Hausärztemangel: Keine Tendenz zur Besserung

Düsseldorf, 20.01.2014

Keine Besserung in Sicht in puncto Hausärztemangel, so lautet das Fazit der Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2012, die die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) vorgelegt haben.

Denn obwohl Hausärzte mehr als 40 Prozent der niedergelassenen Vertragsärzte ausmachen, liegt ihr Anteil bei den Existenzgründungen nur bei 25,6 Prozent im Westen und 33,6 Prozent im Osten. "Sollte sich in den kommenden Jahren keine deutliche Trendwende einstellen, werden immer mehr Hausarztpraxen geschlossen werden", warnt Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank.

Quelle: Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2012, apoBank und ZI

Neugründungen tragen nicht zur Entspannung der Situation im Osten bei

Obwohl im Osten fast jede fünfte Praxis als Einzelpraxis neu gegründet wurde, im Westen war es jede zwanzigste, erhöht sich die Zahl der Hausärzte dadurch nicht. Dies legt nahe, dass es vor allem in strukturschwachen Gebieten für viele Existenzgründer attraktiver ist, eine Einzelpraxis neu zu gründen, als eine Bestandspraxis zu übernehmen. Negative Folgen habe dies für die Abgeber, so Heßbrügge. Denn finden sie keinen Nachfolger, erzielen sie auch keinen Veräußerungserlös.

Trotz des Nachwuchsproblems sind die Rahmenbedingungen für niedergelassene Hausärzte besser als weitläufig angenommen: Neben einer soliden Einkommenssituation sind die Investitionen für eine Niederlassung moderat und mit flexiblen Arbeitsmodellen lassen sich auch Beruf und Familie in Einklang bringen.

Kooperationen bieten Möglichkeit zur flexiblen Berufsausübung

So zeigt die Analyse, dass sich bundesweit 46,2 Prozent der Existenzgründer für eine Kooperation entschieden. Ausschlaggebend sind in diesem Zusammenhang insbesondere eine bessere Work-Life-Balance, der fachliche Austausch mit Kollegen sowie Kostenersparnisse.

Deutliche Unterschiede traten jedoch zwischen Ost- und Westdeutschland zu Tage: Während sich im Westen 53,0 Prozent für die Kooperation entschieden, waren es im Osten nur 20,2 Prozent. Dies hat strukturelle Ursachen: Da große Teile Ostdeutschlands ländlich geprägt sind, ist die Patientendichte hier in vielen Regionen nicht groß genug, als dass Kooperationen wirtschaftlich attraktiv wären.

Quelle: Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2012, apoBank und ZI

Moderate Investitionsvolumen mindern finanzielles Risiko

Auch die Investitionsvolumina für eine hausärztliche Praxis blieben 2011/2012 moderat. Je nach Art der Niederlassung mussten die Gründer zwischen 86.000 und 129.000 Euro einkalkulieren. "Das ist eine Summe, die unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit gut gestemmt werden kann", so Heßbrügge. Bei einem Investitionsvolumen von 100.000 Euro könne man diese Summe bei einem angenommenen Zinssatz von drei Prozent und einer monatlichen Rate von 1.000 Euro in weniger als zehn Jahren zurückführen.

Deutliche Gefälle zwischen Ost und West

Das höchste Investitionsvolumen fiel im Westen mit 129.000 Euro für die Übernahme einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) an. Es folgten die Einzelpraxisübernahme mit 125.000 Euro und die Neugründung einer Einzelpraxis mit 116.000 Euro. Hausärzte, die den Sitz eines Arztes in einer bestehenden BAG übernommen haben, mussten 114.000 Euro einkalkulieren. Die Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG schlug mit 106.000 Euro pro Arzt zu Buche. Wer als zusätzlicher Hausarzt einer bereits bestehenden BAG beigetreten ist, musste 103.000 Euro einplanen.

Im Osten fielen die Investitionsvolumina um 20 bis 30 Prozent geringer aus als im Westen. So mussten Hausärzte für die Neugründung einer Einzelpraxis 92.000 Euro einplanen. Die Übernahme einer Einzelpraxis schlug mit 86.000 Euro zu Buche. "Die Konkurrenzsituation ist in den neuen Bundesländern weniger stark ausgeprägt, was deutlich geringere Übernahmepreise nach sich zieht", erläutert Heßbrügge.

Standortwahl spiegelt Strukturunterschiede wider

Insgesamt wurden im Osten 17,8 Prozent der Praxen auf dem Land gegründet. Im Westen waren es 8,6 Prozent. Bei Klein- und Mittelstädten ergaben sich nur geringfügige Abweichungen (West: 51,2 Prozent, Ost: 49,6 Prozent). Der Anteil der Großstadtpraxen lag im Westen bei 40,2 Prozent, im Osten bei 32,6 Prozent.

Das Durchschnittsalter der Existenzgründer lag 2011/2012 bei 42 Jahren. Der Frauenanteil belief sich auf 51,7 Prozent. Jedoch gab es auch hier deutliche Unterschiede zwischen Ost und West: Im Osten lag der Frauenanteil bei 57,6 Prozent. Im Westen bei 50,2 Prozent.

Methodik

Die Datenbasis der Existenzgründungsanalyse für Hausärzte 2012 bilden die von der apoBank durchgeführten und auswertbaren Finanzierungen ärztlicher Existenzgründungen in den Jahren 2011/2012. Diese werden seit 1984 erfasst und anonymisiert ausgewertet. Die statistische Auswertung wurde gemeinsam von der apoBank und dem ZI durchgeführt.