apoBank-Analyse Apothekengründung 2015

Verbünde werden immer attraktiver

Düsseldorf, 10.05.2016

  • Jede fünfte Übernahme erfolgt inzwischen im Apothekenverbund
  • Trend zu Filialapotheken hält an
  • Übernahmepreise steigen moderat

Immer mehr Apotheker entscheiden sich bei dem Schritt in die Selbständigkeit für die Übernahme eines Apothekenverbunds - das zeigt die jüngste Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank). Im Jahr 2015 wurde jede fünfte Apothekenübernahme in einem Verbund abgegeben beziehungsweise übernommen. Im Jahr davor war es noch jede sechste.

Auch der Trend zu Filialapotheken hält weiter an: Der Anteil der Apotheken, die als Filialen übernommen wurden, lag 2015 bei 29 Prozent und nahm gegenüber den Vorjahren deutlich zu. Addiert man die fünf Prozent Neugründungen dazu, machen Filialen insgesamt ein gutes Drittel aller finanzierten Apothekengründungen aus.

"Wir haben inzwischen vom kleinen bis zum mittelständischen Unternehmen eine große Bandbreite unter den Existenzgründungen, und für jeden Unternehmertyp ist etwas dabei", sagt Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik der apoBank. "Dennoch stellt nach wie vor die Übernahme von einer einzelnen Apotheke die deutliche Mehrheit der von uns begleiteten Finanzierungen dar." Mit 55 Prozent bleibt die Übernahme als Einzel- beziehungsweise Hauptapotheke nach wie vor die klassische Form der pharmazeutischen Existenzgründung.

 

Grafik Apothekengründung 2015 - Apothekenverbünde
apoBank Analyse Apothekengründung 2015

Anstieg der Übernahmepreise verlangsamt

Ein Blick auf die letzten zwei Jahre zeigt, dass der Anstieg der Übernahmepreise in 2015 mit drei Prozent moderater ausfiel als im Vorjahr. Für die Übernahme einer Apotheke als Einzel- bzw. Hauptapotheke zahlte der Existenzgründer 2015 durchschnittlich 403.000 Euro. Weitere nötige Aufwendungen inbegriffen, wie etwa für das Warenlager sowie Modernisierung, Geschäftsausstattung oder EDV, investierte der Übernehmer insgesamt im Schnitt 531.000 Euro.

Neugründungen von Apotheken sind grundsätzlich günstiger als Übernahmen, kommen jedoch mit lediglich acht Prozent der ausgewerteten Apotheken nur noch selten vor. Die Gesamtinvestitionen für eine Einzel- oder Filialapotheke inklusive Warenlager betrugen 2015 im Durchschnitt 430.000 Euro und lagen damit etwa auf Vorjahresniveau.

Investitionen in Apothekenverbund bei über einer Million Euro

Zum ersten Mal wurde im Zuge der apoBank-Analyse auch der durchschnittliche Preis für die übernommenen Apothekenverbünde ermittelt. Dieser lag für die Verbundgröße (im Schnitt 2,2 Apotheken) bei 837.000 Euro. Inklusive der zu übernehmenden Warenlager und weiteren Investitionen ergab sich eine Gesamtsumme von 1.046.000 Euro. "Trotz der hohen Investitionen, die solch ein Verbund mit sich bringt, ist ein Teil des pharmazeutischen Nachwuchses bereit, in Apothekenverbünde zu investieren", sagt Heßbrügge. "Diese Einheiten sind meistens gut organisiert und aufeinander abgestimmt, daher durchaus attraktiv als Komplettübernahme."

Aber auch für die bereits niedergelassenen Apotheker, die expandieren wollen, ist der Zukauf eines Verbundes eine Chance, sich im örtlichen Apothekenmarkt stärker aufzustellen. Das ist ebenso möglich durch Erwerb einer Apotheke, um diese als Filialapotheke zu betreiben. 2015 lag der durchschnittliche Übernahmepreis in diesem Fall bei 321.000 Euro, und damit gut 13 Prozent über dem Vorjahr. Das Gesamtinvestitionsvolumen erhöhte sich von 417.000 Euro auf 436.000 Euro.

Mehr Bewegung in der Großstadt

Eine nennenswerte Verschiebung zeigt die Auswertung nach Apothekenlage. Diese macht deutlich, dass der Anteil der Apothekengründungen 2015 in den Großstädten auf 40 Prozent gestiegen ist. Verglichen mit den Vorjahren blieb das Niederlassungsverhalten auf dem Land und in der Kleinstadt relativ konstant. Lediglich in den Mittelstädten (20.000 bis100.000 Einwohner) ging die Quote 2015 um 10 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 24 Prozent zurück.

"Ob auf dem Land oder in der Stadt, unsere Existenzgründungsanalyse deutet derzeit darauf hin, dass die flächendeckende pharmazeutische Versorgung erhalten bleibt", resümiert Heßbrügge. "Und für die nachrückende Generation gibt es für die selbständige Berufsausübung unterschiedliche Varianten, die den Erwartungen der jungen Pharmazeuten gerecht werden."

Grafik 'Großstadt gewinnt an Attraktivität'
apoBank-Analyse Apothekengründung 2015

Methodik:

Die Datenbasis dieser Analyse bilden die von der apoBank durchgeführten und auswertbaren Finanzierungen von Apothekengründungen im Jahr 2015. Die Daten werden anonymisiert von der apoBank ausgewertet.