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Ärzte laufen in einem Gang

apoKompakt Juli 2026

Praxis- oder Apothekengründung: Umwelt-, Standort und Barrierefreiheitsaspekte frühzeitig prüfen.

Auf dem Weg zur eigenen Praxis oder Apotheke

Die Gründung einer eigenen Praxis oder Apotheke ist für viele Heilberuflerinnen und Heilberufler ein großer Schritt – oft verbunden mit viel Engagement, persönlichen Zielen und dem Wunsch, langfristig etwas Eigenes aufzubauen.

Eine Umfrage der apoBank aus 2024 unter Kundinnen und Kunden zeigt, dass neben wirtschaftlichen Aspekten auch ökologische und soziale Fragen an Bedeutung gewinnen. So finden es beispielsweise 73 Prozent der rund 770 Befragten wichtig, entsprechende Maßnahmen in ihrer Tätigkeit im Heilberufswesen umzusetzen. Werden Aspekte wie Klimaschutz, also beispielsweise Emissionen gezielt niedrig zu halten, oder Klimaanpassung, wie beispielsweise Praxis und Apotheke für Extremwetterereignisse zu wappnen, schon in der Planungsphase berücksichtigt, können wichtige Weichen von Beginn an gestellt werden.

Standortwahl: Risiken erkennen, Vorteile nutzen

Die Wahl der Immobilie spielt dabei eine zentrale Rolle. Zum einen geht es um Standortsicherheit – vor allem mit Blick auf Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Überflutung. Eine Prüfung öffentlicher Hochwasser- oder Starkregenkarten kann helfen, standortbezogene Risiken früh zu erkennen. Wichtig ist zudem der passende Versicherungsschutz, um das Inventar und Betriebsausfälle entsprechend abzusichern.

Zum anderen hilft die kritische Auseinandersetzung mit Energieausweis, Modernisierungsstand und Gebäude-technik, den voraussichtlichen Energiebedarf nutzungsabhängig einzuordnen. Bei der Standortwahl können zudem die ÖPNV-Anbindung, Fahrradwege und -stellplätze sowie Barrierefreiheit als Prüfkriterien berücksichtigt werden. Sie erleichtern je nach Standort die Anreise für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende. Dabei geht es nicht nur um die Vermeidung von Anreisen in privaten Kraftfahrzeugen. Die Erreichbarkeit, der Zugang zur Praxis oder Apotheke und Bewegungsflächen sollten in der Planungsphase entscheidende Prüfpunkte für soziale Faktoren im Sinne der Barrierefreiheit sein.

ESG-Kriterien – also die Betrachtung von Umwelt (E)- und Sozialbelangen (S) sowie der Unternehmensführung (G) – werden zudem über sogenannte ESG-Scorings im Rahmen eines Kreditantrags abgefragt. Dazu zählen u.a. Angaben zu Standort, Energie- und Wasserverbrauch, Arbeitssicherheit und Datenschutz. Diese Scorings sind keine Nachhaltigkeitsprüfungen. Banken steuern jedoch darüber u.a. ihre Risiken für Kreditausfälle durch Extremwetterereignisse wie Überflutungen. Für Gründerinnen und Gründer können spätestens durch ein ESG-Scoring standortbezogene Risiken sichtbar werden.

Smarte Strategien für Praxis- und Apothekenalltag

Fachpublikationen zufolge sind Medikamente, Materialeinkauf und Ressourcennutzung nicht nur Kostenfaktoren, sondern auch relevante Umweltaspekte im Gesundheitswesen1). Damit werden eine durchdachte Material- und Medikamentenauswahl, das Bestandsmanagement, effiziente Einkaufsprozesse und regelmäßige Prozessprüfungen zu relevanten Ansatzpunkten, um Kosten und Umweltaspekte systematisch zu betrachten.

