Warum Krankenhäuser auf ein aktives Finanzmanagement setzen sollten

Experten trafen sich auf dem Hauptstadtkongress 2016 in Berlin

21.06.2016

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2016 in Berlin

Vom 08. bis 10. Juni 2016 trafen sich mehr als 8.000 Teilnehmer aus Gesundheitspolitik und -wirtschaft zum 19. Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. In rund 200 Einzelveranstaltungen diskutierten Spitzenpolitiker, Wissenschaftler und Vertreter aller Berufsgruppen der Gesundheitswirtschaft die Zukunft des Gesundheitswesens. Die apoBank begleitete unter anderem den Kongressteil 'Krankenhaus Klinik Rehabilitation' bei dem es auch um das Thema 'Politik im Rückwärtsgang: Krankenhäuser brauchen aktives Finanzmanagement' ging.

Systemisches Versagen kann zu dramatischer Situation führen

Dr. Carl Hermann Schleifer, Staatssekretär a. D., moderierte die Diskussion zum Finanzmanagement der Krankenhäuser und bat zu Beginn Prof. Dr. Volker Penter, Leiter Health Care der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, 'das Elend' der gegenwärtigen Krankenhausfinanzierung zu beschreiben. Penter stellte seinen Vortrag unter die Überschrift 'Mehr Ehrlichkeit in der Krankenhausfinanzierung' und betonte ein systemisches Versagen, das in der fehlenden Investitionsfinanzierung für die Krankenhäuer sichtbar und für manche Häuser zu einer dramatischen Situation führe. Da das Krankenhausstrukturgesetz die Finanzmittel bis 2018 auf dem Niveau der Jahre 2012 bis 2014 festschreibt, würde sich an dieser Situation auch auf absehbare Zeit nichts ändern. Krankenhäuser, so seine These, müssten sich dauerhaft darauf einstellen, ihre Investitionen alternativ zu finanzieren, weshalb die Beschäftigung mit alternativen Finanzierungsinstrumenten wesentlich sei.

Investitionen für Optimierung erforderlich

Wie sich dieser in der Praxis gestalten lässt, stellte Dr. Ralf-Michael Schmitz, Vizepräsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands dar. Aus der Sicht des Maximalversorgers schildert er zunächst die Problemstellung der wachsenden Unterfinanzierung. Denn auch wenn die duale Finanzierung grundsätzlich die Vollfinanzierung des Krankenhauses regeln solle, sinke faktisch der Anteil der Fördermittel. Da gleichzeitig die Kosten steigen, erfordere die jährliche 'Kostenschere' Investitionen, um Arbeitsabläufe, IT und Qualität zu optimieren. Schmitz skizzierte unterschiedliche Instrumente, der Eigen- und Fremdfinanzierung die Krankenhäuser nutzen könnten. In seinem Resümee betonte er, dass alle Maßnahmen darauf abzielen müssten, Überschüsse zu produzieren.

Strategische Finanzplanung für Krankenhäuser

Michael Gabler, Bereichsleiter Firmenkunden der apoBank, erläuterte im Anschluss, wie sich der Zugang zu Bankkrediten steuern lasse. Ein Finanzrating sei keine „schwarze Kiste“ und die relevanten Faktoren ließen sich beeinflussen. Sich mit der Finanzplanung zu beschäftigen, sei im Übrigen keine Aufgabe, die für die Bank erledigt werden müsse, sondern strategische Aufgabe, bei der das Krankenhaus Transparenz über die eigenen Möglichkeiten erhalte. Die apoBank unterstützt Kliniken hierbei mit dem eigens konzipierten apoPLANER5. Gabler verwies zudem auf Studien, die zeigen, dass Kliniken mit einer strategischen Planung bessere Ergebnisse erzielten. Wesentlich, so sein Fazit, sei die offene und transparente Kommunikation mit der Bank.

Instrumente des Finanzmanagements

Das ein Krankenhaus mit einer guten Finanzplanung auch ein wirtschaftlich anspruchsvolles Investitionsvorhaben erfolgreich durchlaufen kann, stellte Dr. Olaf Bornemeier, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken dar. Mit dem Beispiel des Klinikneubaus Minden gab er Einblicke, wie mit nur 14 Prozent Fördermitteln der Bau dennoch realisiert werden konnte. Bornemeier zeigte anhand praktischer Beispiele, wie mit dem Management von Verbindlichkeiten, Fälligkeiten und der Kapitalseite die notwendige Liquidität für Zinsen und Tilgung erwirtschaftet werden kann.

Aktives Finanzmanagement ohne Alternative

Peter Schnitzler, Geschäftsführer Finanzen und Controlling der Paracelsus-Kliniken Deutschland, stellte in seinem Vortrag die Frage "Wer steuert wen? Steuern wir die Finanzen oder steuern sie uns?" Die Notwendigkeit und Umsetzung von Instrumenten für das aktive Finanzmanagement erläuterte Schnitzler anhand der in seinem Haus angewandten BCG-Matrix, mit der die einzelnen Standorte nach der jeweiligen Ertragskraft gruppiert und gesteuert werden.