apoBank kehrt in die Gewinnzone zurück

Düsseldorf, 11.04.2011

  • Jahresüberschuss in Höhe von 53,4 Mio. Euro erlaubt 4 % Dividende
  • Operatives Ergebnis wächst um 7 % auf 341,0 Mio. Euro
  • Belastungen aus Finanzinstrumenteportfolio deutlich reduziert
  • Für 2011 Fortsetzung der positiven Entwicklung im Kerngeschäft geplant

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat heute die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2010 veröffentlicht. Dank ihrer operativen Ertragskraft hat die apoBank im vergangenen Geschäftsjahr einen Jahresüberschuss in Höhe von 53,4 Mio. Euro (2009: -283,1 Mio. Euro) erwirtschaftet. Dies ermöglicht ihr, den rund 100.000 Mitgliedern vorbehaltlich der Zustimmung der Vertreterversammlung eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 4 % auszuzahlen. Darüber hinaus kann die Bank im Zuge der Dotierung der Ergebnisrücklagen ihre Kapitalbasis stärken. Ebenfalls kapitalstärkend wirkt eine Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 40,0 Mio. Euro.

Herbert Pfennig, Sprecher des Vorstands der apoBank: "Wir haben gute Nachrichten für unsere Mitglieder. Denn wir haben unser vorrangiges Ziel der Dividendenfähigkeit erreicht. Den Grundstein für diesen Erfolg bilden die Ergebnisse in unserem Kerngeschäft. Hier haben wir trotz vielfältiger Herausforderungen im letzten Jahr ordentliche Zuwächse erzielt. Darüber hinaus zeigen über 14.000 neue Kunden, dass wir über eine starke Position im Gesundheitswesen verfügen. Und schließlich konnten wir auch die Belastungen aus unseren Finanzinstrumenten deutlich reduzieren."

Im Jahr 2010 hat die apoBank somit erfolgreich die Ende 2009 beschlossene Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und den Abbau ihrer strukturierten Finanzprodukte voran­zutreiben, umgesetzt. Als Teil dieser Strategie hat sich die apoBank im vergangenen Jahr von Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts getrennt. So wurde beispielsweise entschieden, dass die gesamten IT-Aktivitäten an den Verbunddienstleister GAD ausgelagert werden. Gleichzeitig hat die Bank in den Ausbau und die Stärkung des Kerngeschäfts investiert.

"Wir werden diesen eingeschlagenen Kurs im Jahr 2011 beibehalten, so dass wir davon ausgehen, auch im laufenden Jahr trotz der deutlichen Mehraufwendungen für unsere IT-Migration von der Stärke unseres Geschäfts zu profitieren und eine Dividende ausschütten zu können", so Pfennig weiter.

Die strategische Ausrichtung der Bank richtet sich auch im Jahr 2011 unverändert auf die wirtschaftliche Förderung der Heilberufler und ihrer Organisationen. Um ihre Marktposition zu festigen und um auf die sich ändernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen zu reagieren, wird die Bank hierzu die strategischen Weichen stellen. Dazu gehören im Wesentlichen:

  • Ausbau der Geschäftsaktivitäten bei angestellten Heilberuflern und Studenten der Heilberufe durch eigens spezialisierte Berater
  • Ausbau des Geschäfts mit ambulanten Versorgungsstrukturen sowie die Etablierung eines noch bedarfsgerechteren Beratungsansatzes; dabei stehen solche Versorgungs­strukturen im Vordergrund, die von Heilberuflern getragen werden, um die Freiberuflichkeit zu fördern
  • Investition in das Anlagegeschäft mit Privatkunden zur stärkeren Positionierung als ganzheitlicher Finanzdienstleister

Abseits des operativen Geschäfts war das Jahr 2010 auch von den Licon-Ereignissen geprägt: Im Herbst 2010 hatte die Bank Anlass zu der Vermutung, dass sich einzelne Mitarbeiter unerlaubt persönliche Vorteile verschafft haben. Aufsichtsrat und Vorstand haben daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, um mögliches Fehlverhalten aufzudecken und Verbesserungsbedarf hinsichtlich der internen Prozesse zu identifizieren. Im Rahmen des eingeleiteten Sofortprogramms wurden mit umfangreichen Organisationsmaßnahmen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich derartige Vorkommnisse nicht wiederholen. In diesem Zuge hat die apoBank Anfang dieses Jahres zwei wesentliche organisatorische Änderungen vorgenommen:

  • Die Vertriebsstruktur wurde neu geordnet, wodurch eine engere Anbindung des Filialnetzes an den Vorstand und eine Verteilung der Verantwortung auf der zweiten Führungsebene auf mehrere Personen erreicht wird
  • Zudem wurden aufgrund schon zu Jahresbeginn eingeleiteter Maßnahmen die Compliance-Funktionen, insbesondere auf den Gebieten der Betrugs- und Korruptions­bekämpfung, gestärkt und mit strengen Vorgaben bezüglich der Annahme oder Gewährung von Zuwendungen unterlegt

Herbert Pfennig: "Die Geschehnisse rund um Licon/Medicon betreffen aus heutiger Sicht erfreulicherweise einen kleineren Kreis von Personen als zunächst befürchtet. Wir haben aus den Vorfällen unsere Schlüsse gezogen und die Bank mit optimierten Organisationsstrukturen und zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen weiter abgesichert."

