Hausärzte auf dem Land: Existenzgründungen im Aufwind - Versorgungssituation weiter angespannt

Düsseldorf, 21.10.2014

Der Anteil der Existenzgründungen in ländlichen Regionen hat sich innerhalb von zwei Jahren annähernd verdoppelt. Dennoch bleibt die Versorgungssituation auf dem Land angespannt. Das geht aus der Existenzgründungsanalyse für Hausärzte hervor, die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) gemeinsam mit dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) durchgeführt hat. Auch der Anteil der Hausärzte, die sich in einer Einzelpraxis niederlassen, steigt kontinuierlich an.

Aufhebung der Residenzpflicht gibt Aufwind

Eine Existenzgründung auf dem Land ziehen wieder mehr Hausärzte in Betracht: 2012/2013 ließ sich mehr als jeder Zehnte (11,5 Prozent) in einer Region mit weniger als 5.000 Einwohnern nieder. Damit hat sich der Wert seit 2010/2011 nahezu verdoppelt. "Die Zahlen zeigen, dass die Politik mit der Aufhebung der Residenzpflicht 2012 einen Schritt in die richtige Richtung unternommen hat", erklärt Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. "In der Regel stehen Landpraxen wirtschaftlich gut dar. Die neue Regelung hat - neben weiteren Faktoren - dazu geführt, dass sie nun auch eine echte Option für Existenzgründer sind."

Dessen ungeachtet bleibt die Versorgungssituation in ländlichen Regionen problematisch. Denn nach wie vor lassen sich insgesamt zu wenige Hausärzte nieder. So liegt ihr Anteil unter den Existenzgründern bei 26,6 Prozent, unter den Vertragsärzten jedoch bei 44,2 Prozent.

Einzelpraxis als Kooperationsmodell

Auch die Einzelpraxis erfährt neuen Zuspruch. Hierfür entscheidet sich mittlerweile wieder deutlich mehr als jeder zweite Existenzgründer (57,9 Prozent). Dennoch bedeutet dies keine Abkehr vom Trend zur Kooperation, wie Heßbrügge betont: "Viele Hausärzte in Einzelpraxis planen, mittelfristig einen Kollegen anzustellen. Auch hier wird also eine Art der Kooperation angestrebt."

Eine klassische Kooperation gehen 42,1 Prozent der Existenzgründer ein. Unter den Vertragsärzten liegt dieser Anteil bei 40,5 Prozent. Es sei davon auszugehen, so Heßbrügge, dass damit der Sättigungsgrad erreicht sei. Am häufigsten entscheiden sich Hausärzte für eine Kooperation in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) (34,8 Prozent). Praxisgemeinschaften, Medizinische Versorgungszentren und sonstige Kooperationen spielen mit 7,3 Prozent eine eher untergeordnete Rolle.

Durchschnittliches Investitionsvolumen liegt bei 109.000 Euro

Die Investitionen für eine hausärztliche Praxis bewegen sich je nach Praxisart zwischen 92.000 und 115.000 Euro. Das durchschnittliche Investitionsvolumen beträgt 109.000 Euro. Die höchsten Investitionen fallen mit 115.000 Euro für die Übernahme einer Einzelpraxis an. 67 Prozent der Investitionen (77.000 Euro) entfallen auf den Übernahmepreis und werden an den Praxisabgeber gezahlt.

Wer als zusätzlicher Partner einer bestehenden BAG beitritt, muss 112.000 Euro einkalkulieren. Hausärzte, die die Anteile eines ausscheidenden Partners an einer BAG übernehmen, investieren durchschnittlich 104.000 Euro. Wer zusammen mit einem bereits niedergelassenen Arzt eine BAG gründet, wendet 103.000 Euro auf, wer eine BAG übernimmt 99.000 Euro.

Die Neugründung einer Einzelpraxis ist mit 92.000 Euro die am wenigsten investitionsintensive Form der Existenzgründung.

Männer besonders investitionsfreudig

Männer investieren deutlich offensiver als Frauen. Das durchschnittliche Volumen liegt bei 123.000 Euro. Das sind 29,5 Prozent mehr als Hausärztinnen einplanen.

Auch das Alter beeinflusst das Investitionsverhalten. So wenden Existenzgründer, die 40 Jahre und jünger sind, im Schnitt 118.000 Euro auf. Hausärzte, die zwischen 41 und 45 Jahren alt sind, investieren 106.000 Euro; die Altersgruppe 45+ 98.000 Euro.

Nach Praxislage betrachtet, sind Existenzgründungen in mittelgroßen Städten besonders investitionsintensiv (114.000 Euro). Es folgen großstädtische Lagen (108.000 Euro), ländliche Gebiete (107.000 Euro) und kleinstädtische Lagen (106.000 Euro).

Niederlassung erfolgt zunehmend später

Der Großteil der Hausärzte macht sich bis zum 41. Lebensjahr selbständig (42 Prozent). Etwas mehr als jeder Vierte entscheidet sich zwischen 41 und 45 Jahren für den Schritt in die Selbständigkeit (27,7 Prozent). Etwa jeder dritte Existenzgründer ist älter als 45 Jahre (30,3 Prozent). Das Durchschnittsalter beträgt 42 Jahre.

Der Frauenanteil unter den Existenzgründern beläuft sich auf 51,2 Prozent.

Methodik:

Die Datenbasis der "Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2013" bilden 610 Existenzgründungsfinanzierungen, die die apoBank im Zeitraum 2012/2013 begleitet hat. Die statistische Auswertung wird seit 1984 jährlich gemeinsam von der apoBank und dem ZI durchgeführt.