Reverse Bonus-Zertifikate
Diese Sonderform der Bonus-Zertifikate weist zunächst einmal die gleichen Vorteile auf wie die "normalen" Bonus-Zertifikate. Sie bieten eine Mindestrendite, wenn der Basiswert (Einzelaktie oder Aktienindex) die festgelegte Kursbarriere während der Laufzeit des Zertifikates niemals erreicht.
Der Unterschied liegt darin, dass beim Reverse Bonus-Zertifikat der Basiswert eine Barriere, die oberhalb des Ausgangswertes liegt, nicht erreichen oder überschreiten darf. Das Unterschreiten des unteren Schwellenwertes hingegen steigert sogar die Rendite des Anlegers, da er nicht nur den festgelegten Bonusbetrag, sondern die komplette negative Marktentwicklung als positive Rendite erzielen kann.
Ausschlaggebend für die Ermittlung des Auszahlungsbetrages und somit der tatsächlichen Rendite ist in jedem Fall der Kurs des Basiswertes am Tag der Fälligkeit.
Die Kursentwicklung des Zertifikates während der Laufzeit entspricht in den seltensten Fällen exakt der Entwicklung des Basiswertes, lediglich zum Fälligkeitstag ist eine umgekehrte 1:1-Entwicklung garantiert.
Beispiel:
Ein Anleger kauft heute ein Reverse Bonus-Zertifikat, welches als Basiswert den EuroStoxx50 mit einem Startwert von 4.100 Punkten ausweist. Die Laufzeit beträgt 5 Jahre, der Bonus liegt bei 25%, die Barriere bei 130% des Ausgangswertes. Anhand der historischen Entwicklung des EuroStoxx50 sieht die schematische Darstellung wie folgt aus:

- Notiert der EuroStoxx50 am Laufzeitende zwischen der Barriere von 130% und dem Bonus-Level von 75%, erhält der Anleger – sofern die Barriere während der Laufzeit nicht erreicht oder überschritten wird - sein eingezahltes Kapital sowie den Bonus in Höhe von 25% ausbezahlt.
- Notiert der EuroStoxx50 am Laufzeitende unterhalb des Bonus-Levels, erhält der Anleger sein eingesetztes Kapital sowie die negative Entwicklung des EuroStoxx50 als positive Rendite ausbezahlt. Schließt der Index beispielsweise bei 2.500 Punkten, erhöht sich Rendite seiner Anlage auf insgesamt über 39%.
- Für den Fall, dass der EuroStoxx50 während der Laufzeit die Barriere erreicht bzw. überschreitet, wird das Zertifikat zu einem Partizipationszertifikat und der Anleger bekommt am Laufzeitende sein eingesetztes Kapital +/- der tatsächlichen Entwicklung des EuroStoxx50 ausbezahlt. Dabei wirkt sich eine positive Entwicklung des Basiswertes negativ auf die Rückzahlung des Zertifikates aus, während eine negative Basiswertentwicklung eine positive Rendite zur Folge hat. Steigt der EuroStoxx50 über die Marke von 5.330 Punkten (130%-Barriere) und notiert am Laufzeitende bei 5.000 Punkten, erhält der Anleger eine Rückzahlung von insgesamt ca. € 78,-- und erleidet somit einen Verlust von nahezu 22%. Erreicht der Index während der Laufzeit die 130%-Barriere und schließt am Laufzeitende unter den Ausgangswert des Index, erzielt der Anleger trotz des Überschreitens der Barriere eine positive Rendite. Schließt der Index beispielsweise bei 3.500 Punkten, erhält der Anleger eine Rückzahlung von ca. € 114,63 pro Zertifikat.
Fazit:
Reverse Bonus-Zertifikate bieten insbesondere in stagnierenden bzw. leicht steigenden Märkten die Möglichkeit, bei überschaubarem Risiko eine gute Rendite zu erzielen. An einer stark negativen Marktentwicklung partizipiert der Anleger ebenfalls vollständig, wobei er die negative Basiswertentwicklung als positive Rendite erhält. Bei einer stark positiven Marktentwicklung läuft der Anleger Gefahr, einen Verlust zu erzielen. Für Anleger mit einer derartigen Markterwartung bieten sich jedoch andere Zertifikats-Strukturen wie z.B. das „normale“ Bonus-Zertifikat an.
In der nächsten Ausgabe des Lexikon der Zertifikate werden wir die so genannten Alpha-Zertifikate vorstellen, die sich insbesondere bei einer schwer prognostizierbaren Aktienmarktentwicklung anbieten.
| Lexikon der Zertifikate Teil 9 |

(PDF:91 KB) |
|
 |