Fachärzte: Kooperationslust bei Existenzgründern ungebrochen

Düsseldorf, 30.04.2014

Immer mehr Fachärzte starten ihre freiberufliche Tätigkeit in einer Kooperation. Am meisten interessiert an einer gemeinsamen Berufsausübung sind Anästhesisten, Neurologen und Orthopäden. Dies zeigt die Existenzgründungsanalyse für Fachärzte 2012 der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank).

Kooperationen in städtischen Regionen beliebt

Bundesweit ist das Verhältnis von Niederlassungen in Einzelpraxis und Kooperationen nahezu ausgewogen. Unterschiede zeigen sich aber bei einer differenzierten Betrachtung von Ost- und Westdeutschland. So dominiert im Osten mit 67,8 Prozent die Einzelpraxis. Im Westen liegt sie mit 47,8 Prozent knapp hinter der Kooperation. "Der Osten ist eher ländlich geprägt. Deshalb funktioniert hier das Konstrukt der Einzelpraxis oft besser. Die Anzahl potenzieller Patienten im Einzugsgebiet der Praxis ist für eine Kooperation oft zu gering", so Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. Die Kooperation ist hingegen ein Modell, das in städtischen Gebieten mehr und mehr Einzug hält.

Kooperationslust bei Anästhesisten am höchsten

Am kooperationsfreudigsten zeigten sich Anästhesisten (77,6 Prozent), Neurologen (70,5 Prozent), Orthopäden (70,4 Prozent), Internisten (69,1 Prozent), Augenärzte (69 Prozent) und Chirurgen (68,5 Prozent). "Insbesondere für geräteintensive Fachgruppen und Fachärzte mit hohem Bedarf an fachlichem Austausch ist die Kooperation ein attraktives Modell", erklärt Heßbrügge, warum sich die Existenzgründer mehrheitlich dafür entscheiden.

Zuwachs an Berufsausübungsgemeinschaften in fast allen Fachgruppen

"Bei Neurologen erleben wir derzeit einen Kooperationsboom", so Heßbrügge. Hier gebe es einen signifikanten Aufholbedarf, da die Kooperationsquote unter den bereits niedergelassenen Neurologen vergleichsweise gering ausfalle. So sind 29,2 Prozent der niedergelassenen Neurologen in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) – unter den Existenzgründern lag der Anteil jedoch bei 57,4 Prozent (+28,2 Prozentpunkte). Große Abweichungen gab ebenfalls bei Chirurgen (+19,5 Prozentpunkte) und Augenärzten (+14,3 Prozentpunkte). Leichte Rückgänge waren bei HNO-Ärzten
(- 9,3 Prozentpunkte) und Urologen (-3,9 Prozentpunkte) zu verzeichnen.

Demografie

Im Westen ließ sich mehr als jeder zweite Existenzgründer in einer Großstadt nieder (55,9 Prozent); im Osten war es etwas mehr als jeder dritte (36,5 Prozent). Eine Stadt mittlerer Größe wählten im Westen 28,7 Prozent, im Osten 36,9 Prozent. Für die Kleinstadt entschieden sich 13,6 Prozent im Westen und 21,2 Prozent im Osten. Eine Praxis auf dem Land wählten 1,8 Prozent der Existenzgründer in den alten Bundesländern und 5,5 Prozent in den neuen.

Auf Bundesebene war das Verhältnis von Männer und Frauen nahezu ausgeglichen. Jedoch gab es deutliche regionale Unterschiede. So belief sich der Frauenanteil im Osten auf 61,7 Prozent. Im Westen lag er nur bei 46,7 Prozent. Das Durchschnittsalter der Existenzgründer lag bei 41,5 Jahren.

Ausgewählte Investitionsvolumina

Neben dem Gründungsverhalten gibt die Existenzgründungsanalyse von apoBank und dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) auch Aufschluss über Investitionsvolumina ausgewählter Facharztgruppen.

Orthopäden

Für die Übernahme einer Einzelpraxis mussten Orthopäden in Westdeutschland 354.000 Euro investieren. Davon entfielen 77,4 Prozent auf den Übernahmepreis (274.000 Euro). Die Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG schlug mit 223.000 Euro je Arzt zu Buche. Davon wurden 86,5 Prozent an den Praxisabgeber gezahlt (193.000 Euro). Für den Einstieg in eine BAG mussten Existenzgründer 300.000 Euro einkalkulieren. Darin enthalten war ein durchschnittlicher Übernahmepreis von 277.000 Euro.

Gynäkologen

2012 investierten Gynäkologen für die Übernahme einer Einzelpraxis im Westen durchschnittlich 195.000 Euro. Im Osten lag das Investitionsvolumen bei 146.000 Euro. Der Übernahmepreis belief sich auf 137.000 bzw. 89.000 Euro. Die Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG schlug im Westen mit 160.000 Euro zu Buche, der Einstieg in eine BAG mit 184.000 Euro. Die Praxisabgeber konnten hierbei einen durchschnittlichen Erlös von 115.000 bzw. 161.000 Euro erzielen.

Psychotherapeuten

Für eine Einzelpraxis-Neugründung im Westen mussten Psychotherapeuten 2012 im Schnitt 40.000 Euro einkalkulieren. Im Osten lag das Investitionsvolumen bei 25.000 Euro. Die Einzelpraxisübernahme belief sich im Westen auf 44.000 Euro, im Osten auf 47.000 Euro. Der Großteil entfiel auf den Übernahmepreis. Dieser lag im Westen durchschnittlich bei 33.000 Euro, im Osten bei 32.000 Euro.

Methodik

Die Datenbasis der Existenzgründungsanalyse für Fachärzte 2012 bilden die von der apoBank durchgeführten und auswertbaren Finanzierungen fachärztlicher Existenzgründungen in den Jahren 2011/2012. Diese werden seit 1984 erfasst und anonymisiert ausgewertet. Die statistische Auswertung wurde gemeinsam von der apoBank und dem ZI durchgeführt.