Neue Steuerregeln für Investmentfonds

Was bedeutet die Investmentsteuerreform für Sie?

Am 1. Januar 2018 sind die neuen Steuerregeln für Investmentfonds in Kraft getreten.

Die gute Nachricht:
Für die meisten Privatanleger ändert sich die Steuerbelastung unter dem Strich nicht und die Anlage in Investmentfonds bleibt weiterhin attraktiv.


Fragen und Antworten zur Investmentsteuerreform

Die wichtigsten Änderungen

Die wichtigsten Änderungen der Reform

  • In- und ausländische Fonds werden gleichbehandelt.
  • Teilfreistellung kompensiert neue Belastung des Fonds.
  • Vorabpauschale als moderate Mindestbesteuerung.
  • Übergangsregelung für vor dem 31.12.2008 erworbene Fondsanteile.
Was ist die Investmentsteuerreform?

Was ist die Investmentsteuerreform?

Mit der Investmentsteuerreform verändert sich die alte Systematik der Besteuerung. Neu sind folgende Punkte:

  1. Deutsche und ausländische Fonds werden steuerlich gleichbehandelt
  2. Die Besteuerung von Anlegern wird vereinfacht.
  3. Privatanleger werden zukünftig weniger Aufwand bei der Steuererklärung haben.

Wichtig:

Die Investmentsteuerreform verfolgt nicht das Ziel, die Steuern zu erhöhen. Für die meisten Privatanleger ändert sich die Steuerbelastung unter dem Strich nicht und die Anlage in Investmentfonds bleibt weiterhin attraktiv.

Seit wann gilt die Investmentsteuerreform?

Seit wann gilt die Investmentsteuerreform?

Zum 1. Januar 2018 sind die Änderungen zur Investmentsteuer in Kraft getreten.

Das Stichdatum: 1.01.2018 ist daher für die Besteuerung von Fondsanteilen wichtig.  

Was passiert mit Fondanteilen, die vor dem 01.01.2009 gekauft wurden?

Sie haben Fondsanteile vor dem 01.01.2009 erworben?

Wenn Sie Fondsanteile vor Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 gekauft haben, konnten Sie sich bisher darauf verlassen, bei Verkauf keine Steuern auf Gewinne zahlen zu müssen.

Dieser Bestandsschutz entfällt ab 1. Januar 2018. Das heißt:

  • Gewinne, die bis zum 31.12.2017 aufgelaufen sind, bleiben steuerfrei.
  • Alle Gewinne, die ab 2018 anfallen, werden besteuert.

Freibetrag statt Altbestandsschutz

Für Privatanleger wird dieser Wegfall des Altbestandsschutzes durch einen Freibetrag von 100.000 € pro Person deutlich abgemildert. Dieser Freibetrag wird vom Finanzamt bei der Steuererklärung berücksichtigt. Der Freibetrag gilt je Anleger.

Somit können Ehegatten / eingetragene Lebenspartner mit Gemeinschaftsdepots über einen Freibetrag von 200.000 Euro verfügen.

Was passiert mit Fondsanteilen, die nach dem 01.01.2009 erworben wurden?

Sie haben Fondsanteile nach dem 01.01.2009 erworben?

Wenn Sie Fondsanteile nach dem 01.01.2009 erworben haben, werden alle Fondsanteile fiktiv veräußert und gleichzeitig wieder neu angeschafft.

Der mögliche Veräußerungsgewinn wird nach altem Recht ermittelt, bis zum tatsächlichen Verkauf vorgehalten und erst dann der Abgeltungssteuer unterworfen!

Tipp

Über diese fiktiven Käufe und Verkäufe erhalten Sie Abrechnungen. Damit müssen Sie nichts weiter tun - bewahren Sie die Abrechnungen einfach bis zum tatsächlichen Verkauf auf. Die können für die Erstellung der Steuererklärung hilfreich sein.

Was bedeutet Teilfreistellung?

Was bedeutet Teilfreistellung?

Aus der Angleichung in- und ausländischer Fonds ergibt sich zukünftig eine höhere Steuerbelastung auf Fondsebene. Als Ausgleich schafft der Gesetzgeber auf der Anlegerebene die so genannte Teilfreistellung.

Abhängig von der Fondsart werden nicht die gesamten Erträge versteuert, sondern die Investmenterträge zu einem bestimmten Prozentsatz von der Besteuerung freigestellt.

Die Höhe der Teilfreistellung (=Teilfreistellungsquote) ist abhängig von der Kapitalbeteiligungsquote des Fonds, die in den Anlagebedingungen der Investmentgesellschaft geregelt ist.

Hier ein Überblick der Teilfreistellungsquoten im Privatvermögen:
Für Mischfonds (mind. 25 % Aktienanteil) 15 %
Für Aktienfonds (mind. 51 % Aktienanteil) 30 %
Für inländischen Immobilienfonds 60 %
Für ausländische Immobilienfonds 80 %
Diese Quote kommt bei Ausschüttungen, Veräußerungsgewinnen und der Vorabpauschale zum Tragen.
Was ist die Vorabpauschale?

Was ist die Vorabpauschale?

Durch die Vorabpauschale will der Gesetzgeber eine jährliche Mindestbesteuerung sicherstellen!

Künftig werden auch Fonds besteuert, die keine oder nur geringe Erträge ausschütten. Hierfür wird die Vorabpauschale eingeführt, die jedem Investmentfonds einen jährlichen zu versteuernden Mindestertrag unterstellt. Die Berechnung der Vorabpauschale orientiert sich daher an der Höhe einer risikolosen Marktverzinsung für öffentliche Anleihen.

