Wie lasse ich mich nieder?

Formen der ärztlichen Selbständigkeit

Ärzte haben heute vielfältige Möglichkeiten ihren Beruf auszuüben. Dabei steht die Selbständigkeit nach wie vor hoch im Kurs. Schließlich bietet sie nicht nur ein gutes Einkommen, sondern auch viel Flexibilität und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Doch welche Form der Berufsausübung passt zu den jeweiligen Vorstellungen? Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) erklärt die wesentlichen Möglichkeiten:

Berufsausübung in der Einzelpraxis

Rund 60 Prozent aller Ärzte bevorzugen bei ihrem Schritt in die Selbständigkeit die Einzelpraxis, so die Existenzgründungsanalysen der apoBank. Die Gründe hierfür sind nachvollziehbar: Von den Öffnungszeiten über die Arbeitsabläufe und die medizinische Ausrichtung bis hin zur Raumgestaltung und Ausstattung kann alles alleine entschieden werden - und da das Einkommen nicht mit Kollegen geteilt werden muss, entfallen Diskussionen über dessen Verteilung. Auch Abstimmungen zu Investitionen sind nicht notwendig, die Gründung und Führung dieser Praxisform liegt in einer Hand und ist dadurch weniger komplex als bei Kooperationen.

Früher bedeutete Einzelpraxis zugleich Vollzeit. Inzwischen besteht jedoch die Möglichkeit die Zulassung auf die Hälfte zu reduzieren. Zudem ist auch die Anstellung von Kollegen zur Unterstützung in der eigenen Praxis möglich. In Vertretungsfällen, wie beispielsweise während der Elternzeit, kann ein sogenannter Sicherstellungs- bzw. Entlastungsassistent bis zu 36 Monate in Voll- oder Teilzeit in der Praxis tätig sein. Hat der angestellte Arzt selbst Ansprüche auf Elternzeit, kann auch für ihn eine Vertretung für bis zu drei Jahre beschäftigt werden.

Berufsausübungsgemeinschaft

Ärzte, die sich in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) niederlassen, arbeiten mit mindestens einem weiteren selbständigen Arzt zusammen. Sie haben einen gemeinsamen Patientenstamm und rechnen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung unter einer Abrechnungsnummer ab. Der Gewinn wird nach ihrem individuellen Gesellschaftervertrag, der das Innenverhältnis regelt, aufgeteilt. Den Existenzgründungsanalysen der apoBank zufolge ist die BAG seit einigen Jahren die häufigste Kooperationsform bei Niederlassungen. Knapp 34 Prozent der Ärzte haben sich 2015 auf diese Weise selbständig gemacht.

Wenn ein Praxisinhaber die Arbeitszeit reduzieren möchte oder sich langsam nach einem Nachfolger umschaut, dann kann eine Job-Sharing-BAG interessant werden: Hier erhält ein Junior-Partner eine eingeschränkte Zulassung, die an die des niedergelassenen Senior-Arztes gebunden ist. Nach fünfjähriger Zusammenarbeit wird der Junior bei der Nachfolgeregelung bevorzugt. Auf diese Weise kann einerseits eine sanfte Praxisübernahme eingeleitet werden, auf der anderen Seite können junge Ärzte früh testen, ob die Selbständigkeit zu ihnen passt.

Medizinisches Versorgungszentrum

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind ärztlich geleitete Einrich­tungen, in denen Ärzte, die in das Arztregister eingetragen sind, als Angestellte oder Vertragsärzte tätig sind. Wie bei der BAG gilt auch für MVZ eine Abrechnungsnummer. Ein MVZ gründen dürfen jedoch nicht nur Vertragsärzte und –zahnärzte sondern auch Krankenhäuser, Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen oder gemeinnützige Träger, die aufgrund von Zulassung beziehungsweise Ermächtigung an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, aber auch Kommunen. Seit 2012 ist es erforderlich, dass der ärztliche Leiter selbst als Vertragsarzt oder Angestellter im MVZ tätig ist. Abhängig von der Rechtsform muss die Geschäftsführung nicht in ärztlicher Hand liegen. Der Betrieb ist mit angestellten und/oder selbständigen Ärzten möglich und ähnlich wie bei der BAG regelt der Gesellschaftervertrag das Innenverhältnis.

Kostenteilung in der Praxisgemeinschaft

Schließen sich Ärzte nicht zur gemeinsamen Behandlung, sondern lediglich zur gemeinschaftlichen Nutzung von Praxisräumen, Personal oder apparativer Einrichtung zusammen, spricht man von einer Praxisgemeinschaft. Bei dieser Form der Kooperation steht die Kostenersparnis im Vordergrund, Behandlungsverträge werden nicht mit der Praxisgemeinschaft geschlossen, sondern mit dem behandelnden Arzt, der auch gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung mit seiner eigenen Abrechnungsnummer abrechnet.