Brücken bauen: Sektorübergreifende Versorgung im Blick

Deutschland wird immer älter. Damit steigt auch der Anteil derer, die auf medizinische und pflegerische Versorgung angewiesen sind. Ihre Behandlung wird an manchen Stellen durch Sektorengrenzen erschwert. Die aktuellen Probleme sind u.a.:

  • Zwischen und innerhalb der Sektoren, von der Prävention bis hin zur Pflege, ist die Zusammenarbeit oft unzureichend. Die Folge sind Versorgungsabbrüche, doppelte Untersuchungen und damit ineffiziente Behandlungen.
  • Die finanziellen Mittel sind an die Sektoren gebunden. Aufgrund paralleler Honorarsysteme entstehen finanzielle Fehlanreize und gleiche Leistungen werden uneinheitlich vergütet.
  • In der Bedarfsplanung sind die Sektoren nicht miteinander vernetzt. Angebote werden parallel vorgehalten und die Vorgaben zur Qualitätssicherung unterscheiden sich.

Sektorübergreifende Versorgung: Zentrale Aufgaben der kommenden Legislaturperiode

Die sektorübergreifende Versorgung zu verbessern, ist ein wesentliches Ziel in der kommenden Legislaturperiode. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens kritisierte auf dem Gesundheitskongress des Westens 2017 „die Kluft zwischen dem ambulanten und stationären Sektor“ im deutschen Gesundheitswesen und formuliert ihre Erwartungen an die Akteure.

Herkulesaufgabe: Sektorübergreifende Versorgung

Seit mehr als 80 Jahren besteht in Deutschland die Trennung zwischen dem ambulanten und stationären Sektor. Wie diese Grenzen überwunden werden können, war ein Schwerpunkt auf dem Gesundheitskongress des Westens 2017. Michael Gabler, Leiter Firmenkunden der apoBank, schildert seine Eindrücke aus der Diskussion.

Ausblick

Drei Fragen an Daniel Zehnich, Direktor Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik der apoBank:

Wo liegen die Herausforderungen bei der Überwindung der Sektorengrenzen?
Die ambulant-stationäre Medizin in der nächsten Legislaturperiode stärker zu verzahnen, ist gesundheitspolitischer Konsens. Nicht zuletzt mit Blick auf die Bevölkerungs- und Morbiditätsentwicklung in Deutschland gilt es, die Zusammenarbeit und das Schnittstellenmanagement beider Versorgungsbereiche zu optimieren. Nach Japan sind wir in Deutschland das Land mit der ältesten Bevölkerung. Und gut die Hälfte der Ausgaben im Gesundheitswesen entfällt auf Menschen über 65 Jahre.


In welchen Bereichen werden wir umdenken müssen?
Übergreifend lassen sich zwei wesentliche Stellschrauben nennen: Die Bedarfsplanung und die Honorierung. Im Detail sind das sehr umfassende Themen. Beispielswiese haben wir unterschiedliche Vergütungsregeln und Planungs-, Dokumentations- oder Qualitätsvorgaben in den jeweiligen Sektoren. Die Teilbereiche, die sich diesen Fragen bereits widmen, zeigen ja die Komplexität der Lösungssuche.


Welche Lösungsansätze werden verfolgt?
Zunächst ist Versorgung kein Thema für „one size fits all“. Sprich, das Gesundheitswesen ist regional sehr unterschiedlich und somit werden auch verschiedene Aspekte bei der Lösungsfindung eine Rolle spielen. Konkret hat die Politik den Innovationsfonds mit jährlich 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2019 aufgelegt. Mit diesem werden bereits erste fach- bzw. sektorübergreifende Versorgungsmodelle etabliert und erprobt. Aber auch die Digitalisierung wird dazu beitragen, dass eine sektorübergreifende Zusammenarbeit effizienter wirken kann. an den Schnittstellen besser miteinander gearbeitet werden kann. Beispielsweise, wenn die Daten des Patienten auf einer elektronischen Gesundheitskarte gespeichert und für alle Beteiligten - im Rahmen rechtlicher Regelungen - abrufbar sind. Perspektivisch sehen wir, dass die Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung – letztlich zum Wohl des Patienten - ineinandergreifen werden.