Beruf Arzt: So sehen Karrierewege der Ärzte/innen* aus

Beruf Arzt: Aufgaben von einem Assistenzarzt

Nach der staatlichen Zulassung (Approbation) können Assistenzärzte in Weiterbildung entweder im Krankenhaus oder in ärztlichen Praxen ein Anstellungsverhältnis finden. Das Eintrittsalter der Assistenzärzte liegt durchschnittlich zwischen Mitte und Ende 20. Die Ärzte assistieren während dieser Phase bei Operationen, unterstützen bei der Betreuung und der Behandlung der Patienten und übernehmen allgemeine Dokumentationspflichten. Die Hauptfunktion ist somit die Unterstützung des zuständigen Oberarztes bei der Patientenversorgung.

Assistenzärzte übernehmen häufig Bereitschaftsdienste, Nacht- und Notdienste. Aufgrund von vielen kurzfristigen Diensten ist mit einer unausgewogenen Work-Life-Balance zu rechnen. Arbeitsverträge von Assistenzärzten sind häufig auf die Dauer der regulären Facharztweiterbildung (fünf bis sechs Jahre) befristet. Bei Promotionsvereinbarungen können die Verträge auch auf die Dauer der Promotion befristet sein. Assistenzärzte finden in der Regel schnell ein Anstellungsverhältnis – gerade in ländlichen Gebieten ist der Bedarf nach ihnen noch einmal höher.

Privat profitieren Assistenzärzte von der Möglichkeit zur Elternzeit, der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der freien Wahl des Wohnorts. Das Ende der Weiterbildung verspricht außerdem den Aufstieg in eine höhere Tarifgruppe und eine verbesserte Verhandlungsposition für die Anstellung in der ambulanten Versorgung.

Die Weiterbildung ist außerdem die Voraussetzung dafür, die GKV Zulassung (für die Behandlung von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen) sowie Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen zu erlangen. Eine Promotion ist keine Voraussetzung, um eine Stelle als Assistenzarzt zu erhalten.

Interview mit Assistenzärztin Iris Ahling (Innere Medizin)

Facharzt: stationär oder ambulant?

Mit dem Facharzttitel kommt die Entscheidung: Wenn Ärzte den Facharzttitel erhalten, können sie sich für einen von zwei Karrierewegen entscheiden. Entweder beginnen sie eine stationäre oder eine ambulante Laufbahn.

Beruf Arzt: Aufgaben von einem Facharzt

In der stationären Laufbahn arbeiten Fachärzte mit abgeschlossener Facharztausbildung als Assistenzärzte in Krankenhäusern oder ambulanten Praxen. Das Eintrittsalter liegt durchschnittlich bei Ende 20. Fachärzte assistieren bei Operationen und übernehmen die Betreuung und Behandlung der Patienten auf der Station oder in der Praxis. Sie übernehmen dabei sehr häufig Bereitschafts-, Nacht- und Notdienste. Die Work-Life-Balance ist aufgrund der festen Arbeitszeiten in ambulanten Praxen besser geregelt als im Krankenhaus. Durch die tägliche Stationsarbeit und die Visiten pflegen Fachärzte einen intensiven Patientenkontakt.

Fachärzte finden in der Regel schnell eine Anstellung – auch sie werden besonders in ländlichen Gebieten gesucht. Fachärzte profitieren von der Möglichkeit zur Elternzeit, der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der freien Wahl des Wohnorts. Sie erfüllen sowohl die Voraussetzung für die GKV Zulassung (für die Behandlung von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherungen) sowie die Qualifikation, um Schwerpunkt- und Zusatzbezeichnungen zu erlangen. Eine Promotion ist keine Voraussetzung, um eine Stelle als Facharzt zu erhalten.

Interview mit Facharzt Dr. med. Beauclair Philippe Tiega (Radiologie)

Von der Uni in den weißen Kittel

Beruf Arzt: Aufgaben von einem Oberarzt

Der stationäre Oberarzt ist im Krankenhaus durchschnittlich zwischen 30 und 35 Jahren alt. Er führt Operationen und komplexe Behandlungen durch und ist für die Versorgung und die Ausbildung der Assistenzärzte verantwortlich. Er übernimmt Dokumentationspflichten und die Erstellung von Dienstplänen.

Er ist für die medizinischen Teil- und Funktionsbereiche der Klinik verantwortlich. Er trägt Führungsverantwortung für die Assistenzärzte und untersteht dem zuständigen Chefarzt. Je nach Größe der Station teilt er sich die Verantwortung mit weiteren Oberärzten. Durch die tägliche Stationsarbeit, die Visiten und Operationen pflegt der stationäre Oberarzt einen intensiven Patientenkontakt.

