"Sell in May and go away"

„but remember to come back in September“

Kennen Sie die Bauernregel „Mairegen auf die Saaten, dann regnet es Dukaten“? Ähnlich wie für das Wetter kursieren auch an der Börse Weisheiten, die seit jeher zu gelten scheinen. Für den Wonnemonat Mai heißt es z. B. „Sell in May and go away“, also verkaufe Aktien, lass den Sommer über die Finger von der Börse und steige erst im Herbst wieder ein - „but remember to come back in September.“

Woher kommen solche Weisheiten?

Woher kommen solche Weisheiten und was ist von ihnen zu halten? Wie auch bei den Bauernregeln geht es eher um Vermutungen als um Fakten. „Sell in May and go away“ etwa beruht auf der vermeintlichen Beobachtung, dass sich Aktienkurse im Sommer schwächer entwickeln als im Winter.

Schnell ist für die These dann auch eine griffige Begründung gefunden: Im Sommer gebe es eben weniger kurstreibende Nachrichten. So fehle zum Beispiel der Ausblick auf mögliche Dividenden-Ausschüttungen.

apoBank-Expertin Inga Krzeczkowska, Abteilungsleiterin Analytics & Engineering, gibt hier regelmäßig Tipps zur Geldanlage.

Doch ist an der These überhaupt was dran?

Statistiken geben in diesem Zusammenhang kein einheitliches Bild. So haben Wissenschaftler zwar in mehreren Studien festgestellt, dass sich der amerikanische Index S&P 500 während der Winter-Jahreshälfte besser entwickelte als im Sommer. Eine andere Untersuchung zum mindestens ebenso wichtigen US-Index Dow Jones fand über den langen Zeitraum von 1927 bis 2015 jedoch keine statistischen Auffälligkeiten. Und ein Blick auf den deutschen Aktienindex Dax zeigt sogar, dass in den letzten 30 Jahren u. a. im September die Kurse mit schöner Regelmäßigkeit purzelten und sich erst im Oktober wieder erholten.

Ein Grund

Ein Grund für diese „Regelverstöße“: Gerade im September haben manche Sonderereignisse die Kurse weltweit nach unten gezogen, zum Beispiel der Terroranschlag am 11. September 2001 oder die Lehman-Pleite im September 2008.

Anlagestrategien, die auf saisonale Effekte setzen, sind also mit Vorsicht zu genießen. Nachhaltiger wirkt eine durchdachte, langfristige Anlagestrategie – unabhängig von Jahreszeiten, aber gesteuert von den persönlichen Renditezielen und der individuellen Risikotragfähigkeit. Damit ist die Geldanlage wetterfest – ob es im Mai nun regnet oder im September stürmt.

Stand: 05/2018