Die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2010 im Einzelnen

Das operative Ergebnis, d. h. das Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge, lag mit 341,0 Mio. Euro über dem guten Vorjahresergebnis (2009: 317,8 Mio. Euro). Hierzu hat vor allem der Ausbau des Zins- und Provisionsüberschusses im Kundengeschäft beigetragen.

Die Bank erwirtschaftete einen Zinsüberschuss von 679,2 Mio. Euro, der den Vorjahreswert um 9,9 % übertraf (2009: 618,2 Mio. Euro). Getragen wurde der Zinsüberschuss vom Kredit- und Einlagengeschäft sowie vom strategischen Zinsrisikomanagement der Bank. Zudem hat die Bank ihr Darlehenswachstum fortgesetzt. Im Neugeschäft hat sie mit 4,0 Mrd. Euro Neuausleihungen nahezu an das Rekordergebnis des Vorjahres angeknüpft (2009: 4,1 Mrd. Euro). Auch bei den Kundeneinlagen verzeichnete die Bank einen deutlichen Anstieg der Volumina.

Der Provisionsüberschuss ist von 111,6 Mio. Euro kräftig um 13,9 % auf 127,1 Mio. Euro gestiegen. Ergebnistreiber waren vor allem das Wertpapiergeschäft sowie das Kredit- und das Lebensversicherungsgeschäft. So konnte die Bank vor allem in der Depotverwaltung, bei den Wertpapierumsätzen der Kunden sowie in der Vermögensverwaltung Zuwächse verzeichnen.

Ihren Verwaltungsaufwand hat die Bank 2010 plangemäß vor allem für weitere strategische Investitionen ausgeweitet: Hierzu zählten in erster Linie Aufwendungen im Rahmen ihrer IT-Migration auf das genossenschaftliche Verbundrechenzentrum der GAD sowie Investitionen in den Vertrieb. Im Ergebnis lag der Verwaltungsaufwand inklusive Abschreibungen bei 452,4 Mio. Euro und damit über dem Wert des Vorjahres (2009: 422,6 Mio. Euro).

Im Bereich der Risikovorsorge hat die Bank für das Kundenkreditgeschäft vor allem dank der guten Kreditqualität deutlich geringere Risikokosten als im Vorjahr aufgewendet. Insgesamt beliefen sich die Risikokosten und Vorsorgemaßnahmen für das Kundenkreditgeschäft auf 69,9 Mio. Euro (2009: 103,3 Mio. Euro).

Für Finanzinstrumente und Beteiligungen hat die Bank Risikokosten und Vorsorgemaßnahmen in Höhe von 201,6 Mio. Euro aufgewendet. Dies stellt eine deutliche Reduzierung gegenüber dem Vorjahreswert dar (2009: 485,1 Mio. Euro). Der Schwerpunkt der Risikokosten bei den Finanzinstrumenten lag wie im Vorjahr bei den strukturierten Finanzprodukten der Bank.

Die Finanzinstrumente hat die Bank im Jahr 2010 von 15,1 Mrd. Euro auf 11,9 Mrd. Euro abgebaut. Hiervon entfällt auf die strukturierten Finanzprodukte ein Volumen von 4,2 Mrd. Euro (2009: 4,5 Mrd. Euro). Um eine weitere Optimierung des Portfolios sowie eine Reduzierung der Schwankungsanfälligkeit zu erreichen, hat die Bank einen wesentlichen Teil ihrer strukturierten Finanzprodukte auf einen von Union Investment gemanagten Spezialfonds übertragen. Hierdurch kann sie auch ihre Ressourcen weiter schonen und sich noch stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Die Garantievereinbarung mit dem BVR hat die Bank im Zuge dieser Übertragung angepasst.

Die Bilanzsumme ist um 5,8 % auf 38,8 Mrd. Euro gesunken. In dem Rückgang spiegelt sich der strategiekonforme Abbau des Finanzinstrumenteportfolios wider, der das Wachstum der Geschäftsvolumina im Kerngeschäft überstiegen hat.

Die apoBank konnte 2010 sowohl ihre Eigenmittelquote auf 11,9 % (2009: 10,2 %) als auch ihre Kernkapitalquote auf 7,6 % (2009: 6,2 %) erhöhen. Vor allem durch die Emission einer stillen Beteiligung sowie durch den fortgesetzten Risikoabbau bei den strukturierten Finanzprodukten konnte die Eigenkapitalsituation verbessert werden. Darüber hinaus hat die Garantievereinbarung mit dem BVR zur Entlastung beigetragen.

Ausblick

Die apoBank wird nach heutiger Planung auch im Jahr 2011 einen Jahresüberschuss erwirtschaften, der ihr sowohl eine adäquate Dividendenzahlung als auch die satzungsgemäße Dotierung der Rücklagen ermöglicht. Dabei wird das Ergebnis plangemäß von zwei zentralen Faktoren beeinflusst werden: Zum einen wird das operative Ergebnis temporär durch Aufwendungen im Zuge der mehrjährigen Implementie­rungsphase des genossenschaftlichen IT-Systems bank21 geschmälert werden, aber dennoch auf Basis einer Fortsetzung der Erfolge im Kerngeschäft auf einem hohen Niveau liegen. Zum anderen wird bei den Belastungen aus den Finanzinstrumenten ein weiterer Rückgang erwartet, wenngleich die unverändert bestehenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten eine genaue Prognose nicht zulassen. Die bisherigen Ergebnisse im laufenden Geschäftsjahr zeigen, dass die Bank im Plan liegt.