Der stationäre Oberarzt profitiert von einer guten Work-Life-Balance, denn gegenüber den Assistenzärzten hat er geregelte Arbeitszeiten. Er leistet eher Rufbereitschaften und weniger andere Dienste. Die Chance auf einen Anstellungsvertrag verbessert sich, wenn passende Qualifikationen vorliegen. Vor allem in ländlichen Regionen werden stationäre Oberärzte gesucht. Weitere Vorteile ergeben sich durch die Möglichkeit der Elternzeit, der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der freien Wahl des Wohnsitzes. Der Arzt trägt keine (betriebs-)wirtschaftliche Verantwortung.

Eine Promotion ist für einen stationären Oberarzt nicht notwendig, bietet sich jedoch an, wenn er zum Beispiel Chefarzt werden möchte.

Interview mit Oberarzt Dr. med. George-Gabriel Jianu (Gynäkologie)

Beruf Arzt: Aufgaben von einem Leitenden Oberarzt

Der leitende Oberarzt in einem Krankenhaus übernimmt die Durchführung von Operationen und komplexeren Behandlungen. Er hat den Facharzttitel (ggf. mit Schwerpunktqualifikation) und kann mehrere Jahre Berufserfahrung vorweisen. Der Arbeitsalltag beinhaltet die Versorgung der Patienten, die strategische Organisation der Station und die Vertretung des Chefarztes. Er übernimmt Dokumentationspflichten, die Erstellung von Dienst- und Urlaubsplänen, Budget- und Controllingaufgaben und das Qualitätsmanagement. Der leitende Oberarzt leistet Rufbereitschaft und trägt Personalverantwortung.

Der Patientenkontakt ist weniger intensiv. Zum Alltag gehören Visiten und Operationen, aber auch administrative Aufgaben. Mit zunehmenden Qualifikationen verbessern sich die Jobchancen und er wird in der Regel unbefristet angestellt. In ländlichen Regionen werden leitende Oberärzte mehr gesucht als in Städten.

Er hat die Möglichkeit zur Elternzeit, profitiert von der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und der freien Wahl des Wohnsitzes. Darüber hinaus hat er die Perspektive, zum Chefarzt aufzusteigen. Eine Promotion ist zum Antritt dieser Stelle nicht notwendig, aber von Vorteil.

Interview mit Leitendem Oberarzt Dr. med. Thorsten Reith (Anästhesie)

Beruf Arzt: Aufgaben von einem Chefarzt

Das Eintrittsalter als Chefarzt in einem Krankenhaus liegt durchschnittlich zwischen 35 und 49 Jahren. Er verfügt über den Facharzttitel, mehrjährige Berufserfahrung, kann wirtschaftliche Kenntnisse vorweisen und hat in der Regel promoviert. Er ist für die Beratung und Beaufsichtigung der Stations-(ober-)ärzte verantwortlich, übernimmt komplexe Operationen und die Behandlung von Privatpatienten.

Der Arbeitsalltag eines Chefarztes ist geprägt von der Personalführung, dem Management der Abteilung und der Koordination struktureller und medizinischer Abläufe. Außerdem trägt er die Budgetverantwortung für seine Station und kommt aus diesen Gründen nur wenig mit der Patientenversorgung in Berührung.

Pro Station ist ein Chefarzt angestellt. Dieser trägt eine hohe Personalverantwortung, da er für alle Stationsärzte zuständig ist. Aus diesem Grund hat der Chefarzt im Regelfall keine geregelten Arbeitszeiten. Die Chancen auf eine Position als Chefarzt sind gering, da es nur wenige freie Stellen gibt. Er profitiert von dem eigenverantwortlichen Arbeiten und dem Prestige, das seine Position mit sich bringt. Eine Promotion ist für die Anstellung als Chefarzt in vielen Häusern eine Voraussetzung.

Interview mit Chefarzt Professor Dr. med. Dr. h. c. Stephan Volk (Psychiatrie)

Ambulante Laufbahn: Angestellter Arzt in einer Einzelpraxis

Wenn Ärzte eine ambulante Berufslaufbahn einschlagen, sind sie häufig einem Praxisinhaber unterstellt dennoch verfügen sie über eine hohe medizinische Freiheit. Die Unabhängigkeit in einer ambulanten Praxis in organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist sehr hoch. Der Praxisinhaber trägt die Personal-, Raum- und Gerätekosten.

