Existenzgründungsanalyse Ärzte 2014: Einzelpraxis ist kein Auslaufmodell

Die apoBank legt ihre Zahlen zum Existenzgründungsverhalten der Ärzte 2014 vor.

Düsseldorf, 28.05.2015

Eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Niederlassungsformen in der ambulanten ärztlichen Versorgung zeigt, dass die Einzelpraxis keineswegs ein Auslaufmodell ist. Sowohl die Mehrheit der Hausärzte (58,7 Prozent) als auch der Fachärzte (57,8 Prozent) bevorzugten 2014 diese Art der Existenzgründung. Die häufigste Kooperationsform sind bereits seit einigen Jahren die Berufsausübungsgemeinschaften (BAG). Im Vorjahr wählten 36,9 Prozent der Hausärzte und 34,1 Prozent der Fachärzte diese Niederlassungsform. Praxisgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren und sonstige Kooperationen spielten mit 4,4 Prozent bei Hausärzten und 8,1 Prozent bei Fachärzten eine untergeordnete Rolle.

Existenzgründungsanalyse zeigt: Die Einzelpraxis ist kein Auslaufmodell

"Kooperationen bleiben jedoch nach wie vor eine attraktive Option für Ärzte, die beispielsweise die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit, eine Erweiterung des angebotenen Leistungsspektrums oder eine sukzessive Praxisübernahme suchen", kommentiert Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. "Es ist denkbar, dass solche größeren Strukturen sich immer mehr durchsetzen, da sie dem ärztlichen Nachwuchs mehr Freiräume und Flexibilität für ihre Lebensentwürfe bieten."

Hausärztemangel bleibt eine Herausforderung

Die hausärztliche Versorgung bleibt weiterhin angespannt, wie schon in den Jahren zuvor folgten auch 2014 nicht genügend Hausärzte nach: Ihr Anteil unter den Existenzgründern lag bei 27,8 Prozent, unter den Vertragsärzten jedoch bei 43,7 Prozent. "Unsere Analyse zeigt, dass es nach wie vor deutlich zu wenig hausärztliche Existenzgründungen gibt, um eine Trendwende herbeizuführen und dem Hausärztemangel zu begegnen", resümiert Heßbrügge. "Letztendlich steht die hausärztliche Versorgung vor einer riesigen Herausforderung. Denn wenn in einem kleinen Ort die Einwohnerzahl schrumpft, das letzte Geschäft schließt und der Bäcker mit einem Lieferwagen vorbeikommt, dann hat auch eine Arztpraxis keine ausreichende wirtschaftliche Grundlage mehr."

Junge Ärzte lassen sich häufiger auf dem Land nieder als ältere

Seit Jahren ziehen junge Menschen vorzugsweise in die Großstadt. Umso überraschender ist, dass der Anteil der Ärzte bis 35 Jahre, die sich 2014 in ländlichen Gebieten niedergelassen haben, doppelt so hoch war als in den Altersgruppen ab 36 Jahren. "Das hat uns dazu veranlasst, die jüngeren ärztlichen Existenzgründer einmal genauer zu betrachten", erläutert Heßbrügge. "Ob ein Standort attraktiv ist, dafür sind vor allem die öffentliche Infrastruktur sowie Arbeits- und Lebensbedingungen ausschlaggebend. Und wenn das Konzept dann auch noch stimmt, scheut die nachfolgende Ärzte-Generation die Niederlassung auf dem Land nicht."

Junge Existenzgründer häufiger auf dem Land als ältere

Unterschiedliche Investitionsvolumina

Hausärzte:

Bei einer Einzelpraxis haben Hausärzte 2014 für die Neugründung durchschnittlich 112.000 Euro investiert, eine Übernahme lag mit 115.000 Euro knapp darüber. Bei einem Einstieg in eine BAG werden Anteile eines ausscheidenden Partners übernommen. Sie erforderte Investitionen in Höhe von durchschnittlich 108.000 Euro. Für die Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG fielen durchschnittlich 107.000 Euro an. Eine komplette Übernahme einer BAG durch mehrere Ärzte erwies sich mit 99.000 Euro Gesamtinvestitionsvolumen als die günstigste Niederlassungsart. Die durchschnittlich höchsten Investitionen mit 140.000 Euro wurden getätigt, wenn ein bisher angestellter Arzt zusätzlich in eine schon bestehende BAG eintrat.

Fachärzte:

Die Investitionshöhe ist je nach Facharztrichtung sehr unterschiedlich. Das durchschnittliche Investitionsvolumen der Gynäkologen über alle Niederlassungsformen hinweg betrug beispielsweise 176.000 Euro. Dabei erforderte bei einer Einzelpraxis die Übernahme mit 197.000 Euro die im Schnitt höchsten Investitionen, während sie bei einer Neugründung mit 142.000 Euro am geringsten waren. Zum Vergleich betrug das durchschnittliche Investitionsvolumen bei Orthopäden 303.000 Euro. Für die Einzelpraxisübernahme wurden hier im Schnitt 315.000 Euro aufgewendet, die geringsten Investitionen von 267.000 Euro waren bei der Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG nötig.

Trend zur Feminisierung bei Fachärzten

Der Anteil der weiblichen Existenzgründer nimmt zu: Innerhalb der letzten drei Jahre ist der Frauenanteil von 50,4 Prozent auf 53,6 Prozent gestiegen. Dabei ist der Trend zur Feminisierung vor allem bei Fachärzten zu beobachten: Hier nahm der Anteil der Existenzgründerinnen im gleichen Zeitraum von 49,9 Prozent auf 54,2 Prozent zu. Bei Hausärzten hat er sich dagegen kaum verändert und schwankte zwischen 51,2 und 51,9 Prozent.

Großstadt verliert

Insgesamt entfielen 46,2 Prozent aller ärztlichen Existenzgründungen auf Großstädte (ab 100.000 Einwohnern), Tendenz fallend. 2012 waren es noch 49,1 Prozent. Verschiebungen fanden zugunsten von Klein- und Mittelstädten (zwischen 5.000 und 100.000 Einwohnern) statt. Mit 4,5 Prozent aller ärztlichen Existenzgründer blieb die Entwicklung auf dem Land in den letzten drei Jahren relativ konstant.

Die Existenzgründer werden älter

Ärzte entscheiden sich immer später für die Niederlassung. Das Durchschnittsalter ist seit 2012 von 41,6 auf 42,2 Jahre gestiegen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist nur geringfügig: 2014 gründeten Frauen im Schnitt mit 42,4 Jahren und Männer mit 42,0 Jahren eine eigene Praxis.

Methodik:

Die Datenbasis der Existenzgründungsanalyse für Ärzte 2014 bilden die von der apoBank durchgeführten Finanzierungen ärztlicher Existenzgründungen in den Jahren 2013/2014.
Diese werden seit 1984 erfasst, anonymisiert und gemeinsam von der apoBank und dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) ausgewertet.