Auch beim Thema Abfall gibt es Optimierungspotenzial. Unter Beachtung hygienischer und gesetzlicher Vorgaben können Praxen und Apotheken prüfen, welche Abfallströme getrennt, recycelt oder reduziert werden können, beispielsweise durch den bewussten Einsatz von Einwegmaterialien. Strukturierte Bestandskontrollen von Medikamenten und Materialien helfen, Verfallsdaten im Blick zu behalten und unnötige Entsorgungen zu vermeiden. Darüber hinaus können auch Patientinnen und Patienten durch gezielte Information für die korrekte Entsorgung von Medikamenten sensibilisiert werden.
Ressourcen können gezielt geschont werden: Wassersparende Armaturen können – abhängig von Nutzung und Modell – dazu beitragen, den Wasserverbrauch im Alltag zu senken. Eine regelmäßige Überprüfung der Verbrauchsdaten, LED-Beleuchtung, die Nutzung von ECO-Programmen oder die Vermeidung unnötiger Stand-by-Zeiten können dazu beitragen, den Energieverbrauch im Alltag zu prüfen und gegebenenfalls zu senken. Digitale Anwendungen wie beispielsweise elektronische Patientenakten, Online-Terminvergaben oder telemedizinische Angebote können helfen, Papierprozesse und Patientenwege zu prüfen und dort zu reduzieren, wo es organisatorisch und medizinisch passt. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass auch die Nutzung digitaler Angebote und Dienste einen Umwelteinfluss hat, beispielweise durch den Verbrauch von Energie und Serverkapazitäten.
Auch Klimaanpassung ist ein wichtiger Aspekt für den Praxen- und Apothekenalltag, denn hier geht es um Resilienz-Strategien, mit denen Risiken für Patienten, Beschäftigte, Ressourcen und Abläufe systematisch berücksichtigt werden können. Zum Beispiel vor dem Hintergrund zunehmender Hitzetage mit stärkerer Hitzebelastung gilt es, Praxen und Apotheken gezielt vorzubereiten und das Patientenmanagement anzupassen, um Risikogruppen und chronisch kranke Menschen, aber auch die eigenen Angestellten zu schützen. Einen sogenannten Hitzeschutzplan zu entwickeln, ist sowohl während der Gründungsphase als auch im laufenden Betrieb möglich. Sowohl Praxen- als auch Apothekeninhaberinnen und -inhaber sowie Gründerinnen und Gründer können dafür auf den Fokus-Workshop „Hitzeschutz in Praxis und Apotheke“ zugreifen, den der Kooperationspartner der apoBank, die Deutsche Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG), anbietet.

Fokus-Workshop
Hitzeschutz in Praxis und Apotheke
(individuell, online, 90 Minuten,  400 Euro) | Weitere Informationen und zur Anmeldung: hier entlang.

 

Mehr Miteinander für mehr Wirkung

Wenn das gesamte Team frühzeitig eingebunden wird, lassen sich konkrete Maßnahmen und Abläufe zu Abfalltrennung, Bestandskontrollen oder zum Energie- und Wassersparen besser im Praxis- und Apothekenalltag besprechen und umsetzen. Klare Prozesse, regelmäßige Schulungen und eine offene Kommunikation helfen dabei. Auch Patientinnen und Patienten können durch Informationen und Aufklärung aktiv einbezogen werden – beispielsweise zu Themen wie Medikamentenentsorgung oder Präventionsmaßnahmen. Sogenannte Co-Benefits bezeichnen zum Beispiel auf Patienten ausgerichtete Beratungsansätze mit doppeltem Nutzen. So kann die Empfehlung zu häufigerem Rad- statt Autofahren – je nach individueller Situation und Strecke – zu mehr gesundheits-fördernder Bewegung und weniger Autoemissionen auf diesen Wegen beitragen.

Webinare, Workshops und Checklisten: Unterstützung für komplexe Themen

Wichtig ist ein realistischer Blick: Eine Existenzgründung ist ein großer Schritt, der mit vielen Aufgaben und Herausforderungen verbunden ist. Die frühe Berücksichtigung von Klimaschutz, Klimaanpassung und sozialen Prüfpunkten kann dabei helfen, mögliche Ressourcen- und Kostenaspekte im Betrieb zu berücksichtigen und Planungsentscheidungen strukturiert zu treffen.
Um hier Orientierung zu bieten, hat die apoBank mit ihrem Kooperationspartner KLUG individuelle Webinare für Gründerinnen und Gründer entwickelt, die vom KLUG-Expertenteam auf die jeweilige medizinische Fachrichtung abgestimmt werden. Mit der Niederlassungsvariante ‚Klug gründen‘ unterstützt die apoBank Gründerinnen und Gründer und übernimmt drei Viertel der Kosten für das KLUG-Webinar, sofern die in den Programmbedingungen definierten Ökostrom-Nachweise für Praxis oder Apotheke vorliegen.

Auch im laufenden Betrieb können einzelne Maßnahmen geprüft und umgesetzt werden, etwa zu Abfall, Energie, Wasser oder Hitzeschutz. Ideen dafür bieten die Checkliste der apoBank, fünf Sofort-Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung sowie das KLUG-Webinar zur Praxis-Optimierung. Regelmäßige Überprüfungen helfen dabei, den tatsächlichen Nutzen der Maßnahmen zu bewerten und Anpassungen vorzunehmen.

Fazit

Ökologische und soziale Aspekte erweitern die Prüfliste für Gründerinnen und Gründer, sollten aber gemeinsam mit wirtschaftlichen und organisatorischen Faktoren betrachtet werden. Mit einem umfangreichen Beratungs- und Finanzierungsangebot steht die apoBank dabei an der Seite von Heilberufsangehörigen, die den Schritt in die Selbstständigkeit planen.

1) z.B. „Die grüne Arztpraxis – Gesundheit, Nachhaltigkeit und Mitgestaltung der ökologischen Wende“ – Gierke et.al. 2024