Sind Dachfonds noch zeitgemäß?

Erfahrene Dachfondsmanager im Interview

01.06.2016 - Fondsmanager Marc Momberg und Matthias Schiestl erläutern im Interview, wie sie mit den derzeitigen Chancen und Risiken an den Kapitalmärkten umgehen und was Dachfonds-Kritiker oft übersehen.

Ausgezeichnete Dachfonds

Die Dachfonds der apoAsset, die Momberg und Schiestl verantworten, erhielten von der Ratingagentur Telos drei Mal die Noten AA bzw. AA+. Die Bedürfnisse von Anlegern werden besonders gut erfüllt, so das Urteil der Ratingagentur.

Foto von Marc Momberg, Fondsmanager apoAsset
Marc Momberg, Fondsmanager apoAsset

Herr Momberg, die erneute Telos-Auszeichnung basiert auf rund 100 Kriterien. Die Ratingagentur bewertete zum Beispiel, wie gut sich Ihre Strategien für die jeweilige Anlegergruppe eignen und wie konsequent Sie die Anlageziele umsetzen. Wie gehen Sie dabei vor?

Momberg: Unsere Aufgabe, die Dachfonds auch in wechselhaften Märkten auf Kurs zu halten, nehmen wir sehr ernst. Alles ist auf dieses Ziel ausgerichtet: die fortlaufende Überwachung der Zielfonds und Märkte, die umfangreiche Auswahl der besten Spezialisten aus über 40.000 Fonds, 230 Gesellschaften und 130 Anlagesegmenten, die vielen Analysemethoden, Fondsmanager-Gespräche und ein vorausschauendes Risikomanagement. Wir investieren dafür sehr viel Zeit sowie Know-how und greifen auf ein globales Netzwerk und direkten Kontakt zu hunderten von Fondsmanagern zurück.

Dachfonds sind mehr denn je zeitgemäß

Foto von Matthias Schiestl, Fondsmanager apoAsset
Matthias Schiestl, Fondsmanager apoAsset

Die drei Fondsvarianten Piano, Mezzo und Forte gibt es seit 15 Jahren. Ist diese Art von Produkten denn noch zeitgemäß?

Schiestl: Mehr denn je. Die Erwartungen der Anleger haben sich nicht wesentlich geändert - die Märkte dagegen ständig. Sie sind komplexer geworden, es gibt kaum historisch vergleichbare Situationen und Daten, und verschiedene Anlagesegmente entwickeln sich heute anders als vor fünf, zehn oder 15 Jahren. Die Geldanlage muss daher wandlungsfähig und flexibel sein, und genau dafür sind unsere Dachfonds prädestiniert. Denn wir passen die Dachfonds kontinuierlich, aber kontrolliert an Veränderungen an, ohne die langfristigen Ziele der Anleger aus den Augen zu verlieren. Insbesondere im Risikomanagement und in der Auswahl geeigneter Fonds legen wir besonderen Wert auf qualitative Aspekte. Das alles können Anleger an uns delegieren.

Manche kritisieren, dass Dachfonds zu teuer sind…

Momberg: Unsere Dachfonds handeln Zielfonds grundsätzlich ohne Ausgabeaufschlag, und wir bekommen aufgrund der Größe unserer Investments die Zielfonds viel günstiger. Bei einem Direktkauf müssten Privatanleger bei den jeweiligen Gesellschaften mit bis zu 50 % höheren laufenden Kosten plus Ausgabeaufschlag rechnen. Innerhalb der Dachfonds sind Umschichtungen zwischen einzelnen Fonds zudem steuerfrei, während Anleger beim eigenständigen Verkauf der einzelnen Depot-Bausteine ggf. jedes Mal Abgeltungssteuer zahlen müssten.

Darüber hinaus erhalten die Anleger viele Extras all-inclusive. Sie werden entlastet von der zeitintensiven Suche nach den besten Fonds und der ständigen Depot-Optimierung. Sie profitieren von einem besonders großen Anlageuniversum, auch von Fonds-Perlen, die Privatanlegern in Deutschland sonst zum Teil noch nicht zugänglich sind. Und sie bekommen ein vielschichtiges, flexibles Risikomanagement: Insgesamt streuen wir Chancen und Risiken auf 15 Ebenen über rund 35 Zielfonds - und das auch für kleine Sparpläne. Das alles können vermeintliche Schnäppchen-Fonds nicht bieten.

In welchem Anlagesegment erwarten Sie derzeit besondere Chancen?

Momberg: Ein Beispiel ist der Energiesektor. Mitte 2015 hatten Energieaktien innerhalb eines Jahres über 50 % an Wert verloren, verbunden mit einem deutlichen Rückgang der Ölpreise. Dies führt zwar zunächst zu Problemen, dann aber zu einer notwendigen Marktbereinigung. Auf dieser Basis erwarten wir längerfristig deutliche Kursgewinne und setzen dafür auf den Fonds eines besonders spezialisierten Energieaktienmanagers. Wir haben Kursschwächen in den vergangenen neun Monaten konsequent genutzt, um antizyklisch zu investieren und dann vom Wiederanstieg zu profitieren.

Mögliche Risiken für die Märkte

Wo sehen Sie besondere Risiken und wie gehen Sie damit um?

Schiestl: Mögliche Risiken für die Märkte sind zum Beispiel die anstehenden Entscheidungen in Großbritannien, Spanien, Griechenland, in den Notenbanken oder den US-Wahlen. Aber Risiken, die allen bekannt sind, führen unserer Erfahrung nach selten zu nachhaltigen Turbulenzen. Wir machen uns daher auch Gedanken über Risiken, die bisher wenig diskutiert werden. Dafür haben wir Prozesse und Portfolien deutlich gestrafft. Wir wollen Risiken bewusst eingehen. Dafür benötigt man klar strukturierte Zielfonds mit möglichst isolierbaren Risiken. Nur dann können wir im Fall des Falles schnell und verlässlich feststellen, wo ein Fonds möglicherweise betroffen ist, und schnell handeln.