Vorbehalte gegen die Selbständigkeit oft unbegründet

apoBank-Studie: Chance Niederlassung

Düsseldorf, 03.06.2014

90 Prozent der Selbständigen stehen hinter ihrer Entscheidung für die Niederlassung und würden diese noch einmal so treffen. Das belegt die Studie "Chance Niederlassung", die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) unter angestellten und selbständigen Apothekern, Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten durchgeführt hat. Vorbehalte gegen die Selbständigkeit stellen sich im Nachhinein oft als weniger gravierend heraus als angenommen.

Gründe für die Selbständigkeit

Befragt nach den Faktoren, die ihre Entscheidung für die Selbständigkeit maßgeblich beeinflusst haben, nannten 90 Prozent der Studienteilnehmer die Gestaltungsmöglichkeiten, gefolgt von Selbstverwirklichung (83 Prozent), Arbeitszeitgestaltung (72 Prozent) und der Einkommenssituation (66 Prozent). Auch das Aufgabenspektrum (65 Prozent) und die Aussicht auf ein enges Verhältnis zum Patienten (64 Prozent) beeinflussten die Entscheidung zugunsten der Selbständigkeit. "Die Studie zeigt, dass die Selbständigkeit viel Potenzial bietet. Sie ist finanziell attraktiv und gibt Raum, sich frei zu entfalten", kommentiert Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik der apoBank, die Ergebnisse.

Auch angestellte Heilberufler sehen Vorteile in der Selbständigkeit und untermauern die Einschätzung der Selbständigen: Sie schreiben der Selbständigkeit mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade (79 Prozent) zu. Auch die Einkommenssituation (66 Prozent) sowie die Arbeitszeitgestaltung (45 Prozent) sprechen in ihren Augen für die Selbständigkeit.

Dennoch entscheiden sich seit 2007/2008 immer weniger Heilberufler für den Schritt in die Selbständigkeit. Warum dem so ist, hat die apoBank-Studie ebenfalls untersucht.

Vorbehalte gegen die Selbständigkeit

Für sieben von zehn Angestellten waren die Aussicht auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Arbeitszeit wesentliche Argumente pro Angestelltentätigkeit. Knapp zwei Drittel schätzen die Zusammenarbeit im Team.

Gegen die Selbständigkeit sprachen zum Zeitpunkt der Entscheidung vor allem das finanzielle Risiko (76 Prozent), die Arbeitsbelastung (63 Prozent), die Bürokratie (54 Prozent) und die unternehmerischen Aspekte der Selbständigkeit (46 Prozent). Knapp jeder Vierte gab an, keine geeignete Praxis oder Apotheke gefunden zu haben.

Die Studie belegt zudem, dass diese Vorbehalte entscheidungsrelevant sind. Denn nur bei einem geringeren finanziellen Risiko (77 Prozent), weniger Bürokratie (70 Prozent), einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie (56 Prozent) sowie einer besseren Vorbereitung auf die unternehmerischen Aspekte der Selbständigkeit (54 Prozent) würden sich die Angestellten - stünden sie noch einmal vor der Wahl - für die Selbständigkeit entscheiden.

"Die Ergebnisse sind alarmierend", so Heßbrügge. "Sie zeigen, dass wichtige Fakten keinen Eingang in den Entscheidungsprozess finden bzw. nicht hinreichend bekannt sind." So ermöglichen etwa Kooperationen die oft geforderte Work-Life-Balance. Auch die zum Teil hohen Investitionen für eine Existenzgründung bedeuten nicht automatisch ein hohes Risiko. Das zeigen Auswertungen der apoBank: Demnach können 998 von 1.000 apoBank-Existenzgründungsfinanzierungen problemlos bedient werden. Mit einer vorausschauenden Planung seien die Existenzgründungsinvestitionen beherrschbar und die wirtschaftlichen Ziele erreichbar, so Heßbrügge. "Dieses Wissen müssen wir an die Heilberufler herantragen. Nur so können wir die Vorbehalte abbauen und wieder mehr Heilberufler für die Selbständigkeit begeistern."

Herausforderungen oft weniger gravierend als angenommen

Auch die Studienergebnisse belegen, dass viele Punkte weniger kritisch sind als zunächst gedacht: Wurde die Finanzierung von 33 Prozent der Apotheker und 30 Prozent der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte im Vorfeld als sehr große bis große Hürde wahrgenommen, waren es im Nachhinein nur noch 15 bzw. 13 Prozent. Ähnlich verhielt es sich mit der Suche nach der passenden Praxis oder Apotheke sowie dem Thema Abrechnung.

Unterstützungsbedarf nach Existenzgründung

In einzelnen Aufgabenfeldern besteht in der Tat auch nach dem Schritt in die Selbständigkeit Beratungsbedarf. Etwa, wenn es darum geht, Transparenz über die wirtschaftliche Situation der Praxis herzustellen. Hier hätte sich rund jeder Zweite mehr Unterstützung gewünscht. Etwa vier von zehn Befragten hätten ein Jahr nach der Existenzgründung mehr Hilfestellung rund um die Themen Mitarbeiterführung, Abrechnung und Zeitmanagement benötigt. Im Bereich Patientengewinnung hätten sich 29 Prozent kompetente Begleitung gewünscht. Es folgen Apothekenführung (28 Prozent), Praxisführung (27 Prozent) sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie (23 Prozent). Jeder Zehnte gab an, keine Unterstützung benötigt zu haben.

"Es wird deutlich, dass die Heilberufler sowohl im Entscheidungsprozess als auch danach mehr Begleitung benötigen", erklärt Heßbrügge. "Gemeinsam mit den Standesorganisationen haben wir uns darauf verständigt, dass wir unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote noch besser miteinander verzahnen und aktiv an die Heilberufler herantragen."

Methodik

Mit der Durchführung der Studie "Chance Niederlassung" hat die apoBank das Marktforschungsinstitut DocCheck Research beauftragt. Befragt wurden 414 angestellte und selbständige Apotheker, Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, die sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre für oder gegen die Niederlassung entschieden haben. Die Befragung wurde vom 12. März bis 10. April 2014 online und mittels einer randomisierten Stichprobenziehung aus dem Ärzte- und Apothekerpanel von DocCheck Research durchgeführt.

Aktualisiert am 06.06.2014