Die Anstellung von Ärzten in ambulanten Praxen ist jedoch nur begrenzt möglich. Im Regelfall sind bis zu drei Ärzte vollzeitbeschäftigt. Die Arbeitszeiten und Vertretungsregelungen sind häufig vom Praxisinhaber festgelegt. Die Entscheidungswege sind zwar kurz, dennoch sind fachlicher Austausch und Teamarbeit zwischen den Kollegen in der Regel nur begrenzt möglich. Ein Vorteil für Ärzte in einer Einzelpraxis ist der enge Patientenkontakt, der häufig über mehrere Jahre besteht.

Ambulante Laufbahn: Angestellter Arzt im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ)

Beim MVZ handelt es sich um eine ärztlich geleitete Einrichtung, die organisatorisch und wirtschaftlich durch die MVZ-Leitung gesteuert wird. Im MVZ treffen selbstständige und angestellte Ärzte aufeinander und haben sowohl einen gemeinsamen Patientenstamm als auch eine gemeinsame Abrechnung. Auch das Personal, die Räumlichkeiten und die Geräte werden gemeinschaftlich genutzt. Bei der Anstellung von Ärzten ist das MVZ nur durch Zulassungsbeschränkungen begrenzt.

Das MVZ ist die größte ambulante Betriebs- und Organisationseinheit und je nach MVZ-Größe ist ein umfassender fachlicher Austausch zwischen den Ärzten möglich. Daraus ergeben sich flexible Arbeitszeitmodelle und verlängerte Öffnungszeiten. Im MVZ sind sowohl der Patientenstamm als auch die Mitarbeiterkonstellation einer höheren Fluktuation ausgesetzt, als in einer Einzelpraxis. Die administrativen Aufgaben werden im MVZ delegiert und der Fokus liegt auf der medizinischen Leistungserbringung.

Interview mit Facharzt Dr. med. Klaus Wiermann (Kinder- und Jugendmedizin)

Ambulante Laufbahn: Angestellter Arzt in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG)

Diese Praxisform verfügt in der Regel über mehrere Praxisinhaber und setzt sich aus einem Zusammenschluss gleicher oder sich ergänzender Fachrichtungen zusammen. Dadurch bilden die Ärzte eine organisatorische und wirtschaftliche Einheit und verfügen über einen gemeinsamen Patientenstamm sowie eine gemeinsame Abrechnung. Das Personal, die Räumlichkeiten und die Geräte werden ebenfalls gemeinschaftlich genutzt. Daraus ergibt sich, dass Kosten, Risiko und Ertrag ebenfalls zwischen den Praxisinhabern geteilt werden.

In der Regel sind bis zu drei vollzeitbeschäftigte Ärzte pro Inhaber angestellt. In der BAG sind die Praxiseinheiten und das Team häufig größer als in der Einzelpraxis und die Ärzte tauschen sich fachlich untereinander aus.

Ambulante Laufbahn: Angestellter Arzt im Jobsharing

Die Jobsharing-Praxis ist eine besondere Form der Kooperation. Hier haben gerade junge Ärzte trotz Zulassungssperre Einstiegsmöglichkeiten. In dieser Praxisform wird die Arbeit aufgeteilt, allerdings erfolgt keine Ausweitung des Leistungsvolumens der bestehenden Praxis.

In einer Jobsharing-Praxis werden Personal, Räumlichkeiten und Geräte gemeinschaftlich genutzt und besonders häufig wird dieses Konzept bei Praxisübergaben genutzt. Das Anstellungsverhältnis in einer Jobsharing-Praxis besteht zwischen dem Praxisinhaber und dem Jobsharing-Angestellten. Der Angestellte erhält keine eigene Zulassung und die organisatorische und wirtschaftliche Verantwortung verbleibt beim Inhaber. Ein Vorteil von Jobsharing-Praxen für angestellte Ärzte ist die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Praxisinhaber profitiert von einer sanften Praxisübernahme.

Gehalt und Arbeitszeit: Was verdient ein Arzt?

Wie viel verdient man auf den einzelnen Karrierestufen als Arzt und und welche Wochenarbeitsstunden sind in den Krankenhäusern und Kliniken üblich? Von Anfangsgehalt bis Zuschläge: Erfahren Sie alles zum Thema Gehalt und Arbeitszeit bei Ärzten.


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*Zur besseren Lesbarkeit verwenden wir im weiteren Verlauf nur die männliche Form. Frauen und Diverse sind natürlich ebenso gemeint.