Vertreterversammlung der apoBank: Kurs gehalten

Düsseldorf, 23.06.2009

Vorstandssprecher Günter Preuß verabschiedet

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) kann zufrieden sein: Trotz aller Turbulenzen im globalen Krisenjahr 2008 erzielte der Finanzdienstleister Nummer eins im Gesundheitswesen das beste operative Ergebnis seiner 107jährigen Geschichte. Das Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge lag mit 316 Millionen Euro noch einmal knapp über dem Rekordniveau des Vorjahres. "Wir haben in diesem Ausnahmejahr, das auch uns vor extreme Herausforderungen stellte, Kurs gehalten, und darauf sind wir stolz", sagte der scheidende Vorstandssprecher Günter Preuß auf der Vertreterversammlung des Instituts am 19. Juni 2009 in Neuss.

Ausschlaggebend für den Erfolg war vor allem der deutlich gestiegene Zinsüberschuss. Dazu trug neben den Erträgen aus dem strategischen Zinsrisikomanagement vor allem das traditionell gute Kundengeschäft bei. So stiegen die Neuausleihungen im Darlehensbereich um fast 17 %. "Für unsere Kunden bleibt 'Kreditklemme' ein Fremdwort", folgerte Preuß. Die anhaltende Kreditnachfrage sei aber auch ein Vertrauensbeweis in das berufsspezifische Finanzierungs-Know-how der apoBank. Vertrauen zeige sich auch in der Zunahme der Kundeneinlagen einschließlich der verbrieften Verbindlichkeiten um mehr als 1,7 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss als zweite wichtige Ertragsposition ging angesichts des schwierigen Marktumfelds allerdings zurück.

Der Verwaltungsaufwand blieb trotz Geschäftsausweitung und strategisch und regulatorisch begründeter Projekte in moderaten Grenzen. Dabei stieg der Personalaufwand – im Wesentlichen bedingt durch Tariferhöhungen und durch Einstellung von 140 neuen Mitarbeitern – wesentlich kräftiger als der Sachaufwand. „Darin kommt unser striktes Kostenmanagement zum Ausdruck“, erklärte der Vorstandssprecher. Die Aufwandsrentabilität lag 2008 zwar leicht höher als im Vorjahr, aber im Vergleich mit dem Branchendurchschnitt weiterhin auf einem Spitzenplatz. Die Risikovorsorge in Höhe von 244 Millionen Euro spiegelt die Zuspitzung der Finanzkrise wider, die nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers die gesamte Finanzbranche wie in einem Domino-Effekt erfasste.

Nach Steuern und Risikovorsorge bleibt ein Bilanzgewinn von 60 Millionen Euro. Entsprechend dem Beschluss der Vertreterversammlung wird dieser Betrag dazu verwandt, an die mehr als 100.000 Mitglieder der Bank eine unverändert hohe Dividende von 6 % auszuschütten sowie die offenen Rücklagen zu stärken.

Die Bilanzsumme erhöhte sich um 11,2 % auf 41,2 Milliarden Euro. Damit ist die apoBank weiterhin die mit Abstand größte genossenschaftliche Primärbank. In dem Zuwachs kommen neben den Vertriebserfolgen im Aktiv- und Passivgeschäft auch die 2007 begonnenen und inzwischen erfolgreich abgeschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen der gehebelten Fonds zum Ausdruck.

Für das laufende Jahr zeigte sich Preuß vorsichtig optimistisch. Gleichwohl sei angesichts der Rahmenbedingungen mit einem deutlichen Einbruch im operativen Ergebnis zu rechnen. Deshalb müsse man vor allem die Kosten im Auge behalten. Was die Liquiditätssituation der Bank betrifft, so wurden die für 2009 und teilweise auch für 2010 geplanten Refinanzierungsmittel bereits vorsorglich aufgenommen. "Uns ist daran gelegen, eine größere Unabhängigkeit von den Geld- und Kapitalmärkten zu erreichen", betonte Preuß. Neben Kundeneinlagen, Schuldscheindarlehen und apoObligationen sei durch die in 2008 erlangte Pfandbrieffähigkeit eine weitere Diversifikation bei den Refinanzierungsquellen gelungen.

In seiner letzten, immer wieder von Beifall begleiteten Rede vor der Vertreterversammlung bekräftigte Preuß noch einmal seine Einschätzung des Gesundheitswesens als den prosperierenden Markt der Zukunft. Dafür sprächen u. a. der medizinisch-technische Fortschritt, die demografische Komponente sowie die Bereitschaft der Menschen, eigenes Geld für die Gesundheit aufzubringen. Auch wenn der angestellte Heilberufsangehörige dabei immer stärker in den Fokus rücke, werde der wirtschaftlich Selbstständige nicht nur Bestandteil des Gesundheitssystems bleiben, sondern für dieses auch in Zukunft unverzichtbar sein, erklärte der Vorstandssprecher unter dem Beifall der Delegierten. Preuß rief die Heilberufsangehörigen dazu auf, sich selbstbewusst der Politik entgegen zu stellen: "Ihre spezielle Kompetenz als Pharmazeut oder Mediziner ist alternativlos und ein Pfund, mit dem Sie wuchern sollten." Voraussetzung hierfür sei vor allem Geschlossenheit in den eigenen Reihen.

Mit den Worten "Diese Bank hat Zukunft!", verabschiedete sich Preuß unter Standing Ovations nach vierzehnjähriger Zugehörigkeit zur apoBank - davon fünf Jahre als Vorstandssprecher - offiziell aus dem aktiven Dienst. Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, zeichnete den scheidenden Vorstandssprecher mit dem Ehrenzeichen der Deutschen Ärzteschaft aus. Zudem wurde Preuß im Hinblick auf seine großen Verdienste um die Weiterentwicklung des Instituts zum Ehrenmitglied der Bank ernannt.

Veränderungen im Aufsichtsrat

Bei den turnusmäßig anstehenden Neuwahlen zum Aufsichtsrat wurden Dr. med. dent. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, und Apotheker Heinz-Günter Wolf, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, neu in das Gremium aufgenommen. Dr. med. Andreas Köhler wurde wiedergewählt. Dr. med. dent. Wilhelm Osing und Apotheker Gerhard Reichert hatten vorab erklärt, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Dr. Osing wurde zum Abschluss der Vertreterversammlung zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats und zum Ehrenmitglied der Bank ernannt.

In der Konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrats im Anschluss an die Vertreterversammlung wurde Apotheker Hermann Stefan Keller, Ehrenvorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Gremiums bestimmt.