Chart der Woche


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18.1.22 - Die vielschichtigen Folgen der hohen Inflation

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Dass die Preise im vergangenen Jahr immens gestiegen sind, hat sich herumgesprochen. Doch „die“ Inflationsrate gibt es nicht. Preise verschiedener Güter und Dienstleister entwickeln sich stark unterschiedlich und haben verschiedenste, teils gravierende Auswirkungen auf Gesellschaft und Kapitalmärkte.

Zur Verdeutlichung der Unterschiede lohnt sich ein genauerer Blick auf die Inflation. Während die deutsche Verbraucherpreisinflation, also der Mittelwert über alle Güter und Dienstleistungen, im Dezember 5,3 % p.a. erreichte, stiegen Kraftstoffpreise (Stand November) um mehr als 40 % an. Für Menschen ohne Pkw ist die Inflationsrate also wenig repräsentativ – für sie sind die Preisanstiege deutlich geringer ausgefallen. Eine andere, wichtige Komponente bei der Inflationsrate sind die Lebensmittelpreise, die in Deutschland im November um 4,6 % p.a. angestiegen sind. Dass die beiden Komponenten Energie und Lebensmittel stark gestiegen sind ist kein Zufall, denn Energiekosten spielen beim Transport, der Herstellung von Kunstdünger und anderen Aspekten der Landwirtschaft eine große Rolle.

Lebensmittelpreise sind aus humanitärer Sicht die wichtigste Komponente der Inflation. Denn selbst in wohlhabenden Ländern trifft Inflation häufig besonders die unteren Einkommensschichten, die einen höheren Teil ihres Einkommens für Lebensmittel, aber auch für Energie, ausgeben. In ärmeren Ländern wirken Preisanstiege ungleich schlimmer. Die Anstiege in den Jahren 2008 und 2011 führten laut der Food and Agricultural Organization der Vereinten Nationen (FAO) zu Mangelernährungen bei Millionen Menschen. Sie trugen auch zu den vielen Aufständen während des sog. Arabischen Frühlings bei. Der von der FAO ermittelte globale Lebensmittelpreisindex stieg 2021 wieder auf das hohe Niveau, das zuletzt 2008 und 2011 erreicht worden war. Schwere Unruhen, etwa in Kasachstan, sind derzeit die ersten politischen Nebenwirkungen hiervon.

Für Kapitalmärkte sind indessen andere Preise entscheidend, wie etwa der Erzeugerpreisindex, also die Preise, die Unternehmen beim Einkauf zahlen müssen. Unternehmen kaufen für gewöhnlich Vorprodukte von anderen Unternehmen ein und verkaufen weiterverarbeitete Erzeugnisse auch an Unternehmen. Die Erzeugerpreisinflation ist daher wichtig, um die Preissetzungsmacht von Unternehmen und die Entwicklung ihrer Gewinnmargen einzuschätzen. So gingen etwa die jüngst hohen Erzeugerpreisanstiege mit rekordhohen Gewinnmargen einher. Doch in vielen Ländern begann die Erzeugerpreisinflation zuletzt zu sinken – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage nicht mehr mit immer höheren Preisen mithalten kann und die Unternehmen es schwerer haben, höhere Preise durchzusetzen. Die neuesten Daten zur deutschen Erzeugerpreisinflation werden diesen Donnerstag gemeldet.

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