Einzelpraxis bei Ärzten unangefochten Existenzgründungsform Nr. 1

Düsseldorf, 06.09.2010

In alten Bundesländern werden Kooperation immer beliebter

Die "Existenzgründungsanalyse für Ärzte 2008/2009" der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) belegt: Die eigene Praxis ist unter Ärzten die beliebteste Gründungsform. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass insbesondere in den alten Bundesländern immer mehr Ärzte Kooperationen eingehen. Hierin spiegelt sich der strukturelle und ökonomische Wandel im Gesundheitswesen wider.

Wie die "Existenzgründungsanalyse für Ärzte 2008/2009" der apoBank und des ZI zeigt, ist die Einzelpraxis unter Ärzten nach wie vor die beliebteste Existenzgründungsform. Drei Viertel der Existenzgründer in den neuen Bundesländern entschieden sich für eine Einzelpraxis: 55,7 Prozent übernahmen eine Praxis und machten sich so selbstständig; 18,8 Prozent wählten eine Neugründung. In den alten Bundesländern entschieden sich insgesamt 52,8 Prozent für eine Einzelpraxis: 45,4 davon bevorzugten eine Praxisübernahme; weitere 7,4 Prozent gründeten ihre eigene Praxis. "Die Ärzte sind von der Einzelpraxis überzeugt und wählen daher diesen Weg in die Selbstständigkeit", erläutert Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der apoBank. Die Bank verfügt über einmaliges Know-how bei ärztlichen Existenzgründungen und leistete 2009 mit rund 2 Mrd. Euro einen wesentlichen Beitrag zum Finanzierungsvolumen im ambulanten Sektor. Etwa 1 Mrd. Euro davon kamen Ärzten zugute.

Aufgrund der strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen beobachtete die apoBank zudem, dass Ärzte immer häufiger auf Kooperationen setzen. Hierzu zählen neben Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) auch Praxisgemeinschaften und andere neue Existenzgründungsformen. 2008/2009 ging fast jeder zweite Niederlassungswillige in den alten Bundesländern eine Kooperation ein. In den neuen Bundesländern fällt dieser Anteil geringer aus: Nur 25,5 Prozent entschieden sich für eine Kooperation.

Die meisten Existenzgründungen wurden von Hausärzten durchgeführt (28,1 %* bzw. 37,1 %**). Es folgten Psychotherapeuten und Psychiater (13,8 %* bzw. 17,1 %**). An dritter Stelle rangierten in den alten Bundesländern die Gynäkologen (11,2 %). In den neuen Bundesländern waren die fachärztlich tätigen Internisten die dritthäufigsten Existenzgründer (7,6 %).

Die Finanzierungsvolumina einer Existenzgründung gestalteten sich 2008/2009 sehr unterschiedlich. In den alten Bundesländern mussten Hausärzte für eine Neugründung 124.000 Euro finanzieren. In den neuen Bundesländern beliefen sich die Finanzierungsvolumina auf durchschnittlich 98.000 Euro. Hausärzte, die eine Praxis übernahmen, mussten in den alten Bundesländern 162.000 Euro ansetzen. In den neuen Bundesländern schlug eine Praxisübernahme mit 108.000 Euro zu Buche. "Die Kosten lagen somit in den alten Bundesländern deutlich über dem Niveau der neuen Bundesländer", erklärt Heßbrügge. "Hausärzte mussten in den alten Bundesländern für eine Neugründung 26,5 Prozent, für die Übernahme 50 Prozent mehr einplanen als ihre Kollegen in den neuen Bundesländern."

Wer einer BAG beigetreten ist bzw. mit mehreren Ärzten eine BAG übernommen hat, musste in den alten Bundesländern jeweils 139.000 Euro investieren. Die günstigste Niederlassungsform kooperativer Art war die Überführung einer Einzelpraxis in eine BAG (128.000 Euro).

"Selbstverständlich variieren die Finanzierungsvolumina nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch über die verschiedenen Facharztrichtungen hinweg. So lässt sich beispielsweise feststellen, dass Orthopäden sehr viel mehr in ihre Selbstständigkeit investieren müssen. Eine Einzelpraxisübernahme kostete hier in den alten Bundesländern durchschnittlich 379.000 Euro; in den neuen Bundesländern 195.000 Euro", verdeutlicht Heßbrügge. Natürlich gebe es aber auch nach unten Ausreißer. Psychotherapeuten und Psychiater hätten für die Übernahme einer Praxis nur 65.000* bzw. 69.000** Euro veranschlagen müssen.

Neben Gründungsart und Kosten gibt die Analyse Aufschluss darüber, welche Lagen für Existenzgründer am attraktivsten sind: In den alten Bundesländern wurden die meisten Praxen in großstädtischer Lage gegründet - in den neuen Bundesländern in mittelstädtischer Lage. Bezogen auf die Altersstruktur ist erkennbar, dass die Ärzte sich in den neuen Bundesländern tendenziell früher selbständig machen als in den alten Bundesländern.

Darüber hinaus setzt sich unter den Ärzten der Trend fort, dass immer mehr Frauen diesen Beruf ergreifen und auch den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. In den alten Bundesländern waren 39,7 Prozent der Existenzgründer weiblich; in den neuen Bundesländern waren es gar 58,1 Prozent.

*   Alte Bundesländer
** Neue Bundesländer

Methodik

Die Datenbasis der "Existenzgründungsanalyse für Ärzte 2008/2009" bilden die von der apoBank durchgeführten Finanzierungen ärztlicher Existenzgründungen. Die statistische Auswertung anonymisierter Daten wurde gemeinsam von der apoBank und dem ZI durchgeführt.