Apothekengründung: Frauen holen auf

Düsseldorf, 12.07.2016

Der Anteil der Frauen, die als Unternehmerinnen eine eigene Apotheke betreiben, wird mittelfristig steigen. Diesen Trend deuten die Auswertungen der pharmazeutischen Existenzgründungen der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) an: Auch 2015 waren mit 55 Prozent mehr als die Hälfte der Existenzgründer weiblich.

Unter den Apothekeninhabern sind derzeit Männer in Überzahl, obwohl laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sieben von zehn in den Apotheken arbeitenden Pharmazeuten weiblich sind. Die Analyse der Apothekengründungen in den letzten drei Jahren deutet jedoch darauf hin, dass der Anteil der selbständigen Apothekerinnen langfristig steigt: 2015 waren 55 Prozent der Existenzgründer Frauen - das ist nochmal ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr; 2013 lag der Anteil der Apothekerinnen, die sich für den Schritt in die Selbständigkeit entschieden haben, sogar bei 59 Prozent.

Frauen investieren zurückhaltender, aber mit steigender Tendenz

Ob der Apothekeninhaber männlich oder weiblich ist, macht durchaus einen Unterschied beim Investitionsverhalten: Während Männer für die Übernahme einer Apotheke 2015 im Schnitt 624.000 Euro investierten, waren weibliche Existenzgründer mit 457.000 Euro eher zurückhaltend. Der Blick auf die letzten drei Jahre zeigt allerdings, dass dieser Abstand durch eine steigende Investitionstendenz bei Apothekerinnen kleiner wird. Die durchschnittlichen Volumina, die Männer bei Existenzgründung getätigt haben, blieben dagegen in den letzten Jahren relativ konstant.

Grafik Übernahme als Einzel-/Hausapotheke 2015 - nach Geschlechtern

Männer expandieren öfter, Frauen früher

Das Durchschnittsalter der Pharmazeuten bei der Existenzgründung lag 2015 bei 37,5 Jahren, wobei Apothekerinnen sich mit durchschnittlich 38,1 Jahren später niederließen als ihre männlichen Kollegen (36,8 Jahre). Umgekehrt verhält es sich allerdings, wenn es um die Gründungen von Filialen geht: Die Entscheidung, das Apothekengeschäft zu erweitern, fiel 2015 im Durchschnitt in einem Alter von 43 Jahren. Männliche Apotheker waren hierbei mit 43,2 Jahren etwas älter als ihre weiblichen Kolleginnen (42,6 Jahre). Dabei sind Frauen weniger expansionsfreudig: 2015 wurden 2/3 aller Filialgründungen von Männern durchgeführt.

"Ähnlich wie auch in anderen Heilberufen beobachten wir bei den Apothekerinnen, dass sie sich später niederlassen als ihre männlichen Kollegen", sagt Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte- und -politik bei der apoBank. "Letztendlich spiegelt das aber die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung wider, der zufolge auch die Familiengründung immer später erfolgt. Insgesamt bietet die Selbständigkeit jedoch mehr Gestaltungsfreiraum als eine angestellte Tätigkeit, auch bei der Arbeitszeitgestaltung, beispielsweise um eine eigene Apotheke und Kindererziehung besser zu vereinbaren."

Grafik Filialapotheken: Neugründungen und Übernehmer nach Geschlecht und Alter
Apothekerinnen lassen sich später nieder als ihre männlichen Kollegen. Umgekehrt verhält es sich allerdings bei Filialgründungen: Die Entscheidung, das Apothekengeschäft zu erweitern, fiel 2015 bei den Frauen früher als bei ihren männlichen Kollegen.