewerbungen geschrieben. Meist dauerte eine Rückmeldung bis zu vier Wochen. Mit einem so schnellen Termin hatte ich nicht gerechnet. Das Gespräch mit Herrn Dr. Natter war mein erstes Vorstellungsgespräch in Deutschland.

Wie war die Nacht davor?

Ich war nervös. Natürlich auch, weil es mein erstes Vorstellungsgespräch in Deutsch war. In Syrien hatte ich bereits fünf Jahre in einer Privatschule als Englischlehrerin im Kindergarten parallel während meines Studiums gearbeitet und musste mich dafür auch vorstellen. Aber eben in meiner Muttersprache und in Englisch, das ist mir natürlich viel leichtergefallen.

Wie sind Sie auf die apoBank gekommen und wieso haben Sie sich die Filiale Köln für eine Bewerbung ausgesucht?

Das war eine Empfehlung meiner Großcousine, die seit 35 Jahren eine sehr zufriedene Kundin der apoBank in Köln ist.

Wie ist es nach dem Vorstellungsgespräch weitergegangen?

Nach dem Gespräch mit Dr. Natter erhielt ich für vier Wochen eine Praktikantenstelle. Für mich war das eine ganz andere Welt. Ich hatte schon manchmal Sorgen, dass man mich nicht richtig versteht, wegen der Sprache und dem Vokabular. Aber die Kölner Kollegen sind wirklich total kooperativ, und sie haben mich stark motiviert, dabeizubleiben. Danach habe ich mich um eine Ausbildungsstelle bei der apoBank beworben und alle Bewerbungsrunden geschafft. Seit dem Sommer bin ich Auszubildende der Bank. Trotz der Schwierigkeiten mit der Sprache möchte ich weitermachen. Wenn man etwas will, dann schafft man das.

Dr. Uwe Natter, Filialleiter Köln

"Eine Kundin fragte bei uns an, ob wir Praktikanten nehmen. Danach bewarb sich Frau Nahhas um ein Praktikum bei uns. Ich habe das Gespräch geführt, weil ich gut finde, wenn sich Flüchtlinge einbringen wollen. In den vier Wochen hat sie unheimlich Gas gegeben. Kurz vor Ablauf des Monats erkundigte sich Frau Nahhas nach den Voraussetzungen für eine Ausbildung. Für uns sind gute Sprachkenntnisse wichtig, daher verlangen wir in solchen Fällen das C1-Sprachzertifikat, das zweithöchste Sprachniveau von sechs. Dazu benötigt man in der Regel zwei Jahre. Alle anderen Qualifikationen waren bereits vorhanden. Frau Nahhas hat das Zertifikat in sechs Monaten erlangt. Ich finde, das sagt schon viel aus. Für  mich zählt der Mensch, unabhängig von Herkunftsland, Religion, ob mit oder ohne Kopftuch."

Wie haben Sie Deutschland erlebt?

Der Anfang war schwierig. Alles dauert so lange. Man muss viel Geduld haben: für eine Wohnung, für einen Kindergartenplatz, beim Arbeitsamt. Das war nicht einfach. Bis jetzt habe ich wunderbare Menschen kennengelernt, beispielsweise unsere deutschen Freunde in Elsdorf. Dort haben wir zuerst gewohnt. Aber als ich die Stelle bei der apoBank gefunden hatte, wollte ich nach Köln ziehen, um noch genug Zeit für meine Familie zu haben. Nachdem ich in Köln eine Wohnung gefunden hatte, musste ich alles in zwei Wochen organisieren: die Kündigung unserer damaligen Wohnung sowie zwei neue Kindergartenplätze und den Umzug. Das war schon ungewohnt für mich und erforderte viel Courage und starke Nerven.

Was ist für Sie typisch deutsch, wo haben Sie kulturelle Unterschiede erlebt?

Typisch deutsch für mich sind Terminvereinbarungen, insbesondere um sich mit Familie oder Freunden zu treffen. Ich finde das witzig, weil es in Syrien oft so war, dass man - auch zu sehr später Stunde - spontan Besuch von der Familie bekam und sich darüber freute. Hier ist es jedoch üblich, vorab einen Termin für solche Treffen zu vereinbaren. Aus meiner Sicht erlebe ich keinen Kulturschock, denn Syrien war schon immer ein sehr zivilisiertes Land, mit verschiedensten Religionen, unterschiedlichsten Völkern und Kulturen, die in Harmonie zusammenlebten. Es war sehr multikulturell. Man war es gewohnt, dass Moschee neben Kirche stand. Zur Weihnachtszeit wurden die Straßen von unseren christlichen Mitbürgern dekoriert und zu den muslimischen Festen von uns, beispielsweise für den Ramadan oder das Opferfest.

Welche Bedeutung hat das Kopftuch für Sie?

Meine Religion schreibt es mir vor, mich zu bedecken, so wie es damals die heilige Maria getan hat. Jedoch kann niemand zum Tragen des Kopftuchs gezwungen werden. Ich trage es aus eigener Überzeugung. Es gehört zu mir, ist ein Teil meiner Persönlichkeit und auch Verbindung zur Heimat. Natürlich hatte ich vom Hören und Erzählen mitbekommen, dass es oft nicht leicht ist in einigen Branchen, wie bei Finanzdienstleistern, eine Arbeit mit Kopftuch zu finden. Viele Leute haben mir daher empfohlen, mich nicht so bei der Bank zu bewerben. Denn wenn du ein Kopftuch trägst, sagte man mir, dann bekommst du keine Stelle. Ich finde, es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was im Kopf ist und was im Herzen liegt. Und tatsächlich ist es so, dass jeder in der Bank mein Kopftuch akzeptiert. Alle sind sehr freundlich zu mir, die Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm. Das Kopftuch war auch beim Vorstellungsgespräch kein Thema. Und heute fragen mich viele Freunde verwundert: Du hast eine Stelle bei der Bank bekommen, aber sicher ohne Kopftuch? Und so freue ich mich umso mehr, weil ich dann sagen kann: Ja, ich habe bei der Bank eine Stelle bekommen, so, wie ich bin!

Wo sehen Sie sich in zwei Jahren?

Ich möchte als Beraterin bei der apoBank arbeiten. Ich möchte das schaffen und motiviere mich immer selbst. So bin ich auch zu meiner Wohnung in Köln gekommen. Ich habe zuerst eine Absage von der Maklerin bekommen und diese dann angerufen und ihr erklärt, warum diese Wohnung so wichtig für mich und meine Familie ist. Ich habe ihr jeden zweiten Tag neue Bescheinigungen zugeschickt und noch einen Brief geschrieben. Nach einer Woche hat sie mich angerufen und gefragt, ob ich die Wohnung immer noch möchte. Und dann hatten wir die Wohnung!
Ich bin sehr dankbar für die Chance bei der apoBank. Meine Sprachkenntnisse werde ich weiter verbessern und ich möchte meine Ziele erreichen. Ich habe vor kurzem etwas gelesen, was stimmt: Was kostet es eigentlich, Träume wahr werden zu lassen? Einfach nur Mut.