Das sollten Sie noch wissen:
Die Vorabpauschale wird nur bei positiver Wertentwicklung des Fonds fällig und stellt die Differenz zwischen dem sogenannten Basisertrag des Fonds und der Ausschüttung dar. Sie gilt als jeweils zu ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen, erstmals am 02. Januar 2019. Der Freistellungsauftrag kann auf die Belastung der Vorabpauschale angewendet werden.

Fazit

  1. Anleger müssen künftig Liquidität für die Besteuerung der Vorabpauschale bereitstellen.
  2. Beim Verkauf werden die geleisteten Vorabpauschalen mit dem Gewinn verrechnet und damit eine Doppelbesteuerung vermieden.
Was bedeutet "fiktive Veräußerung meiner Fondsanteile zum 31.12.2017"?

Fiktive Veräußerung der Fondsanteile zum 31.12.2017

Der Übergang vom alten zum neuen Investmentsteuerrecht wird durch eine Abschlussthesaurierung per 31.12.2017 und eine sogenannte Veräußerungsfiktion zum 31. Dezember 2017 erreicht. Was genau bedeutet das?

  • Sie erhalten über diese fiktiven Käufe und Verkäufe Abrechnungen.
  • Mit diesen Abrechnungen müssen Sie nichts weiter tun – wir empfehlen die Aufbewahrung bis zum tatsächlichen Verkauf. Diese Abrechnungen können für die Erstellung der Steuererklärung hilfreich sein.
     

Im ersten Schritt thesaurieren alle Fonds zum 31.12.2017 Ihre Erträge, die im Fondsvermögen erwirtschaftet wurden. Diese gelten zum 31.12.2017 als steuerlich zugeflossen. Somit können alle Fonds am 01.01.2018 auf der Ertragsseite bei 0,00 starten, auch wenn das Geschäftsjahr des Fonds vom Kalenderjahr abweicht.

Im zweiten Schritt gelten alle Anteile an Investmentfonds als am 31.12.2017 veräußert und am 01.Januar 2018 als neu angeschafft. Hierbei werden die Fondsanteile nicht real verkauft, es werden lediglich die letzten Rücknahmepreise des Jahres 2017 festgestellt und die Veräußerungstransaktion theoretisch durchgeführt. Hierdurch werden alle Gewinne oder Verluste nach altem Recht ermittelt und „eingefroren“.

Wichtig zu wissen

Die fiktive Veräußerung führt nicht zu einer sofortigen Besteuerung von Veräußerungsgewinnen oder –verlusten. Wertveränderungen des Investmentanteils oder Ausschüttungen ab dem Jahr 2018 sind für den fiktiven Veräußerungsgewinn unbeachtlich. Das bedeutet für Sie, dass der fiktiv ermittelte Gewinn erst bei einer tatsächlichen zukünftigen Veräußerung unter Anwendung der dann geltenden Steuersätze der Besteuerung unterworfen wird.

Wurden die Anteile vor dem Jahr 2009 erworben und sind dem Privatvermögen zuzuordnen, ist der fiktive Veräußerungsgewinn bei der tatsächlichen Veräußerung steuerfrei.

... und bei ausländischen Thesaurierungsfonds?

Insbesondere bei ausländischen Thesaurierungsfonds fordert das Finanzamt oft den Nachweis der Haltedauer. Dieser kann über die Abrechnung der fiktiven Veräußerung erbracht werden, nachdem die Papiere auch real verkauft wurden.

Erfahrungsgemäß kann die Veröffentlichung der Thesaurierungsdaten einige Zeit in Anspruch nehmen und eventuell erst nach Abrechnung der fiktiven Veräußerung erfolgen. Um steuerliche Nachteile für Sie zu vermeiden stornieren wir, soweit erforderlich, die Abrechnung und rechnen diese unter Berücksichtigung der endgültigen Daten neu ab.

Gleiches gilt bei einem realen Verkauf der Anteile Anfang 2018. In diesem Fall ist nur die letzte erstellte Abrechnung aufzuheben.

Was heißt "vorübergehender Ansatz der Ersatzbemessungsgrundlage"?

Was heißt "vorübergehender Ansatz der Ersatzbemessungsgrundlage" ?

Der vorübergehender Ansatz der Ersatzbemessungsgrundlage kann bei Verkäufen am Jahresanfang 2018 herangezogen werden.

Was ist damit gemeint?
Die Einführung der Investmentsteuerreform erfordert eine fiktive Veräußerung der Fondsanteile per 31.12.2017 und die Neuanschaffung zum 01.01.2018.  

Wenn die Fondgesellschaften die hierfür erforderlichen Daten noch nicht mitgeteilt haben, - also die fiktiven Verkäufe / Käufe noch nicht abgerechnet wurden,- dann liegen bei einem Verkauf in 2018 zwangsläufig die Anschaffungsdaten per 01.01.2018 nicht vor. In diesem Fall wird die Ersatzbemessungsgrundlage herangezogen.   

Wie geht man vor?
Um die Ersatzbemessungsgrundlage zu berechnen, werden 30% des Veräußerungserlöses als Gewinn angenommen und mit Kapitalertragssteuer, Solidaritätszuschlag und ggfs. Kirchensteuer belastet.

Sobald dann die Fondsgesellschaften die Daten des fiktiven Verkaufes übermittelt haben, wird der Ansatz der Bemessungsgrundlage korrigiert. Die bereits erfolgten Abrechnungen werden storniert und mit den korrekten Daten neu abgerechnet.