Die Grenzen der Geldpolitik

Die große Inflation, die nie kam

11.09.2015 - Als die wichtigsten Zentralbanken in den letzten Jahren begannen, ihre Geldschleusen zu öffnen und die Märkte zu fluten, rechneten viele Beobachter mit einem deutlichen Anstieg der Inflation. Doch dieser Anstieg kam nie. Im Gegenteil, heute befinden sich die Inflationsraten in sämtlichen entwickelten Volkswirtschaften auf Tiefstständen – und das nicht nur aufgrund des eingebrochenen Ölpreises. Trotz Nullzinsen und billionenschweren Anleihenkäufen der Zentralbanken liegt die Inflation weiterhin deutlich unterhalb der offiziellen Zielraten. Was sind die Gründe?

Inflationsraten auf Tiefständen

Erwartete durchschnittliche Inflation 2015

Grafik: Erwartete durchschnittliche Inflation 2015
Quelle: Consensus Forecast, IWF, apoBank

Die Ohnmacht der Notenbanken

Im Normalfall wirkt Geldpolitik über die Beeinflussung der privaten Schuldenaufnahme durch das Zinsniveau. Niedrige Zinsen sollten sich der Theorie nach in einer höheren Nachfrage nach Krediten auswirken, die dann wiederum Wachstum und Inflationsentwicklung antreibt. Es lässt sich allerdings niemand dazu zwingen, neue Kredite aufzunehmen. Das Problem der heutigen Zeit besteht darin, dass die Kreditnachfrage der Unternehmen und Haushalte trotz Nullzinsen gering bleibt. Auch die Schaffung von frischem Geld allein – wie sie durch die großangelegten Wertpapierkäufe stattfindet – führt nicht zu einer nachhaltig steigenden Inflation, da im Gegensatz zur Kreditvergabe keine neue Kaufkraft erzeugt wird. Offensichtlich ist das Instrumentarium der Notenbanken dafür derzeit nicht ausreichend. Sie würden das allerdings nie zugeben. Und so geben sie weiter Vollgas im Leerlauf und verzerren dadurch die Finanzmärkte, während sich realwirtschaftlich nichts tut.

Vollgas im Leerlauf

Während der globalen Finanzkrise wäre es ohne die massiven Eingriffe der Notenbanken zu einem Kollaps der Finanzmärkte gekommen. Heutzutage stehen die Notenbanken vor dem Dilemma, dass sie einen Auftrag haben, den sie aktuell nicht erfüllen können, nämlich eine bestimmte Zielinflation zu erreichen (in der Eurozone knapp 2%). Die unkonventionelle Geldpolitik wird uns deshalb trotz ihrer Ohnmacht und trotz ihrer Nebenwirkungen noch lange begleiten.