Existenzgründung Zahnärzte 2014: Allein beliebter, gemeinsam günstiger

Düsseldorf, 20.08.2015

71 Prozent der Zahnärzte, die sich 2014 niedergelassen haben, gründeten eine Einzelpraxis. Damit bleibt sie die bevorzugte Niederlassungsform. Die günstigste Art der Existenzgründung, war dagegen die Übernahme einer Praxis in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG). Das zeigt die aktuelle Analyse "Existenzgründung Zahnärzte 2014", die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) zusammen mit dem Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) durchgeführt hat.

Existenzgründungsanalyse zeigt: Einzelpraxis bleibt bevorzugte Niederlassungsform

Die Übernahme einer bereits bestehenden Niederlassung als Einzelpraxis ist der häufigste Weg in die Selbständigkeit, 2014 erfolgten 60 Prozent der Existenzgründungen auf diese Weise. Für die Neugründung einer Einzelpraxis entschieden sich 11 Prozent der niederlassungswilligen Zahnärzte. Die verbleibenden 29 Prozent wählten die Kooperationsform der BAG. 

"Im Falle einer Übernahme profitiert der existenzgründende Zahnarzt von dem bereits vorhandenen Patientenstamm und hat zudem die Möglichkeit, einige Investitionen, beispielsweise in neue Gerätschaften, auf einen späteren Zeitpunkt zu verlagern", erklärt Dr. David Klingenberger, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter des IDZ. "Bei einer Neugründung hat er wiederum mehr Freiräume, um seine individuellen Vorstellungen zum Standort oder zur Praxisausstattung umzusetzen."

Unterschiedliche Niederlassungsformen erfordern unterschiedlich hohe Investitionen

Die höchsten Investitionen fallen naturgemäß bei Neugründungen an, vor allem durch die komplett neu zu erwerbende Medizintechnik. Wer sich 2014 dazu entschloss, eine eigene Einzelpraxis aufzubauen, hatte einen durchschnittlichen Investitionsbedarf von 360.000 Euro. Für die Übernahme als Einzelpraxis waren dagegen im Schnitt 265.000 Euro nötig.

Das geringste Investitionsvolumen in 2014 entfiel mit 223.000 Euro auf die Übernahme einer Praxis als BAG. Wer in eine bereits bestehende Praxis eingetreten ist, sei es als weiterer Inhaber oder durch den Kauf von Praxisanteilen eines ausscheidenden BAG-Mitglieds, musste durchschnittlich 251.000 Euro investieren. Haben sich mehrere Zahnärzte zur Neugründung einer BAG entschlossen, fielen pro Kopf im Schnitt 280.000 Euro an.

"Die Zahlen belegen, dass Zahnärztinnen und -ärzte oftmals weniger Investitionsbedarf haben, wenn sie die Selbständigkeit zusammen mit anderen Kollegen angehen", sagt Daniel Zehnich, stellvertretender Leiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. "Eine gemeinsame Niederlassung bietet zudem noch andere Vorzüge, sie ermöglicht beispielsweise ein breiteres Leistungsspektrum oder erleichtert die Familienplanung durch eine bessere Work-Life-Balance."

Das Durchschnittsalter der Existenzgründer steigt weiter

Innerhalb der letzten drei Jahre ist der Anteil der älteren Existenzgründer (über 40 Jahre) um drei Prozentpunkte auf nunmehr 24 Prozent gestiegen. Wer 2014 eine eigene zahnärztliche Praxis eröffnete, war im Schnitt 36,7 Jahre alt. 2012 waren die Gründer durchschnittlich noch ein halbes Jahr jünger gewesen. "Wir beobachten seit Jahren, dass viele Zahnärzte immer länger als Angestellte in einer Praxis mitarbeiten, bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit gehen", kommentiert Zehnich die Fakten.

Jüngere Existenzgründer investitions- und kooperationsfreudiger

Am Beispiel der Übernahme als Einzelpraxis zeigt sich, dass die zahnärztlichen Existenzgründer im Alter bis 30 Jahre mit durchschnittlich 309.000 Euro die höchsten Investitionen tätigten. Die über 40-Jährigen haben mit 212.000 Euro rund ein Drittel weniger ausgegeben.

Eindeutig ist auch die altersbedingte Präferenz für eine bestimmte Praxisform: Während jeder dritte Existenzgründer bis 30 Jahre bereit war, eine Kooperation einzugehen (34 Prozent), waren die älteren Kollegen zurückhaltender: nur 23 Prozent der über 40-Jährigen entschieden sich hier für eine BAG.

Niedrigste Kaufpreise in der Großstadt

Wer 2014 in der Großstadt eine Einzelpraxis durch Übernahme gründete, hatte mit durchschnittlich 248.000 Euro die niedrigsten Investitionen. "Hauptgrund hierfür ist der Kaufpreis, der in Großstädten mit im Schnitt 153.000 Euro am geringsten ausfiel", erläutert Klingenberger. "Dies dürfte unter anderem an der höheren zahnärztlichen Konkurrenzsituation in der Großstadt liegen." Auf dem Land fielen die Praxisinvestitionen mit 267.000 Euro etwas höher aus. Dagegen schlug in mittelgroßen Städten die Existenzgründung mit insgesamt 286.000 Euro am höchsten zu Buche.

Konstante Entwicklung bei Standortwahl

Der Vergleich der letzten drei Jahre zeigt, dass sich die Zahnärzte bei der Wahl ihres Praxisstandortes in 2014 ähnlich wie in den Vorjahren verhalten haben. 43 Prozent der zahnärztlichen Existenzgründer wählten die Großstadt (ab 100.000 Einwohner), fast jeder Dritte (31 Prozent) ging in ländliche Regionen (unter 20.000 Einwohner) und die übrigen 26 Prozent entschieden sich für mittelgroße Städte zwischen 20.000 und unter 100.000 Einwohnern.

Methodik:

Die Datenbasis der "Existenzgründungsanalyse für Zahnärzte 2014" bilden die Existenzgründungsfinanzierungen der apoBank. Diese werden seit 1984 jährlich anonymisiert ausgewertet. Die statistische Auswertung wurde gemeinsam von der apoBank und dem IDZ durchgeführt.