Neue Wege in der Rentenanlage


Vorsichtige Anleger konnten mit Renten jahrelang wenig falsch machen. Doch die Märkte haben sich verändert. Um weiterhin ein attraktives Rendite-Risiko-Profil zu ermöglichen, gehen Manager von Rentenfonds heute oft andere Wege als früher.

Anfang des Jahrtausends freuten sich konservative Anleger noch über stetig hohe Gewinne mit soliden Staatsanleihen. Mit dem anhaltenden historischen Niedrigzinsumfeld sind die Zeiten einfach zu erzielender Erträge im risikoarmen Anlagebereich vorbei. "Wer heute in Renten investieren will, muss andere strategische Wege gehen", sagt Marc Momberg, Manager des rentenlastigen Dachfonds apo Piano der apoAsset, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Staatsanleihen kein Schwerpunkt mehr

Vor zehn Jahren investierte der apo Piano zu rund 70 % in europäische Staatsanleihenfonds, verteilt auf unterschiedliche Laufzeiten. Derzeit umfasst dieses Anlagesegment nur noch rund 30 %. Dazu kommen 40 % in anderen Anleihen-Segmenten, die gezielt im Hinblick auf ihre Diversifikations- und Risikoeigenschaften ausgewählt werden. Daneben wird in kleinem Umfang auch in einige Aktien- und Mischfonds investiert. "Wichtig ist die fortlaufende Überwachung der Zielfonds und der Kapitalmärkte, um auch im jetzigen Umfeld das Rendite-Risikoprofil eines Rentenfonds zu erhalten", so Momberg weiter.

Wandelanleihen mit gutem Rendite-Risiko-Verhältnis

Für die Stabilität des Fonds lohnen im aktuellen Umfeld auch Strategien, die unabhängig von Zinsentwicklungen sind oder im Idealfall sogar von einem Zinsanstieg profitieren. Dazu gehören Wandel-, Schwellenländer- und Versicherungsanleihen. "Das Rendite-Risiko-Verhältnis dieser Papiere ist momentan oft besser als bei vermeintlich stabilen Bundesanleihen - wenn man die Laufzeiten und mögliche Marktszenarien richtig berücksichtigt", sagt Momberg.

Von Kurzläufern profitieren

Manche Fonds wie der apo Vario Zins Plus setzen dagegen gezielt auf Renten mit kurzer Laufzeit von maximal einem Jahr, um möglichst wandlungsfähig zu bleiben. "Vor 10 oder 15 Jahren investierte der Fonds vor allem in staatliche Geldmarktinstrumente mit hoher Bonität. Das ist derzeit aber nicht attraktiv", sagt Angelika Tansley-Becker, Rentenfondsmanagerin der apoAsset. Stattdessen seien heute kurz laufende Unternehmensanleihen gefragt, die es sorgfältig zu streuen gelte.

Ein Beispiel hierfür aus der jüngsten Vergangenheit waren VW-Anleihen. "Durch den Kursverfall nach Bekanntwerden der Dieselaffäre stieg die Rendite auf ein attraktives Niveau", so Tansley-Becker. Durch die kurze Laufzeit und die unverändert hohe Stabilität des Unternehmens blieb das Risiko trotzdem sehr gering.

Neben der Wandlungsfähigkeit sind Kurzläufer darüber hinaus im aktuellen Niedrigzinsumfeld von Vorteil: Wenn die Zinsen nämlich dann doch irgendwann wieder steigen, kann der Fondsmanager schneller in Anleihen mit attraktiverer Rendite wechseln.