Digitalisierung als Richtschnur

02.12.2016 - 800 Teilnehmer, 80 Referenten und jeder bekommt gerade mal drei Minuten Zeit um dem Auditorium zu erklären, woran er aktuell forscht, wie digitale Innovationen in der Medizin funktionieren und welchen Nutzen sie Patienten bringen. Die Rede ist vom Kongress „Future Medicine“, den das Berlin Institute of Health und der Tagesspiegel veranstaltet haben und bei dem ich im November zu Gast war.

Bereits das Kongresskonzept zeigt, mit welchem Tempo die Digitalisierung in den Gesundheitsmarkt einzieht und bisher gängige Verfahren verändert. Die unterschiedlichen und eindrucksvollen Impulsvorträge haben bei mir drei Aspekte verfestigt: Erstens: Forscher und Wissenschaftler zeigen eine beeindruckende Kreativität, um mit neuen Anwendungen einen Nutzen für den Patienten zu schaffen. Zweitens: Das medizinische Wissen wächst exponentiell und wird nur mithilfe der Digitalisierung für die Behandler passgenau verfüg-  und beherrschbar sein. Und Drittens: Patienten werden individuelle und digitale Angebote von der medizinischen Versorgung erwarten.

Digitalisierung ist Gegenwart

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung ist es richtig und wichtig, dass sich der Gesundheitsmarkt mit dem Potenzial der Digitalisierung beschäftigt. Aber was heißt das jetzt konkret für die Akteure? Die Antwort fällt nicht leicht aus. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung voranschreitet, mag sich der ein oder andere zeitweilig abgehängt fühlen. Derzeit lassen sich Chancen und Risiken nicht komplett überschauen. Es bestehen Unsicherheiten hinsichtlich des zukünftig führenden technischen Verfahrens, sofern es das je geben wird. Zudem sind Fragen des Datenschutzes nicht abschließend geklärt. Doch all das wird die „Digitalisierung der Gesundheit“ nicht verhindern, denn sie ist längst keine Zukunftsversion mehr, sondern Gegenwart.

Digitalisierung als Richtschnur

Ratsamer ist es, genau jetzt digitale Entwicklungen zur Richtschnur des eigenen Handelns zu machen und so mitzugestalten. Ausgangspunkt sollte dabei das eigene Geschäftsmodell der Gegenwart und vor allem das der Zukunft sein. Denn Standardlösungen die von außen kommen und für alle funktionieren, wird es in absehbarere Zeit nicht geben. Somit sollte der Blick nicht vor der Vielfalt schrecken, sondern sich vielmehr fokussieren.

Lassen Sie mich das kurz mit Beispielen unterlegen: Ein Dialysezentrum sollte seine Technik und Arbeitsabläufe fit für die Verarbeitung von Patientendaten machen. Denn bereits heute sind vielversprechende Apps und Hilfsmittel auf dem Markt, die Blutzuckerwerte digital messen. Krankenhäuser und Labore, die verstärkt in der Onkologie tätig sind, setzen größtenteils auf die personalisierte Bestimmung von Biomarkern. Mittels Big Data machen sie Daten zu Informationen, die fester Bestandteil in der Therapie sind. Vergleichbare Verfahren etablieren sich derzeit für Asthma-, Schizophrenie- und Schlaganfallpatienten. Auch die Weiterbehandlung verändert sich: Von einer Rehaeinrichtung werden Patienten zukünftig Selbstlernprogramme erwarten, die sie spezifisch unterstützen, den individuellen Fortschritt messen und deren Resultate beim nächsten – möglicherweise per Telemedizin geführten – Arztgespräch in die weitere Behandlung einbezogen werden.

Beispiele dieser Art lassen sich für fast jeden Anbieter in der Gesundheitsversorgung finden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von der jeweiligen Spezialisierung ausgehen. Um die Digitalisierung für die eigene Zukunft nutzbar zu machen, sollten diese Fragen gestellt werden: Wie können Prozesse so gestaltet werden, dass sie vom Patienten her gedacht sind, dabei auch Ärzten und medizinischem Personal einen Nutzen bieten und - wo immer möglich und sinnvoll - digitale Anwendungen integrieren? Mit der Antwort auf diese Fragen geht es im nächsten Schritt dann nicht mehr nur um simple Investitionen in eine zukunftsfähige IT, es geht um die strategische Positionierung im Wettbewerb. Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie gerne bei der Gestaltung der strategischen Ausrichtung Ihres Gesundheitsunternehmens.