Ausverkauf an Chinas Aktienmärkten

Kursrutsch in Schanghai und Shenzen

26.08.2015 - Seit Mitte Juni erleben Chinas Aktienmärkte eine heftige Korrektur. Im Vergleich zu den Höchstständen am 12. Juni gaben die beiden Indizes Shanghai Composite Index und Shenzen Composite Index um jeweils mehr als 40 % nach, nachdem sie seit Jahresbeginn um spektakuläre 54 % bzw. 119 % gestiegen waren. Der Aktienmarktblase folgt nun der panikartige Ausverkauf, der in erster Linie von verängstigten Privatanlegern getrieben wird. Auch wenn die chinesische Zentralbank, die Wertpapieraufsichtsbehörde und die Zentralregierung drastische Maßnahmen ergriffen haben, um die Marktteilnehmer zu beruhigen, ist ein Ende der Korrektur nicht in Sicht.

Chinas Aktienmarktblase

Chinas Aktienmarktblase

Einfluss auf Realwirtschaft gering

Welche unmittelbaren Folgen hat der Einbruch an den chinesischen Aktienmärkten für die Wirtschaft im Reich der Mitte? Wegen der relativ geringen Bedeutung des Aktienmarktes für die Realwirtschaft ist nach jetziger Sachlage die Ansteckungsgefahr gering. Im Durchschnitt halten private Haushalte lediglich einen geringen Anteil ihres Finanzvermögens in Aktien, bei gleichzeitig hoher Sparquote. Die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Inlandsaktien in Schanghai und Shenzen beträgt nur etwa ein Drittel des chinesischen Bruttoinlandsproduktes – in entwickelten Volkswirtschaften liegt der Wert zum Teil bei mehr als 100 %. Insofern gilt derzeit vor allem eines: Ruhe bewahren.

China steht schon länger unter kritischer Beobachtung der Ökonomen

Nicht vorrangig die turbulente Aktienmarktentwicklung, sondern ungelöste realwirtschaftliche Probleme lassen Ökonomen bereits seit geraumer Zeit kritisch auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt blicken: China sieht sich nach mehreren Jahrzehnten rasanten Wirtschaftswachstums mit einer Vielzahl struktureller Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen ein deutlicher Rückgang des Wirtschaftswachstums, die hohe Verschuldung der Staatsunternehmen, ein intransparentes und instabiles Schattenbankensystem sowie die Bewältigung der schuldenfinanzierten Immobilienblase. Die erfolgreiche Umsetzung des auf diese Problemfelder zugeschnittenen Reformprogramms unter Federführung von Präsident Xi Jinping wird letztlich über den weiteren Wachstumspfad Chinas und damit auch die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft entscheiden. Die aktuellen Turbulenzen an den chinesischen Aktienmärkten sorgen dagegen nur kurzfristig für Schlagzeilen.